Schwere Anschuldigungen gegen Mohamed und Salah Al-Fayed. Mehrere Frauen beschuldigen den 2023 verstorbenen Ex-Eigentümer des Londoner Luxuskaufhauses Harrods und dessen Bruder, ein organisiertes System sexueller Ausbeutung betrieben zu haben. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AFP ermittelt die französische Justiz wegen möglichen Menschenhandels. Die Anwältin Eva Joly, die zwei Betroffene vertritt, zog dabei Parallelen zwischen den Strukturen der Al-Fayeds und denen des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein.

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Die Frauen wandten sich an die französischen Behörden, weil sie nach eigenen Aussagen den Eindruck hatten, dass in Großbritannien vor allem einzelne Übergriffe untersucht werden – nicht jedoch ein mögliches organisiertes System zur Rekrutierung und Ausbeutung von Frauen. Mehrere Übergriffe ereigneten sich demnach auf französischem Staatsgebiet.

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Eines der mutmaßlichen Opfer, Rachael Louw, schilderte im Gespräch mit AFP, sie sei 1993 von Mohamed Al-Fayed „ausgewählt“ worden, als sie als Verkäuferin bei Harrods gearbeitet habe. Vor ihrer Aufnahme in ein Management-Ausbildungsprogramm habe sie eine ungewöhnlich umfassende medizinische Untersuchung absolvieren müssen – die unter anderem gynäkologische Tests umfasst habe.

Rachael Louw schaut ernst.
Rachael Louw, Ex-Mitarbeiterin von Salah Fayed.© AFP | JOEL SAGET

Ein der AFP vorliegendes Dokument belegt, dass die Ergebnisse der Untersuchung sowie Details aus Louws Privatleben an Harrods weitergegeben wurden. Später sei sie als Assistentin von Salah Al-Fayed nach Südfrankreich geschickt worden.

Auf der Reise zu einer Jacht von Salah Al-Fayed an der Côte d‘Azur sei ihr der Reisepass abgenommen worden. Statt Büroarbeit zu leisten, habe sie dauerhaft „bei ihm sein“ müssen. Auf einer anderen Jacht habe sie selbst beobachtet, wie Mohamed Al-Fayed eine andere junge Frau berührt und geküsst habe. Sie habe an diesen Tag keine weiteren Erinnerungen, wisse aber nicht, ob sie unter Drogen gesetzt worden sei.

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Eines Nachts sei Salah Al-Fayed in ihr Bett gekommen und habe gesagt, er sei einsam. Louw sagte, sie habe die ganze Nacht reglos und verängstigt wachgelegen und nicht gewusst, „was er tun würde“. Sie sei schließlich geflohen, nachdem Salah sie auf eine Fahrt mit einem Schnellboot eingeladen habe, auf der sie alleine mit ihm gewesen wäre. Jahrzehntelang habe sie über die Vorfälle geschwiegen, aus Furcht vor möglichen Konsequenzen einer Aussage.

Die Anwältin, frühere Richterin und Europaabgeordnete Eva Joly, die Louw vertritt, verglich die mutmaßlichen Strukturen der Al-Fayed-Brüder mit dem Fall Epstein und sprach von einem „organisierten System“, in dem junge, verletzliche Frauen gezielt ausgewählt, isoliert und kontrolliert worden seien. Die Anwältin Caroline Joly sagte: „Diese jungen Frauen waren für sie wie Fleisch – und sie wollten wissen, ob sie zum Verzehr geeignet waren.“

Hotel Ritz Paris: Ex-Angestellte wirft Al-Fayed sexuelle Übergriffe vor

Die frühere Hotelangestellte Kristina Svensson berichtete AFP von wiederholten sexuellen Übergriffen und versuchten Vergewaltigungen durch Mohamed Al-Fayed im Pariser Hotel Ritz im Jahr 1998, als das Hotel dem ägyptischen Geschäftsmann gehörte. Mitarbeiter hätten sie gewarnt, es gebe dort Mikrofone und Kameras „in jeder Ecke“.

Kristina Svensson
Kristina Svensson, frühere Assistentin von Mohamed Al-Fayed.© AFP | JOEL SAGET

Vorwürfe sexueller Übergriffe durch Mohamed Al-Fayed waren erstmals im September 2024 durch eine BBC-Dokumentation öffentlich geworden. Seither meldeten sich zahlreiche weitere mutmaßliche Betroffene. Die britische Polizei spricht von 154 Frauen, die angegeben hätten, von Al-Fayed missbraucht worden zu sein. Die Fälle erstrecken sich demnach über einen Zeitraum von 35 Jahren.

Mehr zum Fall Epstein

Mohamed Al-Fayed stand in den 1990er-Jahren auch wegen seines Sohnes Dodi im Fokus der Öffentlichkeit, des damaligen Lebensgefährten der britischen Prinzessin Diana. Dodi Al-Fayed kam 1997 gemeinsam mit Diana bei einem Autounfall in Paris ums Leben. Al-Fayed starb 2023 im Alter von 94 Jahren, Salah Al-Fayed war bereits 2010 gestorben.

afp/jcst