Sie galt jahrhundertelang als ausgestorben im Norden Deutschlands, scheint sich dort und anderswo im Land aber wieder auszubreiten: die Europäische Wildkatze. In Schleswig-Holstein gelang dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kürzlich der Nachweis des in Deutschland seltenen Tieres – durch eine dramatische Rettungsaktion.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
Alle zwei Wochen sonntags: Antworten auf Beziehungsfragen – ehrlich, nah und alltagstauglich.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Eine der Wildkatzen hatte sich in einem Wildzaun im Herzogtum Lauenburg fest verknotet – und konnte sich nicht aus eigener Kraft befreien. Der Jäger Jan Haberkamm schnitt die Katze schließlich frei. Und rettete ihr so das Leben. Einzelne Haare des Tieres, die am Zaun hängengeblieben waren, schickte er dann ins Labor. Das Ergebnis war eindeutig: Europäische Wildkatze. Tierschützer sprechen von einem „Meilenstein“, einer „Sensation“ gar, schließlich war die Katzenart in Schleswig-Holstein seit dem Mittelalter ausgestorben.
Hier ist die Europäische Wildkatze beheimatet
Auch in Teilen Bayerns oder in der Prignitz (Brandenburg) konnten Europäische Wildkatzen erstmals seit Jahren wieder nachgewiesen werden. Verbreitet ist die Europäische Wildkatze in Deutschland laut dem BUND hauptsächlich in großen Waldgebieten im Westen wie der Eifel oder im Hunsrück sowie in Mitteldeutschland im Leine-Weser-Bergland, Harz oder im Hainich. Dort ist die Bestandsdichte recht hoch. Auch in Nordostfrankreich, Ostbelgien und Luxemburg, auf der iberischen Halbinsel, in Schottland, Italien und auf dem Balkan kommt die Wildkatze vor. Die Tierart, die auch als Waldkatze bekannt ist, mag Waldgebiete und sogenannte Halboffenlandschaften.
Lieben Sie gut recherchierte Geschichten, spannende Interviews und Reportagen?
Textchefin Birgitta Stauber sucht sie in ihrem Newsletter „Das Beste am Sonntag“ für Sie aus, eingebettet in ein persönliches Editorial. Kostenlos abonnieren können Sie den Newsletter hier.
Dass sich die Katze in Deutschland weiter auszubreiten scheint, sehen Tierschützer als ein gutes Zeichen. Doch es besteht auch die Gefahr, dass die Jungtiere der Wildkatzen mit Hauskatzen verwechselt und von Wandernden und Spaziergängern mitgenommen werden. „Es ist strafbar, gesunde Wildkatzen aus dem Wald mitzunehmen“, warnt der BUND. Die Europäische Wildkatze gehöre zu den „besonders geschützten“ Arten.

Verwechslungsgefahr: So unterscheidet sich die Europäische Wildkatze von Hauskatzen
Erkennen kann man die Europäische Wildkatze, im Fachjargon Felis silvestris, an ihrem breiten, buschigen Schwanz mit einem schwarzen, stumpfen Ende. Markant ist außerdem, dass er meist zwei bis drei schwarze Ringe hat. Laut der Deutschen Wildtierstiftung ziehen sich auf der Stirn der Tiere dunkle Streifen zwischen den Ohren bis in den Nacken. Auf dem Rücken haben sie obendrein mittig den sogenannten Aalstrich, eine dunkle Linie.
Das Fell ist grau mit gelblichem Unterton und vor allem im Winter ziemlich dicht. Erwachsene Tiere sind oft verwaschen und häufig kaum sichtbar getigert. Junge Wildkatzen sind häufig kontrastreicher gezeichnet. Darin liegt die Verwechslungsgefahr: Junge, unselbstständige Wildkätzchen können leicht für Hauskätzchen gehalten werden. „Im Freiland fällt aber auch das Verhalten der Wildkatze sofort auf: Sie ist sehr scheu und meidet die Nähe zum Menschen strikt“, heißt es von der Deutschen Wildtierstiftung.
Orcas, Haie und Tiere im Meer
Wer beim Waldspaziergang mögliche Wildkätzchen entdeckt, sollte sie in Ruhe lassen, mahnt der BUND: „Halten Sie Abstand und entfernen Sie sich möglichst zügig und ohne Lärm.“ Es ist möglich, dass sich die Mutterkatze nur kurz entfernt hat. Da die Tiere sehr scheu sind, kehren sie allerdings nicht zurück, wenn Menschen sie irritieren.







