Es war eine Szene, die nicht nur 50.000 Herzen im Stadion von Köln bewegte: Vor aller Augen geht der bisexuelle Schiedsrichter Pascal Kaiser auf die Knie und hält um die Hand seines Freundes an. Das Video von dem Heiratsantrag geht sofort viral, wird gefeiert als Leuchtturm für queere Liebe in einem Sport, der auch 2026 noch keinen einzigen geouteten aktiven Profi kennt.

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Was weiter die Runde macht: Kaiser bekam Droh- und Hassmails mit teils homophobem Inhalt zugeschickt und er wurde verprügelt, zweimal. Angeblich, weil jemand die Adresse Kaisers herausgegeben hatte mit der Aufforderung, ihm „einen Besuch abzustatten“, wie es Kaisers Anwalt formuliert hatte. Bilder von Kaiser zeigten ihn nach dem Angriff, mit geschwollenem Auge. Der gab an, drei Männer hätten ihm in seinem Garten aufgelauert. Wenige Tage später sei er erneut attackiert worden, diesmal vor seinem Haus.
Die Polizei bestätigte eine Anzeige wegen Körperverletzung – und geriet selbst in die Kritik. Die Drohungen gegen Kaiser seien nicht ernst genommen worden, klagte etwa die Grüne Bundestagsabgeordnete und queerpolitische Sprecherin Nyke Slawik bei Instagram.
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Große Solidarität mit Schiedsrichter
Das Entsetzen über die Attacke war groß, der 1. FC Köln verurteilte den „blanken Hass“. Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), erklärte sich solidarisch mit Kaiser und erklärte, der Schiedsrichter sei „Opfer feiger und menschenverachtender Gewalt“ geworden. Die Gegner der freien und offenen Gesellschaft wollten queere Menschen „mundtot machen“ und ihnen das Recht auf körperliche Unversehrtheit nehmen.
Der Solidariät taten auch bald laut werdende Vorwürfe, Kaiser habe eine Bar um mehrere Tausend Euro betrogen, keinen Abbruch. Zumal sich die Meldungen über eine angebliche Fahndung der Staatsanwaltschaft nach Kaiser als falsch herausstellten. Behördenfehler, man ermittle lediglich gegen Kaiser. Sein Anwalt wies die Anschuldigungen zurück.
Auch international sorgte die Geschichte um Kaiser mehrfach für Schlagzeilen, als Beweis für die Gleichheit von queerer und heterosexueller Liebe – und die belegbar reale und jährlich zunehmende Queerfeindlichkeit, die Gesundheit und Leben queerer Menschen bedroht.
Attacken und Drohnachrichten nur erfunden?
Doch dieses Bild könnte einen schlimmen Kratzer bekommen: Wie zuerst der „Kölner Stadt-Anzeiger“ am Mittwoch berichtete, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Pascal Kaiser. Der 27-Jährige steht demnach im Verdacht, Straftaten vorgetäuscht zu haben. Die Überfälle auf ihn könnten inszeniert gewesen sein, die Drohmails soll er selbst verfasst haben.
IT-Forensiker der Polizei hätten bei den Ermittlungen Erkenntnisse gewonnen, dass die angeblichen Droh-Mails vor den Angriffen womöglich durch Kaiser oder seinen Partner fingiert worden sein könnten, berichtet der „Stadt-Anzeiger“. Etliche Datenträger seien sichergestellt worden, darunter die Handys der Tatverdächtigen. Rechtsmediziner sollten untersuchen, woher die Verletzungen stammen.
Gegenüber unserer Redaktion wollte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf die Unschuldsvermutung nicht bestätigen, dass sich diese Ermittlungen gegen Kaiser richten. Allerdings ermittle man wegen des Anfangsverdachts des Vortäuschens von Straftaten gegen einen in Wermelskirchen wohnenden Mann. Am 13. Februar sei es deswegen zu einer Hausdurchsuchung des Beschuldigten gekommen, bei der auch Beweismittel sichergestellt worden seien.
Queerbeauftragte: Vortäuschung wäre „absolut inakzeptabel“
Die Queerbeauftragte Koch teilte unserer Redaktion mit: „Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Sollten sich die nun im Raum stehenden Vorwürfe aber bewahrheiten, hat er mit diesem Verhalten der gesamten LSBTIQ*-Community einen Bärendienst erwiesen.“ Die Vortäuschung eines Angriffs und der Missbrauch der Solidarität der queeren Community seien absolut inakzeptabel und „Wasser auf die Mühlen derer, die unsere Freiheit bekämpfen“.
Slawik wiederum sagte unserer Redaktion, sie werde sich nicht in laufende Ermittlungen einmischen und verwies auf die Unschuldsvermutung. „Unabhängig von den Ermittlungen in diesem konkreten Fall wünsche ich mir von der Politik einen konsequenteren Einsatz gegen queerfeindliche Gewalt“, sagte sie. Kaisers Heiratsantrag habe vielen Menschen in der Community Mut gemacht, „und die positive Berichterstattung darüber war ein Signal, von dem wir uns nachhaltige positive Veränderungen erhofft haben“.
Kaiser hat zu diesen Vorwürfen bislang nichts selbst gesagt. Über einen neuen Anwalt ließ er anderen Medien gegenüber mitteilen, er wolle sich gegenwärtig nicht äußern. Daraus seien aber „keine Rückschlüsse“ zu ziehen.





