Es müssen schreckliche Stunden für die Familie von Serkan C. gewesen sein. Am Mittwochmorgen ist der 36-jährige Zugbegleiter der Deutschen Bahn aus Rheinland-Pfalz im Krankenhaus an den Folgen einer Hirnblutung gestorben. Er war am Montagabend von einem Fahrgast ohne Ticket lebensbedrohlich verletzt worden, als er dessen Fahrschein kontrollieren wollte. Der Fall sorgte für Entsetzen. Die Familie des Toten muss einen weiteren Schock verkraften: Der Vater des Verstorbenen wurde nach der Nachricht vom Angriff auf seinen Sohn intensivmedizinisch betreut.

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Wie Vater von Serkan C. nun gegenüber der „Bild“-Zeitung berichtete, habe er einen leichten Herzinfarkt erlitten und sei daraufhin im Krankenhaus behandelt worden. Zwei Tage danach konnte er die Klinik wieder verlassen. „Ich habe einen Bypass bekommen. Aber mein Sohn wird nicht wieder zurückkommen“, erklärte er.

Totgeschlagener Schaffner war alleinerziehend – Kinder „haben ihren Vater sterben sehen“

Wie die „Bild“ berichtet, hinterlässt Serkan C. zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren. Er war demnach alleinerziehender Vater. Die Boulevardzeitung hat mit Ergin C., dem Cousin des Getöteten, gesprochen. Serkan C.s Kinder „haben ihren Vater sterben sehen, es war furchtbar“, sagte der Hinterbliebene. Die Familie sei seit Montag an der Seite von Serkan C. im Krankenhaus gewesen, berichtet er weiter.

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Die mutmaßlichen Hintergründe der Tat machen die Angehörigen nach wie vor fassungslos. „Wegen 60 Euro wurde Serkan totgeprügelt. Er hatte mit niemandem Streit, er war ein liebenswerter Mann, Familienvater. Nur weil einer kein Ticket hatte, musste unser Serkan sterben. Wie kann man so ausrasten?“, fragte er sich am Todestag seines Verwandten. Am Mittwochmorgen sei er dann gestorben. Um die Hinterbliebenen zu unterstützen, hat die Deutsche Bahn ein Spendenkonto eingerichtet.

„Der tragische Tod macht mich fassungslos und traurig. Mein tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen von Serkan C., seinen Freunden und seinen Kolleginnen und Kollegen. Wir alle bei der Deutschen Bahn verurteilen aufs Schärfste diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen“, heißt es in einem Statement von Bahn-Chefin Evelyn Palla.

Eisenbahn-Gewerkschaft: Schweigeminute für Serkan C.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hatte für Mittwoch zu einer Schweigeminute aufgerufen. „Wir sind erschüttert und trauern um unseren Kollegen“, teilte der EVG-Vorsitzende Martin Burkert mit. „Heute steht die Eisenbahnerfamilie still.“ Eine Schweigeminute hat am Mittwoch um 15 Uhr stattgefunden. „Ab morgen erhöhen wir nochmal den Druck“, schrieb die Gewerkschaft weiter. „Dieser brutale Überfall muss jetzt ein Umdenken einleiten.“ Die Politik müsse Maßnahmen für mehr Sicherheit ergreifen.

Auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) rief zu mehr Engagement für die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen auf. „Wir müssen gemeinsam mehr tun für den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Züge und Bahnhöfe müssen sicher sein“, sagte Schnieder laut einer Mitteilung. 

„Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt“, sagte Schnieder. Er sei entsetzt und fassungslos. Sein Mitgefühl gelte der Familie, den Kolleginnen und Kollegen sowie den Freunden des Getöteten.

Zugbegleiter stirbt nach Angriff bei Ticketkontrolle
In Berlin hat Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU, 3.v.r) an der Gedenkminute für den getöteten Zugbegleiter teilgenommen.© Sebastian Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Nach Tod von Zugbegleiter: „Lässt uns wütend und traurig zurück“

Auch die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und dem Saarland reagierten entsetzt auf den Tod des Zugbegleiters. „Diese schreckliche Gewalt gegen jemanden, der einfach seinen Job macht, lässt uns wütend und traurig zurück“, erklärten der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer und die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (beide SPD) am Mittwoch gemeinsam in Mainz und Saarbrücken. 

Ihre Gedanken seien bei allen Angehörigen und Freunden des Opfers. Die Tat erschüttere die gesamte Bahn-Familie und sei „furchtbarer Ausdruck einer seit Langem steigenden Aggressivität bis hin zu Gewalt gegenüber Zugbegleitern“, fügten Schweitzer und Rehlinger hinzu. Sie stünden an der Seite der Beschäftigten der Deutschen Bahn. Alle Beteiligten müssten sich zusammentun, um Zugbegleiter und Fahrgäste besser zu schützen. 

Polizei ermittelt wegen Totschlags

Nach Angaben der Polizei hatte ein 26 Jahre alter Mann den 36 Jahre alten DB-Mitarbeiter am Montagabend bei einer Ticketkontrolle angegriffen, als der Zug gerade den rheinland-pfälzischen Bahnhof Landstuhl verlassen hatte. Gegen den 26-Jährigen wurde zunächst Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des versuchten Totschlags erlassen, wie die Staatsanwaltschaft Zweibrücken mitteilte.

Da der 26-Jährige keinen Fahrschein vorzeigen konnte, sollte er des Zuges verwiesen werden – daraufhin kam es laut Polizei zum Angriff. Dabei soll der Angreifer den Zugbegleiter mit Faustschlägen gegen den Kopf schwer verletzt haben. Der Zugbegleiter wurde demnach vor Ort reanimiert. Fahrgäste leisteten Erste Hilfe und alarmierten die Polizei.

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Der lebensgefährlich Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht. Dort kämpfte er rund 24 Stunden um sein Leben. Einsatzkräfte der Landespolizei des Saarlandes und der Bundespolizei nahmen den Tatverdächtigen fest. Die Kriminaldirektion Kaiserslautern ermittelt zu den Hintergründen des Geschehens und zum Tatablauf – inzwischen wegen des Verdachts auf Totschlag. Die Staatsanwaltschaft Zweibrücken ordnete eine Obduktion des Leichnams des Toten an, diese sollte noch am Mittwoch stattfinden.

Deutsche-Bahn-Mitarbeiter totgeprügelt: Weitere Gewalttat in Hamburg

Nur zwei Tage nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter ist eine neue Gewalttat gegen einen Bahnmitarbeiter bekannt geworden: Am Bahnhof Hamburg-Dammtor ist ein Bahnschaffner brutal niedergeschlagen und verletzt worden. Nach Informationen der Bundespolizei soll ein 43 Jahre alter Mann den Mitarbeiter attackiert haben, weil er sich nicht in einem Dienstraum aufwärmen durfte.

Der Vorfall habe sich bereits am Dienstagnachmittag ereignet. Demnach habe der 43-Jährige den Raum der Bahnaufsicht am Bahnsteig 3 unerlaubt betreten. Als ihm der 49 Jahre alte Bahnmitarbeiter erklärt habe, dass er sich dort nicht aufhalten dürfe, sei die Situation sofort eskaliert. Der Bahnmitarbeiter sei von dem Mann beleidigt und mit Faustschlägen gegen Kopf und Oberkörper angegriffen worden, so die Polizei. Auch als er bereits am Boden lag, habe der 43-Jährige ihm noch mehrfach gegen den Kopf getreten. 

Ein weiterer Bahnmitarbeiter, der seinem Kollegen zu Hilfe kommen wollte, sei von dem 43-Jährigen in den Schwitzkasten genommen worden. Erst einem privat auf dem Bahnsteig anwesenden Beamten der Hamburger Landespolizei sei es gelungen, den äußerst aggressiven Mann zu fixieren. Der Bahnmitarbeiter sei mit Verletzungen an Kopf und Oberkörper sowie Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht worden. 

Der 43-jährige Angreifer kam den Angaben zufolge nach kurzer Zeit auf dem Revier der Bundespolizei am Hauptbahnhof aus „Gründen der Verhältnismäßigkeit“ wieder frei, da er habe belegen können, einen dringenden OP-Termin zu haben, wie es hieß. Er soll sich nun wegen Verdachts auf gefährliche Körperverletzung und Beleidigung verantworten.

lro/viv/jcst/dpa