Als ein Redakteur der „Washington Post“ 2018 in einem Text den Begriff „Bomb cyclone“ prägte, war eine meteorologisch-mediale Erfolgsgeschichte geboren. Andere Zeitungen und Online-Medien griffen die martialische Bezeichnung rasch auf und bezeichneten damit ein Phänomen, bei dem der Luftdruck innerhalb kurzer Zeit stark fällt und das System extremen Wind, Schnee und Kälte erzeugt.

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Bei der deutschen Übersetzung „Bomben-Zyklon“ schlagen Meteorologen aber wahrscheinlich gleich doppelt die Hände über dem Kopf zusammen. Die Bezeichnung „Zyklon“ ist nämlich fehl am Platz, bezeichnet dieser Begriff doch einen tropischen Wirbelsturm, der in Mitteleuropa überhaupt nicht auftreten kann.

Lassen wir uns die Angelegenheit also lieber von Fachpersonal erklären: Diplom-Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) schrieb schon 2018, dass man zunächst einmal den Zyklon von einer Zyklone unterscheiden müsse. Bei letzterer handele es sich um ein Tiefdruckgebiet, das durch das Aufeinandertreffen warmer und kalter Luftmassen gekennzeichnet sei.

„Wetterbombe“ kann auch Deutschland heimsuchen

Trippler vermutet, dass der Begriff „Bomben-Zyklon“ „aus dem Begriff „Wetterbombe“ oder „Bombogenese“ abgeleitet“ sei. Bei der Bombogenese handele es sich um eine Unterform der Zyklogenese, der explosionsartigen Entstehung von Wirbelstürmen durch starke Temperaturunterschiede.

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Bei dieser rapiden Zyklogenese müsse der Luftdruck „in den mittleren Breiten innerhalb von 24 Stunden um 24 Hektopascal (hPa) fallen. Auslöser einer rapiden Zyklogenese ist, wie bei der Entstehung gewöhnlicher dynamischer Tiefdruckgebiete auch, vereinfacht gesagt das Zusammentreffen von kalter Luft aus dem Norden und warmer aus dem Süden“, so Trippler. Entlang des Golfstroms und im Nordwestpazifik seien solche Wetterlagen keine Seltenheit. Starker Regen und Schneefälle, Orkanböen und Sturmfluten können die Folgen sein.

Eine „Wetterbombe“ oder eben besagter „Bomben-Zyklon“ kann laut Trippler auch in Europa auftreten. Ein bekanntes Beispiel sei der Weihnachtsorkan „Lothar“ gewesen, der vor der Küste Neufundlands entstand und am 26. Dezember 1999 auch über Deutschland hinwegfegte und dabei große Schäden verursachte.

Laut Expertenmeinung war „Lothar“ einer der stärksten Orkane in Europa im 20. Jahrhundert. Aktuell kommt es über dem Atlantik erneut zu einer rapiden Zyklogenese, also zu einer „Wetterbombe“. Die Folgen sollen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag auch in Deutschland zu spüren sein. Vorhergesagt werden Schneestürme, Glatteis und eisige Temperaturen.

tok