Ein bisschen Frieden? Das war einmal. Der Streit um Israels Teilnahme am nächsten Eurovision Song Contest (ESC) spitzt sich zu. Auslöser der jüngsten Eskalation ist Spanien: Der öffentlich-rechtliche Sender RTVE will den ESC 2026 in Wien boykottieren, wenn Israel startet. Es ist die erste Drohung eines Landes aus den finanzstarken „Big Five“ – und damit ein Signal mit Gewicht. Mit den „Big Five“ sind die fünf Länder gemeint, die den ESC finanziell am stärksten tragen: Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich.

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Spaniens Fernsehanstalt begründet den Schritt mit Israels umstrittener Kriegsführung in Gaza – und mit der moralischen Verantwortung des Musikevents. Der ESC sei schließlich nicht nur eine Unterhaltungsshow, sondern auch ein internationales kulturelles Ereignis, das für Frieden, Vielfalt und europäische Werte stehe. „Es ist unerlässlich, dass RTVE einen Schritt nach vorn macht“, sagte Senderchef José Pablo López. „Wir können nicht länger so tun, als ginge uns das nichts an.“ Zumal Israel den ESC nutze, um international Imagepflege zu betreiben.

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ESC 2016: Spanien als erstes großes EU-Land gegen Israel

Rückendeckung kommt vom spanischen Regierungschef Pedro Sánchez. Der Sozialdemokrat hatte bereits im Mai gefordert, Israel – wie zuvor Russland – von internationalen Wettkämpfen auszuschließen, solange der Krieg andauere: „Was wir nicht zulassen können, sind doppelte Standards, daher sollte auch Israel nicht teilnehmen.“ Dieser Tage erneuerte Sánchez seinen Boykottaufruf: „Unsere Position ist klar: Solange die Barbarei nicht aufhört, dürfen weder Russland noch Israel an irgendeinem internationalen Wettbewerb teilnehmen.“

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Zuvor hatten schon kleinere Länder wie Irland, Island, die Niederlande und Slowenien angekündigt, dem ESC 2026 fernzubleiben, sollte Israel teilnehmen – doch Spaniens Drohung trägt als erstes großes EU-Land ein ungleich größeres Gewicht. Dass Spanien aus der Reihe der einflussreichen EU-Länder als erstes handelt, ist kein Zufall, sondern hat mehrere Gründe: Die Mitte-links-Regierung zählt zu den schärfsten Kritikern Israels in Europa. Dabei kann sie sich auf weite Teile der spanischen Gesellschaft stützen.

Nach einer aktuellen Erhebung des angesehenen Forschungsinstituts Elcano in Madrid verurteilen 82 Prozent der Spanier das israelische Vorgehen in Gaza und bezeichnen es als Völkermord. Dabei würden die Spanier in ihrem moralischen Urteil klar zwischen der israelischen Regierung und der jüdischen Bevölkerung unterscheiden. „Diese Ablehnung hat sich nicht in einem Anstieg des Antisemitismus in Spanien niedergeschlagen, der weiterhin eine Minderheitenerscheinung bleibt”, schreiben die Meinungsforscher.

Israels ESC-Teilnahme: Politische Spannungen steigen immer weiter

Während sich in Spanien also eine deutliche öffentliche Haltung abzeichnet, steht die Europäische Rundfunkunion (EBU) mit Sitz in Genf, die den ESC organisiert, vor der schwierigen Aufgabe, mit dieser Vielfalt an Positionen umzugehen. „Wir verstehen die Sorgen und die tief verwurzelten Meinungen im Zusammenhang mit dem andauernden Konflikt im Nahen Osten. Wir führen weiterhin Konsultationen mit allen Mitgliedern”, erklärte der EBU-Eurovisionsbeauftragte Martin Green gegenüber der spanischen Nachrichtenagentur Efe. Die Teilnahme Israels soll auf der nächsten Generalversammlung der EBU Anfang Dezember zur Abstimmung gestellt werden.

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Gleichzeitig kursieren in Israels Medien Berichte über mögliche Auswege. Demzufolge wurde Israels öffentlich-rechtlichem Sender Kan über informelle Kanäle nahegelegt, sich vorübergehend vom ESC zurückzuziehen oder unter neutraler Flagge aufzutreten. Die EBU dementierte jedoch, einen solchen Vorstoß unternommen zu haben. Israels Sendeanstalt Kan wiederum lehnte einen Rückzug ab: „Es gibt keinen Grund, warum Israel nicht weiterhin ein wichtiger Teil dieses kulturellen Ereignisses sein sollte, das nicht politisch werden darf“, erklärte Kan-Chef Golan Yochpaz in der Zeitung Times of Israel.

Zum Vorwurf der Kritiker, Israel nutze den ESC zur Imagepflege, gehört auch die Sponsoring-Debatte: Seit Jahren ist das israelische Kosmetikunternehmen Moroccanoil „Presenting Partner“ und somit privater Hauptsponsor des Wettbewerbs. Das Logo von Moroccanoil erscheint auf allen offiziellen Kanälen neben dem ESC-Logo und wird in der TV-Übertragung der Show immer wieder eingeblendet. Das allein ist kein politisches Statement, es illustriert jedoch, wie sehr der Musikwettbewerb auch wirtschaftlich mit Israel verflochten ist – und warum sich diese kulturelle Bühne nicht von den politischen Realitäten trennen lässt.

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Wien 2026: Bühne für Musik und politische Debatten

Mit rund 170 Millionen Zuschauern ist der Eurovision Song Contest das größte im Fernsehen übertragene Musikspektakel der Welt. Schon die letzten Ausgaben im schwedischen Malmö und in der Schweizer Stadt Basel waren von der Debatte über Israels Krieg in Gaza überschattet. In Basel blendete Spaniens Fernsehen vor dem Finale die folgende Botschaft ein: „Angesichts der Menschenrechte ist Schweigen keine Option. Frieden und Gerechtigkeit für Palästina.“

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In Basel gewann der Österreicher JJ und holte damit die Jubiläumsausgabe 2026 nach Wien. Und schon jetzt ist klar: Wenn sich im Mai in der Wiener Stadthalle die Länder zur 70. Ausgabe des Eurovision Song Contest versammeln, wird es nicht allein um Musik und Spektakel gehen – sondern auch um die Frage, ob Europas größte Bühne dem Druck der Politik standhalten kann.