Die Olympischen Winterspiele in Italien stehen unmittelbar bevor. Kaum vorstellbar ist heute, dass Jena vor gut 70 Jahren sehr ehrgeizige Wintersportziele hatte. Damals begannen Sportbegeisterte sogar, eine massive Skisprungschanze zu bauen, die Sprünge von deutlich über 20 Metern ermöglichen sollte. Im Mädertal oberhalb des Südviertels lassen sich bis heute Reste des damaligen Geländeprofils erkennen.

Der Jenaer Sporthistoriker Hans-Georg Kremer hat auch zur Geschichte dieser Sprungschanze geforscht. Die Euphorie jener Zeit habe viel mit den Erfolgen von Harry Glaß zu tun gehabt, berichtete Kremer der Redaktion. Der Skispringer gewann 1956 die erste olympische Medaille für die DDR und befeuerte damit landesweit die Begeisterung für den Wintersport.

Es war Jenas erste Sprungschanze
Im Sommer 1954 wurde es deshalb im Mädertal unruhig. Wo sonst Spaziergänger unterwegs waren, arbeiteten nun Freiwillige des Nationalen Aufbauwerks (NAW). Mit Hacke, Schaufel und viel Idealismus formten sie den Hang für Jenas erste feste Skisprungschanze. Der Anlauf entstand, der Schanzentisch wurde aus Steinen errichtet – kein Luftschloss, sondern ein reales Bauwerk.
Bis dahin hatte sich der Jenaer Skisprungbetrieb jedes Jahr mit Provisorien beholfen. Eines davon befand sich in schneereichen Wintern im nahegelegenen Lichtenhain. Dort wurde Schnee aufgehäuft, um einen Schanzentisch zu formen. Der Wunsch nach einer dauerhaften Lösung war also nachvollziehbar.

Zudem passte das Projekt gut in die Sportpolitik der DDR. Nordische Disziplinen waren ausdrücklich erwünscht, überall im Land entstanden Sprungschanzen – etwa in Weimar, Erfurt oder im Steigerwald. Auch in Tautenhain gab es eine größere Holzschanze. Jena wollte mithalten.
Der Bau geriet ins Stocken
Geplant wurde die Anlage von erfahrenen Sportfunktionären, u.a. von Hans Renner, dem Vorsitzenden der DDR-Sportkommission. Doch trotz guter Ideen und politischer Rückendeckung geriet das Projekt ins Stocken.

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Kremer nennt dafür zwei Hauptgründe. Zum einen verließ mit dem erfolgreichen Wintersportler Lothar Eichhorn-Beyer einer der wichtigsten Akteure das Projekt und ging nach Zella-Mehlis. Zum anderen seien die Erbauer im wahrsten Sinne des Wortes über das Ziel hinausgeschossen

Während des Baus wurden die Pläne mehrfach geändert. Der Absprung wurde um sieben Meter nach oben verlegt, um später Sprünge bis zu 30 Metern zu ermöglichen. Das Projekt wurde damit zu groß, um es allein mit freiwilligen Helfern im Rahmen einer Mach-mit-Bewegung umzusetzen.
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Wintersport gab es dennoch auch später in Jena. Die Hockeyspieler der BSG Motor trugen zeitweise sogar Punktspiele auf Eis aus. In den Kernbergen soll es eine kleine alpine Abfahrt gegeben haben, die im damals noch spärlich bebauten Gebiet nahe der heutigen Musik- und Kunstschule endete.
Und am Dornblutweg bauten Enthusiasten des Unisports sogar einen kleinen Skilift – angetrieben von einem Motorradmotor. Große winterliche Sprünge machte Jena danach jedoch nicht mehr.

Die Sprungschanze ist im internationalen Skisprungschanzen-Archiv gelistet und beschrieben. Auch bei Google-Maps ist sie als Sehenswürdigkeit markiert, mit mehreren 5-Sterne-Bewertungen. Jüngster Kommentar: „Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Schanze in den 50er und 60er Jahren aussah!“





