- Italiens „Pasta-Omas“ sind zu einer echten Touristenattraktion geworden
- Doch nun wird ihnen vorgeworfen, ihre Nudeln seien nicht handgemacht
- Auf eine Razzia reagierten die Herstellerinnen mit einer Gegenoffensive
In Italien sind sie als „Pasta-Omas“ bekannt: Frauen, die im Labyrinth der engen Gassen der süditalienischen Adria-Hafenstadt Bari ihr Geld damit verdienen, hausgemachte Pasta – die Orecchiette („kleine Öhrchen“) – herzustellen und an Touristen zu verkaufen. Doch jüngst sind sie ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

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In Bari hat die Polizei 151 Kilogramm Pasta beschlagnahmt, die an Ständen verkauft wurde. Die Orecchiette wurden ohne Genehmigung angeboten, da es sich um industriell hergestellte Produkte handelte. Die Pasta-Omas dürfen jedoch nur handgemachte Pasta verkaufen. Auch einige Verkaufstische mit Lebensmitteln wurden beschlagnahmt. Drei der kontrollierten Händler wurden wegen unerlaubten Handels mit Geldbußen von je 5.000 Euro belegt.
Lesen Sie hier mehr zum mutmaßlichen Nudel-Betrug in Italien: Ermittlung gegen Pasta-Omas
„Pasta-Omas“ treten in den Streik: Auf Razzia folgen Blockaden
Daraufhin kam es zu einem lebhaften Protest der Pasta-Frauen. Angeführt von Nunzia Caputo, die seit jeher an der Spitze der Pasta-Omas steht, legten sie ihre Nudelbretter und Nudelholz beiseite und traten in den Streik. Fast drei Stunden lang blockierten sie am Mittwoch den Zugang zu der Gasse in der Altstadt von Bari, in der sie ihre Produkte üblicherweise anbieten. Die Protestaktion artete zeitweise in ein Handgemenge aus – Journalisten wurden angegriffen, Besucher zurückgewiesen.
Erst nachdem ein Gesprächstermin mit dem Bürgermeister von Bari, Vito Leccese, im Rathaus anberaumt wurde, lösten die Frauen die Blockade auf. Beim Treffen mit der Stadtverwaltung wurde betont, was die Betroffenen längst wissen: „Wir wollen die Tradition der handgemachten Orecchiette schützen. Was jedoch nicht erlaubt ist – sofern keine Genehmigung vorliegt – ist der Verkauf von industriell gefertigter Orecchiette“, erklärte Pietro Petruzzelli, Stadtrat für lokale Entwicklung.
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Die Beschlagnahmung der Waren sei Teil der regulären Kontrollen, wie sie auch auf Märkten oder in der Gastronomie zur Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln durchgeführt werden, stellte Petruzzelli klar. Fürs Erste scheinen die „Pasta-Omas“ bereit, ihre Arbeit wieder aufzunehmen – ganz zur Freude der vielen Touristen in Bari. „Das Gespräch mit dem Bürgermeister ist gut verlaufen“, kommentierte eine von ihnen nach dem Treffen im Rathaus.
Justiz ermittelt wegen Betrugs: „Orecchiette-Gate“ wird zum Skandal
Weniger glimpflich war es im Februar abgegangen: Damals hatte die Staatsanwaltschaft von Bari Ermittlungen gegen die Frauen wegen Betrugs aufgenommen – ausgelöst durch Vorwürfe von Foodbloggern und Journalisten, die die angebliche Handarbeit der Orecchiette infrage stellten. Der Skandal brach aus, als in Mülltonnen unweit der Wohnungen der Pasta-Herstellerinnen Schachteln industriell produzierter Orecchiette gefunden wurden. Ein Tourist hatte sich beschwert, dass ihm keine handgemachte Pasta, sondern ein Fertigprodukt verkauft worden sei.

So entstand ein Skandal, der unter dem Namen „Orecchiette-Gate“ bekannt wurde und nun sogar die Justiz beschäftigt. Die Staatsanwaltschaft von Bari ermittelt wegen Betrugs. Als Reaktion auf die Anschuldigungen haben die Behörden beschlossen, zu handeln. Sie wollen Vorschriften einführen, um die Authentizität der angebotenen Pasta zu gewährleisten. Dazu gehören regelmäßige Gesundheits- und Hygienekontrollen, die Verpflichtung zum Tragen von Haarnetzen und Handschuhen sowie die Einführung eines Qualitätssiegels, das die hausgemachte Herkunft der Pasta bestätigt.
Nudelfrauen protestieren gegen Vorschriften: „Würden vor Hitze sterben“
Umstritten ist allerdings, dass die Frauen die Pasta nicht mehr im Freien zubereiten dürfen – also nicht mehr an den Tischen, wo sie sich auf Dialekt unterhalten und die Orecchiette auf Holztabletts ausbreiten. Stattdessen sollen sie die Pasta in ihren engen Küchen herstellen, wo sie besser vor Staub und Insekten geschützt sei.
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Diese Maßnahmen stoßen bei den traditionellen Pasta-Herstellerinnen auf Widerstand, da sie ihre Arbeitsweise als Teil der lokalen Tradition betrachten. So kam es zuletzt wiederholt zu Protesten. Die „Pastaie“, die Nudelfrauen, sind mit den neuen Regeln nicht einverstanden. „Wir können die Orecchiette nicht drinnen zubereiten, weil unsere Küchen zu klein sind. Im Sommer würden wir vor Hitze sterben. Wir müssen draußen arbeiten“, meinen sie.
„Orecchiette“ sind eine köstliche Sorte frischer Pasta aus der süditalienischen Adriaregion Apulien. Mit geschickten Bewegungen des Handgelenks schneiden die Frauen kleine Stücke vom Ende einer wurstförmigen Rolle frischen Nudelteigs ab und drücken sie mit dem Daumen in eine hohle Form.







