Kürzlich wurde vor den Toren der Josephine-Baker-Grundschule in der französischen Metropole Dijon eine ungewöhnliche Entdeckung gemacht, wie unter anderem der „Guardian“ berichtet. Archäologische Untersuchungen förderten eine Bestattung zutage, bei der das Skelett eines Menschen in sitzender Position und mit nach Westen ausgerichtetem Gesicht niedergelegt worden war. Es handelt sich um den jüngsten Fund einer Reihe ähnlicher Entdeckungen in Dijon, die der Forschung weiterhin Rätsel aufgeben.
Ungewöhnliche Entdeckung: Skelette geben Rätsel auf
Würde es sich nicht um menschliche Überreste handeln, könnte der erste Eindruck als bemerkenswert ruhig und beinahe beschaulich beschrieben werden. Die in Dijon freigelegten Skelette weisen durchgehend eine einheitliche Körperhaltung auf. Die Hände liegen im Schoß, während der Rücken an die östliche Wand der Grabgrube gelehnt ist, sodass der Blick mutmaßlich nach Westen gerichtet war.
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Im Umfeld der aktuellen Entdeckung wurden bereits im Vorjahr 13 weitere Individuen in vergleichbarer Position geborgen. Eine chronologische Einordnung ergab, dass die menschlichen Überreste in den Zeitraum zwischen 300 und 200 vor Christus datieren.
Unter Einbeziehung früherer Funde aus dem Jahr 1992 wurden innerhalb eines begrenzten Areals der Innenstadt von Dijon insgesamt etwa 20 Gräber mit sitzend bestatteten Individuen dokumentiert. Diese Bestattungen werden den Galliern zugeschrieben, die erstmals im fünften Jahrhundert vor Christus im Gebiet des heutigen Frankreichs archäologisch fassbar sind. Trotz dieser Einordnung bleiben zentrale Fragen ungeklärt. So ist bislang ungewiss, ob diese ungewöhnliche Bestattungsform als Strafe zu interpretieren ist oder vielmehr als Ausdruck eines besonderen sozialen Status innerhalb der damaligen Gemeinschaft diente.
Archäologen auf Spurensuche
Um die Bedeutung dieser Bestattungen zu erschließen, wurden erste systematische Untersuchungen durchgeführt. Dabei zeigte sich, dass fünf der Skelette Spuren physischer Gewalt aufweisen, darunter ein Fall mit einer tödlichen Verletzung im Bereich des Schädels. Zudem lässt sich eine deutliche Homogenität innerhalb der Bestatteten erkennen: Mit Ausnahme eines einzelnen Kindes handelt es sich durchgehend um männliche Individuen mit einer Körpergröße zwischen 1,62 und 1,82 Metern.

Die an der Untersuchung beteiligte Archäoanthropologin Annamaria Latron stellt darüber hinaus gegenüber der Nachrichtenagentur AFP fest, dass die Zähne außergewöhnlich gut erhalten sind. Gleichzeitig weisen die Knochen Anzeichen von Arthrose auf, was auf eine langfristig intensive körperliche Beanspruchung schließen lässt. Erschwerend für die Interpretation ist jedoch das Fehlen von Grabbeigaben, ebenso wie der Umstand, dass die oberen Erdschichten nicht mehr erhalten sind. Infolgedessen bleibt die Deutung dieser ungewöhnlichen Bestattungsweise bislang offen, da keine belastbare Hypothese zu den zugrunde liegenden kulturellen oder sozialen Motiven formuliert werden kann.
Die legendären Gallier in Frankreich
Da der Begriff „Gallier“ eine römische Fremdbezeichnung für keltische Bevölkerungsgruppen im Gebiet des heutigen Frankreichs, Belgiens sowie Teilen Süddeutschlands darstellt, stützt sich die Forschung häufig auf überlieferte römische Schriftquellen. Diese liefern jedoch nur wenige Hinweise auf die konkreten Bestattungspraktiken dieser Gesellschaften.

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Archäologische Befunde, die den keltischen Gruppen zugeschrieben werden, belegen sowohl Körperbestattungen als auch Formen der Feuerbestattung. Besonders gut dokumentiert sind reich ausgestattete Wagengräber, die eindeutig einer sozialen Elite zugeordnet werden können. Demgegenüber bleibt die sitzende Bestattung eine seltene Erscheinung, deren kulturelle Bedeutung bislang nicht überzeugend erklärt werden konnte.
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Die keltischen Gemeinschaften, die unter der Bezeichnung Gallier in die Geschichtsschreibung eingegangen sind, sind einer breiten Öffentlichkeit vor allem durch die Comicreihe „Asterix und Obelix“ bekannt. Ungeachtet dieser populärkulturellen Präsenz weist ihr kulturelles Erbe weiterhin zahlreiche Forschungslücken auf, die Gegenstand zukünftiger wissenschaftlicher Untersuchungen bleiben.






