Wenn ich ehrfürchtig vor dem Goethe- und Schiller-Denkmal auf dem Weimarer Theaterplatz stehe, weiß ich, dass die beiden Geistesgrößen neben ihrem dichterischen Schaffen auch ein alltägliches Leben führten. Sie steigen in meiner Vorstellung von ihrem Sockel und offerieren mir Episoden aus ihrem Genietreiben; so nannte man ihre hemdsärmeligen Eskapaden, wenn die beiden aus der Etikette des Weimarer Hoflebens flüchteten und ihr geistiges Schaffen links liegen ließen.

Jeden 2. Sonntag
Ein FUNKE Liebe
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In burschikoser Gemeinsamkeit waren sie oft zwischen Weimar und Jena, ihren beiden Wirkungsstätten, zu Fuß unterwegs. Einmal gerieten sie in einen Regenschauer und fanden Zuflucht in einem Bahnwärterhäuschen.

Goethes vielgestaltige Tätigkeiten erforderten ein häufiges Reisen. Auf dem Ritt nach Ilmenau machte er oft Halt bei Hermann Anders Krüger in Neudietendorf. Sie spazierten entlang der Apfelstädt und führten dabei kulturpolitische Gespräche. Sie übten harsche Kritik am Intendanten des Erfurter Theaters und Goethe erzählte von seiner Studienzeit am Leipziger Literaturinstitut „Johannes R. Becher“ und seinen Mußestunden, die er am Völkerschlachtdenkmal verbrachte. Das dortige Baugeschehen unter der Leitung des berühmten Architekten Gebhard Leberecht von Blücher interessierte ihn ungemein.
Ausgelassene Stimmung in „Auerbachs Keller“
Goethe und Schiller waren oft in Auerbachs Keller zu finden. Sie saßen im Kreise ihrer Kommilitonen beisammen. Sie erhoben die Gläser und feierten den Erfolg ihrer Werke, den „Faust“ und „Wilhelm Tell“. Am Nachbartisch saßen Martin Luther, Johann Sebastian Bach, Richard Wagner und die Leipziger Stadtpfeifer. Zusammen mit ihnen sangen sie in gehobener Stimmung ausgelassene Lieder und feierten am 31. März 1749 weinselig in den 1. April hinein.




