Stoffstücke aus dem angeblichen Ordensgewand, vermeintliche Blutspuren oder Knochenstücke für bis zu 5000 Dollar: Auf verschiedenen Websites, vor allem in den USA, floriert derzeit ein zweifelhafter Handel mit angeblichen Reliquien des heiligen Franz von Assisi. Auf Ebay bietet ein privater Anbieter zum Beispiel angebliche sterbliche Überreste des Mönchs für 680 Euro an. „Eine Knochenreliquie des Heiligen ist sehr, sehr selten zu finden!“, schreibt der Onlinehändler.

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Die tatsächlichen Gebeine des Franz von Assisi werden derzeit in der italienischen Stadt Assisi ausgestellt. Anlass ist der 800. Todestag des heiligen Ordensgründers. Assisis Bürgermeister Valter Stoppini warnt in diesem Zusammenhang vor weiteren betrügerischen Angeboten. Neben den angeblichen Reliquien würden online auch Weihwasser oder Eintrittskarten für die Ausstellung verkauft – obwohl der Zugang kostenlos ist.

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Der Handel mit angeblichen Reliquien sei kein neues Phänomen, sagt Giulio Cesareo, der Sprecher des Franziskaner-Klosters in Assisi. Er habe im Internet Angebote mit vermeintlichen Franziskus-Reliquien für mehr als 1000 Euro entdeckt. Nach kirchlichem Recht ist der Verkauf von Reliquien jedoch verboten. „Reliquien gehören der Kirche und können nur verschenkt werden“, sagt Cesareo. Gemeinden, die eine Reliquie erhalten wollten, müssten den Antrag über ihren Bischof stellen. Privatpersonen könnten keine Reliquie bekommen. Der aktuelle Handel im Internet habe daher nichts mit echten Reliquien zu tun. „Es handelt sich um einen Betrug, man sollte nicht darauf hereinfallen“, so Cesareo.

Seit gut drei Wochen reißt der Besucherstrom in der Basilika San Francesco in Assisi nicht ab. Die Pilger kommen aus aller Welt, um die Überreste von Franz von Assisi, einer der bekanntesten Persönlichkeiten der katholischen Kirche, zu sehen. Assisi gilt als Ordensgründer, Schutzpatron der Tiere, italienischer Nationalheiliger, und ist für viele Menschen heute Sinnbild einer glaubwürdigen, schlichten Kirche. Zu seinem 800. Todestag in diesem Jahr hatten sich die Franziskaner entschieden, die Gebeine erstmals der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dazu wurde der Plexiglas-Sarg mit den Gebeinen aus der Krypta geholt und vor dem Altar der Kirche platziert.

Remains Of St. Francis Of Assisi Go On Display To Mark 800 Years Since His Death
Die sterblichen Überreste des heiligen Franz von Assisi sind in einem Plexiglas-Sarg in der Basilika San Francesco ausgestellt.© Getty Images | Antonio Masiello

Ausgestellte Gebeine: Viele Menschen pilgern nach Assisi

Die Franziskaner erfreuen sich an dem großen Andrang aus aller Welt und der Atmosphäre von Freude und Dankbarkeit, wie Kirchendiener Marco Moroni betont. Die Ausstellung der sterblichen Überreste sorgt allerdings auch für Diskussionen und negative Kommentare in den sozialen Medien. Manche empfinden es als respektlos, die 800 Jahre alten Gebeine des Heiligen zur Schau zu stellen.

Die meisten Menschen, die tatsächlich vor seinem Sarg gestanden haben, seien jedoch gerührt, ergriffen und getröstet, berichtet Bruder Thomas Freidel, der Pilgerseelsorger für die deutschsprachigen Besucher in Assisi. Er sei froh über den reibungslosen Ablauf, für den rund 300 Freiwillige sowie Polizei und Sicherheitskräfte sorgen. „Manchen kommen am Sarg des Franz von Assisi die Tränen, aber alle verlassen die Basilika in einer Stimmung von Freude und Gelassenheit. Das ist für mich immer noch ein Wunder“, sagt er.