Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler berichten von einem Durchbruch, der die Chancen älterer Frauen auf eine erfolgreiche In-vitro-Fertilisation (IVF), auch künstliche Befruchtung genannt, deutlich erhöhen könnte: Zum ersten Mal sollen menschliche Eizellen „verjüngt“ worden sein.

Jeden 2. Sonntag

Ein FUNKE Liebe

Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

In-vitro-Fertilisation (IVF) ist eine Methode der künstlichen Befruchtung: Eizellen werden im Labor mit Spermien zusammengebracht, so dass eine Befruchtung außerhalb des Körpers stattfindet. Die entstandenen Embryonen werden anschließend in die Gebärmutter der Frau eingesetzt, um eine Schwangerschaft zu ermöglichen.

Auch interessant

Schwangerschaft: Ein Problem des Alters?

Mit zunehmendem Alter steigt allerdings das Risiko, dass Eizellen Chromosomenfehler entwickeln, die Hauptursache für IVF-Misserfolge und Fehlgeburten bei älteren Frauen. Unter 35 liegt die durchschnittliche Geburtenrate pro transferiertem Embryo bei etwa 35 Prozent, bei Frauen zwischen 43 und 44 Jahren nur noch bei rund fünf Prozent.

Die Chromosomenfehler entstehen in der sogenannten Meiose, dem Prozess, bei dem Eizellen ihre genetische Hälfte bereitstellen. Normalerweise müssen sich 23 Chromosomenpaare perfekt ausrichten, um nach der Befruchtung die richtige Anzahl von Chromosomen zu liefern. Bei älteren Eizellen lockern sich die Paare jedoch oft zu früh, was zu Embryonen mit zu vielen oder zu wenigen Chromosomen führt.

Auch interessant

Hier setzt das Protein Shugoshin 1 an. In Experimenten wirkte es wie ein Kleber, der die Chromosomenpaare stabil hält. In Versuchen an Mäuse- und menschlichen Eizellen zeigte die Substanz, dass sich die fehlerhafte Trennung deutlich reduzieren lässt.

Neue Methode reduziert Chromosomenfehler

In diesen Experimenten injizierten Forscher den Eizellen von Patientinnen das Protein, das als „molekularer Klebstoff“ für Chromosomenpaare dient. Das Ergebnis: Die Zahl der Zellen mit altersbedingten Chromosomenfehlern halbierte sich fast. Bei den behandelten Eizellen wiesen nur noch 29 Prozent die typischen Defekte auf, verglichen mit 53 Prozent in einer Kontrollgruppe. Besonders ältere Eier profitierten: Bei Frauen über 35 sank der Anteil fehlerhafter Eizellen von 65 auf 44 Prozent.

Lesen Sie auch

„Wir haben es geschafft, die Eier biologisch in einen jüngeren Zustand zurückzuversetzen“, sagt Prof. Melina Schuh vom Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Wissenschaften in Göttingen, die an der Studie beteiligt ist. „Das ist ein bedeutender Fortschritt, der die IVF-Ergebnisse der letzten Jahre deutlich verbessern könnte.“

Ein Schritt, noch nicht die Lösung

Die Ergebnisse wurden als Preprint veröffentlicht und sollen auf der British Fertility Conference in Edinburgh vorgestellt werden. Die Forscher betonen jedoch, dass weitere Studien notwendig sind, um Sicherheit und Wirksamkeit klinisch zu bestätigen. Eine Anwendung könnte zwar nicht die Fruchtbarkeit über die Menopause hinaus verlängern, doch sie könnte Frauen über 35 eine deutlich höhere Chance auf eine erfolgreiche IVF geben.

Auch interessant

„Der Ansatz ist wirklich vielversprechend“, sagt Dr. Güneş Taylor von der Universität Edinburgh, die nicht an der Studie beteiligt war, laut dem Guardian. „Wenn eine einzelne Injektion die Zahl der Eizellen mit korrekt angeordneten Chromosomen deutlich erhöht, ist das ein vielversprechender Ausgangspunkt für erfolgreiche Schwangerschaften.“

Start-up bringt Forschung in die Klinik

Die Umsetzung der Methode in die Praxis soll durch Ovo Labs vorangetrieben werden, ein Start-up, das aus dem Max-Planck-Institut hervorgegangen ist. Das Unternehmen hat bereits 4 Millionen Pfund Startkapital eingesammelt, um die Entwicklung des Proteins für klinische Studien voranzutreiben. Ziel ist es, die Behandlung in bestehende IVF-Protokolle zu integrieren, ohne den Patientinnen zusätzliche Belastungen zuzumuten.

„Wir wollen Frauen weltweit mehr Hoffnung geben, ihren Kinderwunsch zu erfüllen“, sagt Dr. Agata Zielinska, Mitgründerin von Ovo Labs. „Die Verjüngung von Eizellen könnte es ermöglichen, schon mit einem einzigen IVF-Versuch schwanger zu werden.“