Die schweren Vorwürfe der TV-Moderatorin Collien Fernandes gegen ihren Ex-Ehemann, den Schauspieler Christian Ulmen, könnten auch in Deutschland erneute strafrechtliche Ermittlungen auslösen. Zuständig dafür ist die Staatsanwaltschaft Itzehoe. Sie hatte bereits voriges Jahr eine Strafanzeige der Moderatorin, die sich damals gegen einen unbekannten Täter richtete, bearbeitet. Dieses Verfahren wurde allerdings im Juni 2025 eingestellt.

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„Wir können als Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in der Sache wiederaufnehmen, etwa dann, wenn uns neue Erkenntnisse vorliegen“, sagt Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, auf Anfrage des Hamburger Abendblatts, das wie diese Redaktion zur FUNKE Mediengruppe gehört. Darüber sei stand jetzt noch nicht entschieden. Aktuell würden vonseiten der Ermittlungsbehörde die Presseberichterstattungen der vergangenen Tage ausgewertet. Auch bestehe Kontakt zu den Anwälten der TV-Moderatorin, die Akteneinsicht beantragt hätten.

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TV-Moderatorin Collien Fernandes: Strafanzeige in Itzehoe bearbeitet

Warum der Fall, der bundesweit hohe mediale Aufmerksamkeit erregt, ausgerechnet von der kleinen Staatsanwaltschaft im schleswig-holsteinischen Itzehoe bearbeitet wird, will Müller-Rakow aus Gründen des Daten- und Persönlichkeitsschutzes nicht mitteilen. Auch den Namen der TV-Moderatorin nennt er nicht.

Abendblatt-Recherchen ergaben jedoch, dass die 44-jährige TV-Moderatorin mit Wohnsitz auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca eine deutsche Meldeadresse in Schenefeld im Kreis Pinneberg angegeben hat. Dort ist Collien Fernandes aufgewachsen und zur Schule gegangen, dort steht ihr Elternhaus.

71. Bundespresseball
Christian Ulmen und Collien Fernandes beim Bundespresseball 2024. Die TV-Moderatorin erhebt nach der Trennung schwere Anschuldigungen gegen ihren Ex-Ehemann. Das Ermittlungsverfahren bearbeitet die Staatsanwaltschaft Itzehoe.© picture alliance/dpa | Carsten Koall

Collien Fernandes hat zunächst Strafanzeige gegen unbekannt gestellt

Und genau diese Adresse soll in der Strafanzeige stehen, die von der 44-Jährigen im November 2024 in Berlin – dort wohnte sie bis zum Umzug auf die Baleareninsel – erstattet worden ist. Die Berliner Strafverfolgungsbehörde gab daraufhin das gegen Unbekannt eingeleitete Strafverfahren an die Staatsanwaltschaft Itzehoe ab, weil diese für Schenefeld örtlich zuständig ist.

„Es geht in der Strafanzeige darum, dass eine unbekannte Person mehrere Fake-Accounts auf den Namen der Geschädigten erstellt hat“, so Müller-Rakow weiter. Die Ermittlungen hätten sich auf Paragraf 202a des Strafgesetzbuchs wegen Ausspähens von Daten bezogen.

Demo gegen sexualisierte digitale Gewalt
In Berlin bekundeten 10.000 Menschen auf einer Demo gegen sexualisierte Gewalt ihre Solidarität mit Collien Fernandes. Eine weitere Demo ist am Donnerstag in Hamburg geplant.© picture alliance / dts-Agentur | -

In der Folge hätten „sowohl die Polizei Berlin als auch die Polizei in Schleswig-Holstein die Anzeigenerstatterin per Briefpost angeschrieben und um die Übersendung weiterer Unterlagen gebeten“, erläutert der Oberstaatsanwalt.

Nach Abendblatt-Informationen, die Müller-Rakow weder bestätigen noch dementieren will, war die Kriminalpolizei in Pinneberg mit den Ermittlungen beauftragt. Die Ermittler nutzten offenbar die in dem Strafverfahren angegebene Adresse der Eltern von Collien Fernandes.

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Strafverfahren eingestellt: Collien Fernandes soll nicht auf Brief der Ermittler reagiert haben

Müller-Rakow: „Es erfolgte keine Reaktion, auch kam der Brief nicht als unzustellbar zurück.“ Ohne die angeforderten Unterlagen seien die Ermittlungen quasi versandet. „Es fehlten Ansätze, die zur Identifikation der unbekannten Person hätten führen können.“ Daraufhin habe der zuständige Dezernent der Staatsanwaltschaft am 23. Juni 2025 die Ermittlungen nach Paragraf 170 Absatz 2 der Strafprozessordnung eingestellt.

Von der Einstellung des Strafverfahrens sei die Anzeigenerstatterin nicht in Kenntnis gesetzt worden. „Sie hat durch ihre Nichtreaktion ihr Desinteresse deutlich gemacht“, erläutert der Oberstaatsanwalt. In derartigen Fällen sei es üblich, nicht noch einmal einen Einstellungsbescheid zu verschicken.

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Oberstaatsanwalt Peter Müller-Rakow, Sprecher der Staatsanwaltschaft Itzehoe, kündigt eine zeitnahe Entscheidung über eine Wiederaufnahme der Ermittlungen in der Sache Collien Fernandes an.© picture-alliance/ dpa | Horst Pfeiffer

Aktuell prüft die Staatsanwaltschaft Itzehoe laut ihrem Sprecher eine Wiederaufnahme des Verfahrens, die jederzeit innerhalb der Verjährungsfrist möglich sei. Inzwischen hat Collien Fernandes öffentlich ihren langjährigen Ehemann Christian Ulmen (50) beschuldigt, ihm in einem „Spiegel“-Artikel „virtuelle Vergewaltigung“ vorgeworfen. Die Veröffentlichung hat ein bundesweites Echo hervorgerufen.

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Ulmen soll jahrelang unter ihrem Namen gefälschte Nacktfotos von ihr verbreitet, Deepfakes anderen Männern geschickt und mit diesen sexuelle Chats geführt haben. Die 44-Jährige hat den Vorgang auch auf Mallorca angezeigt, wo sie lange Zeit gemeinsam mit Christian Ulmen lebte. Im September 2025 hatte das einstige Paar offiziell seine Trennung bekannt gegeben.

Inzwischen sollen spanische Behörden Vorermittlungen eingeleitet haben. Collien Fernandes hat gegenüber der „Bild“-Zeitung bestritten, dass Polizeibehörden aus Schleswig-Holstein jemals versucht hätten, sich mit ihr in Verbindung zu setzen.

Virtuelle Vergewaltigung: Staatsanwalt Itzehoe könnte auch direkt gegen Christian Ulmen ermitteln

Oberstaatsanwalt Müller-Rakow bleibt auf Abendblatt-Anfrage bei seiner Darstellung. Im Fall eines Neustarts der Ermittlungen bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe könnten auch weitere mögliche Straftatbestände infrage kommen. Auch müsste dann geprüft werden, wo die möglichen Tatorte liegen und ob ein Rechtshilfeersuchen an die spanischen Behörden erfolgen soll. Eine Entscheidung, ob der Fall auch in Deutschland wieder strafrechtlich geprüft wird, soll zeitnah erfolgen.

Christian Schertz, Anwalt von Christian Ulmen, sprach nach den zahlreichen Veröffentlichungen von einer „in großen Teilen unzulässigen Verdachtsberichterstattung“. Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. 

Unterdessen soll an diesem Donnerstag von 17.30 Uhr an vor dem Hamburger Rathaus eine Soli-Demo für Collien Fernandes stattfinden, zu der 7500 Menschen auf dem Rathausmarkt erwartet werden. In Berlin waren kürzlich 10.000 Personen zu einer ähnlichen Veranstaltung gekommen. Collien Fernandes selbst nahm nicht teil. In Hamburg allerdings besteht die Chance, dass die TV-Moderatorin persönlich kommt.