Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart sind bei der Untersuchung des Riedlinger Grabes auf außergewöhnliche Artefakte gestoßen. Für die Forscher erwies sich ein bereits in der Antike erfolgter Grabraub als unerwarteter Glücksfall, da er zur Konservierung zahlreicher organischer Materialien beitrug. Auf diese Weise konnten wertvolle Bestandteile der keltischen Grabausstattung bis in die Gegenwart erhalten bleiben.
Antike Grabräuber konservieren wertvolle Artefakte
Die Archäologen, die sich der eingehenden Untersuchung des im Jahr 2023 entdeckten Riedlinger Grabes widmen, sprechen in einer Erklärung von einem Glücksfall unter ungünstigen Umständen. Der bereits in der Antike erfolgte Grabraub, der etwa zweihundert Jahre nach der Bestattung eines jungen Mannes stattfand, führte unbeabsichtigt zur Konservierung verschiedener Artefakte. Die Plünderer hatten es offenbar ausschließlich auf wertvolle Metallobjekte abgesehen und schütteten das von ihnen als Füllmaterial betrachtete Umfeld wieder auf. Auf diese Weise entstand ein luftdicht abgeschlossenes und zugleich feuchtes Milieu, das die Erhaltung organischer Substanzen begünstigte.
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Am Ende des Grabstollens identifizierten der Landesarchäologe Dirk Krausse sowie der für die Heuneburg zuständige Referent Roberto Tarpini die Überreste eines jungen Mannes im Alter zwischen 17 und 19 Jahren. Ferner wurden zahlreiche Grabbeigaben dokumentiert, darunter Objekte aus Holz, kleinere Metallfragmente sowie Reste von Textilien, Fell und weiteren organischen Materialien. Die Analyse der Fellreste deutet darauf hin, dass es sich vermutlich um das Fell eines Braunbären handelte.
Kostbare Funde begeistern Archäologen
Besondere Aufmerksamkeit erregen die außergewöhnlich gut erhaltenen und teilweise qualitativ hochwertigen Holzobjekte. Das Spektrum reicht von nahezu vollständig erhaltenen Möbelstücken wie einem Schemel und einem kleinen Tisch über größere Bestandteile eines Wagens bis hin zu Einzelobjekten wie einem runden Deckel sowie kleinsten Holzfragmenten mit seltenen geometrischen Verzierungen. Weitere Holzreste lassen nach Einschätzung der Forscher auf zusätzliche Liege- und Sitzmöbel schließen.
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Ein auf den ersten Blick unscheinbarer Streifen aus Birkenrinde aus der eigentlichen Grabkammer zählt nach Ansicht der Wissenschaftler zu den kulturhistorisch bedeutendsten Fundstücken. Vermutlich handelte es sich ursprünglich um einen Bestandteil eines Gefäßes. Die Oberfläche weist in Ritz- und Punkttechnik ausgeführte figürliche Darstellungen auf, darunter einen stilisierten Hengst sowie weitere bislang nicht eindeutig zu deutende Motive.
„Der Fund ist in mehrfacher Hinsicht einmalig“, erklärt Krausse. „Erstens gehören figürliche Motive, insbesondere Menschen- und Tierdarstellungen in der frühkeltischen Kunst des 7. und frühen 6. Jh. v. Chr., zu den Raritäten, und zweitens handelt es sich bei den bekannten Beispielen um Darstellungen auf Metall- oder Tonobjekten.“

Die insgesamt umfangreiche Ausstattung des Grabes deutet nach Auffassung der Archäologen darauf hin, dass es sich bei dem bestatteten jungen Mann um ein Mitglied der sozialen Elite handelte.
Das beeindruckende Riedlinger Grab
Der im Zentrum der Untersuchungen stehende Grabhügel besitzt einen Durchmesser von 65 Metern und erreichte ursprünglich eine Höhe von etwa sechs Metern. Die Grabkammer weist Innenmaße von ungefähr drei mal vier Metern bei einer Höhe von rund einem Meter auf.
Naturwissenschaftliche Analysen datieren die Anlage auf ein Alter von etwa 2610 Jahren, sodass die Errichtung des Grabhügels in das Jahr 584 vor Christus zu setzen ist.






