Anastasia Gubanova, die bei den Olympischen Winterspielen 2026 beim Eiskunstlauf für Georgien antritt, beendet ihre Kür mit 71,77 Punkten – persönliche Bestleistung. Stolz, erleichtert, eine Athletin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Doch der Kommentar des TV-Moderators richtete sich nicht auf die Leistung, sondern auf ihren Familienstand: „Meine Herren, sie ist leider bereits vergeben. Sie ist mit einem finnischen Eiskunstläufer verheiratet.“

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Für Cordelia Röders-Arnold, Feministin und Mitgründerin der NGO #stattblumen, ein klarer Fall von Sexismus. „Was ich sehe: eine Athletin. Höchstleistung. Stolz. Erleichterung. Stärke. Was der Kommentator sieht: Wifey Material“, schreibt sie auf Instagram. „Das Publikum wird als heterosexuelle Männer adressiert, die eine Frau bewerten. Vom Subjekt zum Objekt.“

„Gut gemeinter Sexismus ist trotzdem Sexismus“

Röders-Arnold fordert klare Regeln: Sport kommentieren, nicht den Familienstand bewerten. „Gut gemeinter Sexismus ist trotzdem Sexismus. Die Wirkung zählt, nicht die Absicht.“

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Unter dem Post wird deutlich, wie oft Athletinnen auf Aussehen, Familienstand oder persönliche Eigenschaften reduziert werden. Kommentierende verweisen auf ähnliche Vorfälle: Beim Kurzprogramm von Julia Sauter fiel der Hinweis auf ihre „kesse, verführerische Art“, eine Kür einer 18-jährigen Russin wurde als „jungfräulich“ bezeichnet. Andere schreiben: „Aber hey, ‚die Verlobte von Jake Paul‘ hat Gold gewonnen. Hurra!“ oder „Ich kenne jetzt eigentlich von allen Athletinnen den Familienstand und vor allem die Anzahl der Kinder, gern auch in Zusammenhang mit ihrem Alter.“

Ein Mann gesteht: „Wir – fast ausschließlich hetero cis Männer – sind oftmals zu unbedacht in unseren Äußerungen. Sie zeigen, wie wir denken und in welchen Denkmustern wir verharren. Das müssen wir ändern. Der erste Schritt ist, es wahrzunehmen, und dazu braucht es Menschen, die das thematisieren, auch wenn es manchmal schmerzt. Danke also für dein Aufmerksam machen.“

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Internationale Vorfälle: „That bitch from Canada“

Sexistische Kommentare gibt es auch international: Bei der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft 2022 beschimpfte der britische Kommentator Simon Reed die Kanadierin Meagan Duhamel live als „that bitch from Canada“. Die International Skating Union reagierte sofort, suspendierte Reed und seinen Kollegen und betonte: „Es gibt keinen Platz für belästigende oder missbräuchliche Sprache im Sport.“

Auch in der Leichtathletik und beim Tennis fallen Kommentare auf, die Frauen auf Äußerlichkeiten, Familienrolle oder „ästhetische“ Eigenschaften reduzieren. So bezeichnete ein RMC-Radio-Kommentator die italienische Tennisspielerin Sara Errani als „die Chefin, die alles macht: Abwaschen, Kochen, Putzen“. Der britische Journalist Bob Ballard sagte nach Australiens Sieg in der 4x100-m-Freistil-Staffel live im TV: „Die Frauen sind gerade fertig. Sie wissen ja, wie Frauen sind … sie trödeln herum und schminken sich.“ Solche Äußerungen zeigen: Selbst bei vollgeschlechterparitätischen Spielen wie Paris 2024 bleibt Sexismus im Sport präsent.

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Leistung über Äußerlichkeiten

Expertinnen betonen die Diskrepanz: Während männliche Athleten für Kraft, Technik und Durchsetzungsvermögen gefeiert werden, werden Frauen häufig auf Aussehen, Müdigkeit oder Emotionen reduziert. Cheri Bradish von der Toronto Metropolitan University erklärt laut CBC News: „Es gibt immer noch eine Verschiebung, bei der weibliche Athletinnen für ästhetische oder außerhalb des Sports liegende Perspektiven analysiert werden.“

Auch die Kameraführung spiegelt laut einer Studie diese Tendenz wider. Männer werden selten isoliert in Nahaufnahme gefilmt, Frauen oft schon. Eine weitere Studie zeigt, dass Spielerinnen signifikant häufiger emotionale Fragen gestellt bekommen als ihre männlichen Kollegen.

Zyklus, Gesundheit, Kritik

Ein weiteres Beispiel zeigt, wie tief das Denken sitzt: Die deutsche Skispringerin Agnes Reisch verzichtete wegen Menstruationsbeschwerden auf einen Trainingssprung. „Ich habe heute meine Tage bekommen. Dann bin ich immer super ängstlich“, erklärte sie. Teamkollegin Selina Freitag lobte die Entscheidung: „Meine Gesundheit und mein Körper gehen vor.“

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Trotzdem hagelte es Kritik in den sozialen Medien – einige forderten, den Zyklus zu ignorieren oder hormonell zu steuern, ungeachtet gesundheitlicher Risiken. BBC-Umfragen zeigen: 60 Prozent der Athletinnen geben an, dass ihre Periode Einfluss auf die Leistung hat. 40 Prozent trauen sich nicht, darüber mit Trainerinnen oder Trainern zu sprechen. Reisch macht vor, wie Enttabuisierung aussehen kann – sichtbar auf der größten Bühne des Sports.