Wie geht es eigentlich den Menschen, die sich die Gesundheit anderer Menschen zu ihrer Aufgabe gemacht haben? Diese Frage stellten sich Forschende des Regionalbüros Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission – und konnten ernstzunehmende Ergebnisse vorlegen.

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In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die die bisher umfassendste ihrer Art ist, wurden zwischen Oktober 2024 und April 2025 Ärzte und Pflegekräfte aus allen Ländern der Europäischen Union sowie Island und Norwegen befragt; insgesamt wurden über 90.000 Antworten aus 29 Ländern analysiert.

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Gesundheit: Von psychischen Beeinträchtigungen bis zu Suizidgedanken

Dabei zeigte sich: Eine oder einer in drei Ärzten oder Ärztinnen und Pflegern oder Pflegerinnen zeigte Symptome einer Depression oder Angststörung. Mit 32 Prozent haben beide Berufsgruppen dabei eine knapp fünfmal so hohe Wahrscheinlichkeit, dass Symptome von Depressionen bei ihnen aufkommen, wie der Rest der Bevölkerung, bei dem die Wahrscheinlichkeit bei fünf Prozent liegt. Circa drei Prozent von ihnen gaben zudem an, abhängig von Alkohol zu sein, mehr als zehn Prozent berichteten außerdem von selbstverletzendem Verhalten oder Suizidgedanken.

Doch woran liegt das? Vor allem an den Arbeitsbedingungen, betont das WHO-Forscherteam. So würde jeder und jede vierte Arzt oder Ärztin mehr als 50 Stunden in der Woche arbeiten, viele davon auch nachts. Je mehr Stunden jemand arbeitet und je mehr Nachtschichten diese Person übernimmt, desto höher sei auch das Risiko, psychische Probleme zu bekommen, heißt es.

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Die Arbeitszeit stellt aber nicht den einzigen einflussreichen Faktor dar – auch das soziale Umfeld würde massiv zum mentalen (Un-)Wohlsein beitragen, so die Forschenden weiter. Denn: Jeder und jede Dritte der Befragten berichtete, im letzten Jahr Mobbing und/oder Gewaltandrohungen am Arbeitsplatz erlebt zu haben, zehn Prozent von ihnen gaben an, von Gewalt und sexueller Belästigung betroffen zu sein. Rückführend wurde deutlich: Wer Gewalt, Mobbing oder Belästigungen erlebt, der berichtete bis zu doppelt so oft von psychischen Problemen.

„Eine unzumutbare Belastung für diejenigen, die für uns sorgen“

Das funktioniert auch andersherum: Wer ein stabiles soziales Umfeld besitzt, der berichtete auch seltener von psychischen Problemen, wie auch die Zahlen verdeutlichen: 17 Prozent derer mit stabilem sozialen Umfeld (etwa durch Arbeitskollegen und- kolleginnen oder Vorgesetzte) gaben an, Probleme mit ihrer mentalen Gesundheit zu haben; unter den Ärzten und Ärztinnen sowie Pflegekräften ohne diesen Support waren es 51 Prozent.

Zahlen, die zeigen, welchen Effekt äußere Einflüsse auf die Beschäftigten haben können – und die zum Handeln auffordern, wie die WHO betont. „Die Ergebnisse erinnern uns eindringlich daran, dass die Gesundheitssysteme in der Europäischen Region nur so stark sind wie die Menschen, die sie am Laufen halten“, erklärte Dr. Hans Henri P. Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa. „Ein Drittel aller Ärzte und Pflegekräfte berichtet über Depressionen oder Angstzustände, und mehr als ein Zehntel von ihnen hat schon einmal daran gedacht, sich das Leben zu nehmen oder sich selbst zu verletzen. Dies ist eine unzumutbare Belastung für diejenigen, die für uns sorgen. Aber es muss nicht so sein.“ 

Die Forschenden appellieren an die befragten Länder, den negativen Erfahrungen der Ärzte, Ärztinnen und Pflegekräften entgegenzuwirken – und schlagen abschließend sieben verschiedene Maßnahmen hierfür vor, darunter etwa die Schulung von Führungskräften und das Erinnern an ihre Verantwortung oder auch eine Erweiterung des Zugangs zu psychologischer Betreuung. Dr. Kluge; „Diese Untersuchung muss ein dringend notwendiger Weckruf sein, der zum Handeln veranlasst.“

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.