Dass sie Geschichte schreiben würden, stand von Beginn der Mission an fest. Doch nun hat es die Artemis-2-Crew geschafft: Nie waren Menschen weiter von der Erde entfernt als die Astronautinnen und Astronauten. Damit haben sie einen alten Rekord der Mission Apollo 13 eingestellt.

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Bereits am Montagmorgen sind die Astronauten in den „Mond-Einflussbereich“ eingetreten, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Ab diesem Zeitpunkt wirkte sich die Anziehungskraft des Mondes stärker auf die Orion-Raumkapsel aus als die der Erde. Als Nächstes steht der wichtigste Teil der Mission an: die Umrundung des Mondes.
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Vor sechs Tagen war die Artemis 2 erfolgreich abgehoben. Damit ist einer der kritischsten Punkte bei jeder Weltraummission geschafft. Noch kritischer wird es nur noch, wenn die Orion-Raumkapsel wieder in die Erdatmosphäre eintritt. Wenn die Raumkapsel schneller als eine Gewehrkugel auf die Atmosphäre trifft, entscheiden Zentimeter darüber, ob der richtige Eintrittswinkel eingehalten wird und die Kapsel nicht wie ein Meteorit verglüht.
Innerhalb dieser beiden bedeutenden Punkte zwischen Start in Florida und Wasserung an der Pazifikküste vor San Diego standen und stehen weiterhin haufenweise Tests für Mensch und Maschine an. Denn Artemis 2 ist vor allem ein Testflug. Die Mission soll den Weg ebnen für eine Mondlandung im Jahr 2028.

Artemis 2: Tests, Tests und noch mehr Tests
Bei einer Weltraummission, noch dazu einer mit Menschen an Bord, kann einiges schiefgehen. Zum Vergleich: Als im Dezember 2021 das James-Webb-Weltraumteleskop ins All geschickt wurde, notierte die Nasa ganze 344 sogenannte „Single Points of Failure“, also einzelne Punkte, an denen die Mission scheitern könnte. Zwar gibt es eine solche Kommunikation für Artemis 2 nicht, es zeigt jedoch, wie akribisch die Nasa plant und auf wie viele Szenarien nicht nur die Technik, sondern auch die Astronauten an Bord vorbereitet sein müssen.

Die Flugroute führte nach dem Start in eine Erdumlaufbahn in 160 Kilometern Höhe. Dort kreiste die Kapsel etwa zwei Tage um die Erde. Und hier hatten die Astronauten gleich nach dem Start auch schon mit dem ersten Problem zu tun. „Die Toilette hat sich von selbst abgeschaltet, und eine blinkende orange Warnleuchte leuchtet“, berichtete Astronautin Christina Koch, die auch die erste Frau ist, die dem Mond so nahe kommen wird. Mittlerweile vermeldet die Nasa aber, dass die Toilette wieder funktioniere.
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Mondmission Artemis 2: So weit weg wie nie Menschen vorher
Dann begannen erste Trainingsabläufe. Dazu gehörte zum Beispiel ein Andockmanöver. Dafür wurde eine abgekoppelte Triebwerksstufe genutzt, an die sich die Orion-Raumkapsel langsam nähern musste. Hierbei wurde das ganze fliegerische Können von Pilot Victor Glover getestet, aber eben auch, ob alle Systeme, alle Triebwerke sauber arbeiten.
Am zweiten Tag nahm die Raumkapsel den Schwung aus der letzten Erdumrundung mit, zündete das Haupttriebwerk, das die Kapsel noch einmal erheblich schneller machte, und begab sich so auf den Weg zum Mond. Die Kapsel war fast 40.000 Kilometer pro Stunde schnell. Das ist die Fluchtgeschwindigkeit, die es braucht, um der Erdanziehung zu entkommen.
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Direkt nachdem das Triebwerk abgeschaltet war, wurde das Raumschiff wieder langsamer, weil die Erdanziehung immer noch an ihm zog. Dem Weg zum Mond stand aber nichts mehr im Weg. Bis er erreicht ist, wird eine Reihe weiterer Tests durchgeführt. Dazu gehören neben Kurskorrekturen zum Beispiel auch Notfallprotokolle wie Herz-Lungen-Massagen.
Artemis 2: Nach 6 Tagen ist der Mond erreicht
Nun gelangten die Raumfahrer in die Einflusssphäre des Mondes. Seine Anziehungskraft ist jetzt größer als die der Erde. Die Crew bereitet sich dann auf den Vorbeiflug vor, und testet zum Beispiel auch die orangen Astronautenanzüge. Damit beim Vorbeiflug die Mondoberfläche genauestens protokolliert werden kann, sind die Astronauten auch bestens mit den Foto- und Videokameras an Bord vertraut.
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Am sechsten Missionstag umrundete das Orion-Raumschiff den Mond, laut aktuellen Berechnungen der europäischen Weltraumorganisation ESA in einer Höhe von etwa 7600 Kilometern. Weil der Mond gerade ohnehin in seiner elliptischen Umlaufbahn um die Erde weit von ihr entfernt ist, bedeutet es, dass das bemannte Raumschiff weiter weg von der Erde sein wird als jemals eines zuvor. Rund 407.000 Kilometer.

Den bisherigen Rekord hielten die drei Astronauten von Apollo 13. Auf ihrem Flug zum Mond im April 1970 explodierte ein Sauerstofftank und der Kampf um das Überleben der Männer hielt die Welt in Atem. Der Funkspruch des Kommandanten Jim Lovell „Houston, wir haben ein Problem“ ging in die Geschichte ein. Bei dem Rettungsmanöver um den Mond herum war die Apollokapsel „nur“ knapp 400.000 Kilometer von der Erde entfernt und umkreiste den Mond in einer Höhe von etwa 250 Kilometern.
Für die Artemis-Astronauten gibt der viel weitere Flug auch einen ganz anderen Blick auf Mond und Erde her. Weil sie so weit am Mond vorbeifliegen, eröffnet er sich ihnen als Ganzes durch die kleinen Fenster der Raumkapsel. Im Hintergrund wird auch die Erde zu sehen sein. Hinter dem Mond wird außerdem für fast eine Stunde der Funkkontakt zur Erde unterbrochen sein. Völlige Abgeschiedenheit, um Bilder für die Ewigkeit zu schießen.
Flugtag 8: Deutsche Forschung steht im Vordergrund
Wenn am achten Tag der Reise die Erde immer größer wird, werden vor allem im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln alle gespannt zu den Astronauten blicken. Im Raumschiff wird dann eine Schutzkabine getestet, die die Raumfahrer im Falle eines Sonnensturms vor der akuten Strahlung schützen soll. Das Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin am DLR ist federführend bei den Strahlungsexperimenten an Bord der Nasa-Mission.
An Tag 9 beginnen die Vorbereitungen für den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Wenn die Raumkapsel nach zehn Tagen auf die ersten Luftmoleküle trifft, erhitzt der Hitzeschild sich auf Tausende Grad – der gefährlichste Punkt der Reise. Wenn sich der Bremsfallschirm öffnet, die Kapsel im Pazifik wassert und Mitarbeiter der Nasa sowie Soldaten der US Navy die Luke der Kapsel öffnen, ist die Mission geschafft und der Mensch dem Mond wieder einen großen Schritt näher.







