Ein alter Vulkankrater im Westen der USA könnte zu einem Schlüsselort der Energiewende werden. An der Grenze zwischen Oregon und Nevada vermuten Geologen ein außergewöhnlich großes Lithium-Vorkommen. Noch ist vieles offen – doch schon jetzt zieht der Fund die Aufmerksamkeit einer Branche auf sich, die dringend mehr Rohstoffe braucht.

Lithium-Bedarf: Warum Politik und Industrie auf neue Vorkommen schauen

Die Batterie- und Autoindustrie braucht Lithium dringend. Der Rohstoff steckt in vielen wiederaufladbaren Batterien – etwa in Smartphones, Laptops, Elektroautos und großen Stromspeichern. Und weil weltweit immer mehr E-Autos und Batteriespeicher gebaut werden, steigt die Nachfrage weiter.

Fachleute gehen davon aus, dass sie auf absehbare Zeit hoch bleibt. Dadurch werden große Lithium-Vorkommen wirtschaftlich und politisch immer wichtiger. Einige Prognosen deuten darauf hin, dass die weltweite Lithium-Nachfrage bis 2040 etwa achtmal so hoch sein könnte wie 2022. Dann könnten pro Jahr rund eine Million Tonnen benötigt werden.

Videografik: So wird Lithium für E-Auto-Akkus gewonnen

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    Lithium-Fund in den USA: Warum die McDermitt-Caldera jetzt in den Fokus rückt

    Vor diesem Hintergrund rückt nun ein Ort in den Westen der USA in den Fokus: die McDermitt-Caldera, ein großflächiges vulkanisches Becken an der Grenze zwischen Oregon und Nevada. Das Becken erstreckt sich über etwa 28 Meilen von Nord nach Süd und rund 22 Meilen von Ost nach West. Geologisch ist das Gebiet seit Langem bekannt; in der Vergangenheit wurden dort bereits Quecksilber und Uran abgebaut. Neu ist die Aufmerksamkeit für das dort vermutete Lithium.

    Wie das Wissenschaftsmagazin „Earth“ unter Berufung auf eine neue geologische Arbeit berichtet, geht das Forschungsteam um den Hauptautor Thomas R. Benson davon aus, dass die McDermitt-Caldera zwischen 20 und 40 Millionen Tonnen Lithium enthalten könnte. Sollte sich diese Größenordnung bestätigen, könnte das Vorkommen zu den größten bekannten Lithiumlagerstätten der Welt zählen.

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    In den Arbeiten zu dem Gebiet, die in der Fachzeitschrift „Science Advances“ erschienen sind, beschreiben die Autoren, wie das Vorkommen entstanden sein könnte. Demnach habe sich nach einem gewaltigen Vulkanausbruch vor Millionen Jahren in dem Krater ein See gebildet. Dort hätten sich über lange Zeit Asche und Schlamm abgelagert. Später hätten heiße, mineralreiche Wasserströme im Untergrund Lithium aus dem vulkanischen Gestein gelöst und in diese Ablagerungen transportiert. Laut den Autoren sei so ein besonders lithiumreicher Ton entstanden.

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    Besonders wichtig ist dabei der Bereich Thacker Pass. Dort komme den Auswertungen zufolge eine mächtige Schicht aus dem Tonmineral Illit vor. Illit ist ein sehr feinkörniger Ton, der Lithium gut speichern kann. Nach Angaben der Autoren könne dieser Ton 1,3 bis 2,4 Prozent Lithium enthalten – also etwa doppelt so viel wie viele vergleichbare Tonlagerstätten.

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    Welchen wirtschaftlichen Wert hätte eine Lagerstätte dieser Größe überhaupt? Das Fachblatt „Earth“ berichtet, dass sich bei einem durchschnittlichen Vertragspreis für Lithiumcarbonat in den USA von rund 37.000 US-Dollar pro Tonne rechnerisch ein theoretischer Wert von fast 1,5 Billionen US-Dollar ergibt. Das entspräche – je nach Wechselkurs – derzeit grob rund 1,27 Billionen Euro (bei einem Wechselkurs von etwa 0,85 Euro je US-Dollar).

    Diese Zahl hilft, die Größenordnung zu verstehen. Sie ist aber kein realistischer Verkaufserlös. Wenn mehr Lithium auf den Markt kommt, sinken häufig die Preise. Außerdem verursacht der Abbau hohe Kosten, etwa für Anlagen, Energie, Wasser, Transport und Verarbeitung. Analysten weisen deshalb darauf hin, dass der tatsächliche Marktwert einer später geförderten Menge deutlich niedriger sein kann als frühe Berechnungen mit aktuellen Preisen vermuten lassen.

    Lithium-Mine: Welche Hürden vor einem Abbau noch kommen

    Zudem bedeutet ein großer Fund im Gestein noch nicht, dass daraus schnell eine Mine wird. Bevor in den USA in großem Stil abgebaut werden kann, sind Umweltprüfungen und Genehmigungen nötig; oft folgen auch Gerichtsverfahren. Darauf weisen unter anderem der US-Rechnungshof GAO und das US-Innenministerium hin. Außerdem müssen Behörden und Unternehmen die Interessen der Menschen vor Ort berücksichtigen, was solche Verfahren zusätzlich komplex macht.

    Gerade bei Rohstoffen für klimafreundliche Technologien zeigt sich hier ein Grundkonflikt der Energiewende: Die Internationale Energieagentur (IEA) betont, dass kritische Mineralien für den Ausbau sauberer Energietechnik wichtig sind, ihre Förderung aber verantwortungsvoll und mit Blick auf Umwelt- und Sozialfolgen erfolgen muss. Deshalb sind Projekte wie dieses oft politisch und gesellschaftlich umstritten.