Ein Bauarbeiter mit Helm auf dem Kopf steht vor den Trümmern des eingestürzten mittelalterlichen Turms Torre dei Conti an den Kaiserforen in Rom. Er legt einen Strauß gelber Blumen nieder – zum Gedenken an Octav Stroci, den 66-jährigen rumänischen Arbeiter, der beim Einsturz des Turms am Montag ums Leben kam. „Octav musste elf Stunden lang unter den Trümmern ausharren, bevor er geborgen werden konnte. Leider war es zu spät – er erlag im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen“, sagt ein Arbeitskollege und Freund des Verstorbenen mit Tränen in den Augen.

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Die Torre dei Conti wurde während des Pontifikats von Papst Innozenz III. errichtet und war ursprünglich rund 50 bis 60 Meter hoch. Die oberen Stockwerke wurden jedoch durch Erdbeben im 14. und 17. Jahrhundert beschädigt und später abgetragen. Das Gebäude war seit Langem versperrt und verlassen. Zum Zeitpunkt des Einsturzes am Montag fanden Renovierungsarbeiten statt. Vier Arbeiter wurden von den Trümmern erfasst, drei von ihnen konnten gerettet werden.
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Das Unglück wirft Fragen zum Zustand der vielen Kulturschätze in Rom und in ganz Italien auf, die vom Verfall bedroht sind. Von den Aurelianischen Mauern über die Monumente auf den Hügeln Colle Oppio und Celio bis hin zu den historischen Villen: Roms architektonisches Erbe leidet unter chronischem Wartungsmangel, langsamen Bauverfahren und unzureichenden Ressourcen.
Italiens Kulturgut bröckelt: Mensch und Natur machen Denkmälern zu schaffen
In den historischen Parkanlagen – Villa Ada, Villa Doria Pamphilj und Villa Sciarra, die zu den Juwelen der Stadt gehören – warten zahlreiche kleinere Monumente seit Jahren auf Restaurierungen. Auch der Klimawandel mit Dürreperioden und heftigen Regenfällen, sowie die Bohrarbeiten für den Bau einer neuen U-Bahn-Linie im Herzen der Altstadt sind eine Bedrohung für die historischen Bauwerke der Ewigen Stadt.
Die Aurelianischen Mauern, die den Stadtkern Roms jahrhundertelang vor feindlichen Armeen schützten, sind besonders betroffen. Sie bilden ein einzigartiges, fast 17 Kilometer langes Monument, das schwer zu überwachen und instand zu halten ist, warnen Experten. Eine Kombination aus Dauerregen und langen Trockenperioden hat in den vergangenen Jahren erhebliche Schäden verursacht. Zu allem Überfluss traf im vergangenen Winter ein Blitz den Konstantinsbogen und ließ große Marmorstücke absplittern.
Verband: Mehrere Hundert Monumente sind einsturzgefährdet
Italien besitzt weltweit das reichste Kulturerbe – doch dessen Erhalt wird immer schwieriger. „Wenn wir Schäden nicht mitzählen, die durch Naturkatastrophen wie Erdbeben entstehen können, gibt es in Italien schätzungsweise mehrere Hundert Monumente, die derzeit einsturzgefährdet sind“, warnt Michele Campisi, ehemaliger Präsident der gemeinnützigen Organisation Italia Nostra, die sich für den Schutz des kulturellen Erbes einsetzt. Italia Nostra hat eine „Rote Liste“ erstellt, auf der sowohl die rund 200 Ortsgruppen der Organisation als auch Bürger und Bürgerinnen gefährdete Bauwerke melden können. Inzwischen umfasst diese Liste 430 Monumente.

Der Verfall belastet laut Campisi insbesondere Kulturstädte wie Rom, die unter den großen Touristenströmen leiden. „Gerade der Massentourismus ist ein Problem, weil das Stadtzentrum immer mehr Einwohner verliert – und damit Menschen, die sich aktiv um die Monumente ihrer Viertel kümmern. Zahlreiche Bauwerke und Kunstwerke abseits der großen Touristenrouten geraten dadurch in Vergessenheit“, meint Campisi.
Instandhaltung von Bauwerken: Objekte sind auf verschiedene Eigentümer verteilt
Viele historische Bauwerke fallen in die Zuständigkeit des italienischen Kulturministeriums. Kulturgüter, die älter als 70 Jahre sind, stehen sogar gesetzlich unter Schutz. Hinzu kommen mehr als 10.000 archäologische Monumente. Wie es um ihren Zustand bestellt ist, ist schwer zu beurteilen, da die Objekte auf unterschiedliche Eigentümer verteilt sind. Das Ministerium ist nur für öffentliches Eigentum zuständig – viele Denkmäler gehören jedoch dem Vatikan, den Gemeinden, Institutionen oder Privatpersonen.
Die Erhaltung sei äußerst kostspielig, warnen Experten. „Unser Kulturerbe muss ständig kontrolliert und vorbeugend instand gehalten werden“, fordert Campisi. Zwar seien Unglücke wie im Falle des Torre dei Conti selten. „Vorbeugung ist jedoch der einzige Weg, um Tragödien wie diese zu vermeiden.“
Touristen-Hotspots wie Kolosseum werden besser instand gehalten
Weltberühmte Bauwerke wie der Schiefe Turm von Pisa und das Kolosseum stehen nicht auf der Liste der gefährdeten Monumente – dort seien laut Campisi bereits Maßnahmen gegen die Einsturzgefahr ergriffen worden. Der Schiefe Turm von Pisa war in den vergangenen Jahren stabilisiert worden. Das Kolosseum wurde in mehreren Etappen über die Jahrhunderte hinweg restauriert.
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Ein neuer Abschnitt begann im Jahr 2013, als der italienische Luxuskonzern Tod‘s ein großes Restaurierungsprojekt finanzierte. Diese erste moderne Restaurierung, die bis 2016 dauerte, umfasste die gründliche Reinigung und Festigung der nördlichen und östlichen Außenfassade.
Von 2018 bis 2021 folgte die zweite Phase, die sich auf die Innenräume und die unterirdischen Gänge konzentrierte. Seit 2021 läuft eine dritte Phase, in der eine neue, teilweise rekonstruierte Arenaebene entstehen soll. Diese soll bis etwa Ende 2026 fertiggestellt werden und künftige kulturelle Veranstaltungen sowie archäologische Forschungen ermöglichen.






