Als König Charles am Montag die Kathedrale von Lichfield in der Nähe von Birmingham besuchte, lief es zunächst wie gewohnt ab: Der Monarch sprach mit Würdenträgern und Vertretern von Gemeinschaftsgruppen und wurde vom Kirchenchor besungen. Als Charles vor der Kathedrale mit Schaulustigen sprach und Hände schüttelte, geschah jedoch etwas Unerwartetes: Ein Demonstrant konfrontierte Charles lautstark.

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„Wie lange wissen Sie schon von Andrew und Epstein?“, rief ihm der Demonstrant zu. „Haben Sie die Polizei gebeten, Andrew zu decken?“ Es folgte: „Sollten Abgeordnete im Unterhaus über die Royals debattieren dürfen?“ Charles schüttelte weiter Hände und winkte der Menge, bevor er sich umdrehte und kommentarlos wegging.
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Dass ein amtierender Monarch derartig angegangen wird, ist in Großbritannien dermaßen ungewöhnlich, dass selbst die Abendnachrichten darüber berichteten. Der Vorfall verdeutlicht, wie sehr die immer neuen Enthüllungen um Charles’ Bruder Andrew mittlerweile über dem Königshaus hängen.
Schwere Anschuldigung: Prinz Andrew soll Sex mit Minderjähriger gehabt haben
Seit dem Sommer werden immer neue Vorwürfe gegen Andrew laut. Die meisten von ihnen befassen sich mit Andrews Freundschaft zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Vergangene Woche erschien die posthum veröffentlichte Autobiografie des Epstein-Opfers Virginia Giuffre. Darin schrieb Giuffre, dass sie gezwungen worden wäre, bei drei Anlässen mit Andrew Sex zu haben. Bei dem frühesten Vorfall sei sie gerade einmal 17 Jahre alt gewesen. Andrew, der Giuffre vor drei Jahren im Rahmen einer außergerichtlichen Einigung in den USA einen Millionenbetrag gezahlt hat, bestreitet die Vorwürfe.
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Mitte Oktober kam König Charles offenbar zu dem Schluss, dass es genug ist. Der Buckingham-Palast gab in einer knappen Erklärung bekannt, dass Andrew seine Titel und Ehrungen nicht länger benutzen würde.
Prinz Andrew musste bereits all seine Titel und Ehrungen abgeben
Doch das reichte nicht, um die Aufmerksamkeit vom Thema Andrew wegzulenken. Erst am Montagabend wurde bekannt, dass Epstein, seine Komplizin Ghislaine Maxwell und der später in Ungnade gefallene Hollywood-Produzent Harvey Weinstein 2006 gemeinsam eine Party in der „Royal Lodge“ besucht haben. Die Lodge befindet sich auf dem stattlichen, 30 Räume umfassenden Anwesen auf dem Gelände des Schlosses Windsor, in dem Andrew und seine Ex-Frau Sarah Ferguson leben. Nur wenige Tage später wurde Epstein in Florida festgenommen. Die Vorwürfe gegen ihn waren damals schon allgemein bekannt.

Die Tatsache, dass Andrew allen Skandalen zum Trotz weiter in dem stattlichen Anwesen residiert, steht schon länger in der Kritik. Schließlich gehört Andrew bereits seit 2019 nicht mehr zu den „arbeitenden Royals“, die offizielle Aufgaben im Namen der Monarchie wahrnehmen. Nun kam auch noch heraus, dass Andrew gemäß Vertrag nur „ein Pfefferkorn“ im Jahr an Miete zahlen würde, in einem Land, in dem eine schwere Wohnungsnot herrscht. Berichten zufolge habe er 2003 eine Million Pfund im Voraus für eine 75-jährige Pacht gezahlt und das Gebäude zwei Jahre später auf eigene Kosten für 7,5 Millionen Pfund renovieren lassen.
Muss Prinz Andrew das Gelände von Schloss Windsor verlassen?
Charles soll seinen Bruder bereits seit Jahren dazu drängen, das Anwesen zu verlassen. Bislang ohne Erfolg. Doch nun mehren sich Berichte, wonach sich Andrew in „fortgeschrittenen Gesprächen“ über einen Auszug aus der Royal Lodge befinden soll. Dabei berichtete das Boulevardblatt „Sun“, dass Andrew im Gegenzug verlangen würde, zwei Wohnhäuser auf dem Areal des Windsor-Schlosses zugewiesen zu bekommen – eines für sich, eines für seine Ex-Frau.

Die Episode könnte für das Königshaus ein unangenehmes öffentliches Nachspiel haben. Denn nun werden innerhalb der Politik Forderungen laut, zu prüfen, wie es dazu kommen konnte, dass der mittlerweile in Ungnade gefallenen Andrew 20 Jahre lang praktisch mietfrei in einer dermaßen prestigeträchtigen Immobilie leben konnte. Wäre das Anwesen normal vermietet worden, hätte es jedes Jahr hunderttausende Pfund an Mieteinnahmen generieren können. Der Großteil davon wäre in die Staatskasse geflossen.
Auch Premierminister Keir Starmer sprach sich kürzlich dafür aus, die betreffenden finanziellen Arrangements unter die Lupe zu nehmen. Ein Parlamentsausschuss, der sich mit öffentlichen Ausgaben befasst, soll bereits in den kommenden Tagen Fragen beim Schatzamt und dem Crown Estate einreichen, der die Liegenschaften der Krone verwaltet.
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Prinz Andrew: Jetzt wird sogar ein politisches Tabu gebrochen
Manchen Abgeordneten geht das noch nicht weit genug. So verlangte kürzlich Ed Davey, der Chef der Liberaldemokraten, Andrew vor einen Parlamentsausschuss zu laden. „Die Öffentlichkeit verlangt völlig zu Recht Antworten. Daher ist es richtig, dass das Parlament die Hintergründe der Vereinbarungen rund um die Royal Lodge aufklärt.“ Prince Andrew solle seine Aussage machen und Reue zeigen. „Transparenz wird entscheidend sein, um das Vertrauen in unsere Institutionen wiederherzustellen.“
Damit hat Davey ein seit langem geltendes politisches Tabu gebrochen. Die Forderung, dass sich ein Mitglied der königlichen Familie vor Abgeordneten rechtfertigen soll, ist in der jüngeren Geschichte beispiellos. Gemäß den Konventionen des Parlaments dürfen in Parlamentsdebatten „keine Bemerkungen über das Verhalten des Monarchen, des Thronfolgers oder anderer Mitglieder der königlichen Familie geäußert werden“.







