Eine neue Analyse eines vor rund 40 Jahren in einer polnischen Höhle entdeckten Artefakts sorgt für Aufsehen: Die aktualisierte Datierung legt nahe, dass es sich um den bislang ältesten bekannten Bumerang der Welt handelt. Er weist alle Eigenschaften eines Bumerangs auf, die noch heute von den Aborigines verwendet werden.
Entdeckung in Obłazowa-Höhle: Sichelförmiges Artefakt im Fokus der Forschung
Das etwa 72 Zentimeter lange, sichelförmige Artefakt wurde vor rund 40 Jahren in der Obłazowa-Höhle im Süden Polens entdeckt. Aufgefunden wurde es zusammen mit menschlichen Überresten, Fuchszahnanhängern und steinernen Klingen, alle mit rotem Ocker überzogen. Die Funde wurden 1987 von Paweł Valde-Nowak, Archäologe an der Jagiellonen-Universität in Krakau, in „Nature“ veröffentlicht. Die Höhle wurde demnach während des Mittel- und Jungpaläolithikums (vor ca. 300.000 – 12.000 Jahren) zeitweise von Neandertalern und frühen modernen Menschen genutzt.
Das Jungpaläolithikum markiert eine Phase bedeutender kultureller Innovationen wie symbolischer Objekte und Werkzeugvielfalt. In der Obłazowa-Höhle konnte Valde-Nowak einen deutlichen Unterschied zwischen den Funden aus dem Ocker und früheren Artefakten am selben Ort feststellen. Dies interpretiert er als Hinweis auf bislang unbekannte kulturelle Praktiken des frühen Homo sapiens, die sich deutlich vom Verhalten der Neandertaler abheben.
Verblüffend jung: Erste Datierung des Artefakts infrage gestellt
Zur besseren zeitlichen Einordnung der Fundschichten in der Obłazowa-Höhle führten Forscher 1996 eine Kohlenstoff-14-Analyse organischer Überreste durch, darunter auch des Elfenbeinbumerangs. Mit einem Alter von nur 18.000 Jahren erschien dieser jedoch „unerwartet jung“, möglicherweise infolge von Verunreinigungen durch Klebstoffe oder Konservierungsmittel.
Im Rahmen einer neuen Analyse der Funde unterzogen die Wissenschaftler einen menschlichen Fingerknochen aus der Bumerangschicht DNA- und Kohlenstoff-14-Analysen. Die Ergebnisse weisen ihn einem anatomisch modernen Menschen zu, der vor mindestens 31.000 Jahren lebte. Aus konservatorischen Gründen wurde der Elfenbeinbumerang selbst nicht datiert, jedoch wurden Tierknochen derselben Schicht untersucht. Einige Knochen sind über 41.000 Jahre alt.
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Hightech der Urzeit: Wunderwaffe könnte ältestes Exemplar in Europa sein
Auf Basis dieser Radiokarbondaten und der stratigrafischen Tiefe erstellten die Forscher ein statistisches Modell, das den Bumerang auf ein Alter von mindestens 35.000 Jahren datiert, mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 42.365 und 39.355 Jahren. Die Studie hebt den Fund als eines der ältesten bekannten Exemplare Europas und möglicherweise weltweit hervor. Der Bumerang ist ein Beleg für die technische und kognitive Kompetenz des frühen Homo sapiens in der Werkzeugherstellung.
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Laut dem Australian National Museum sind klassische Bumerangs und Wurfstöcke der Aborigines seit mindestens 20.000 Jahren bekannt und wurden vielfältig genutzt, etwa zur Jagd, im Kampf oder als Grabwerkzeug. Ähnliche Wurfgeräte sind weltweit belegt, darunter ein bemerkenswert frühes Exemplar aus Norddeutschland mit einem Alter von rund 300.000 Jahren.





