Mit erhobener Nase, seinen Schnurrhaaren und Knopfaugen blickt Magawa nun für immer über Siem Reap: Die Ratte ist ein Held – und ihr wurde nun ein Denkmal gesetzt. In Kambodscha wurde die 2,20 Meter hohe Statue der Riesenhamsterratte jüngst enthüllt. Die Zeremonie fand passend zum Internationalen Tag der Minenaufklärung statt, begleitet von der Nationalhymne und dem Segen buddhistischer Mönche. Und damit sind wir beim Thema: Minenratten.

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Laut der belgischen Organisation Apopo, die die sogenannten „HeroRATs“ ausbildet, ist es das erste Monument zu Ehren einer lebensrettenden Ratte – eine Weltpremiere. „Auch die Kleinsten können eine ganz große Rolle spielen“, sagte Ly Thuch, Vizepräsident der kambodschanischen Behörde für Minenräumung und Opferhilfe. Zugleich hoffen die Behörden auf viele Besucher, denn das Denkmal steht nur wenige Kilometer von den berühmten Tempelanlagen von Angkor entfernt.

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Minenopfer: Tausende werden jedes Jahr verletzt und getötet

Der Internationale Tag zur Aufklärung über die Minengefahren und zur Unterstützung von Antiminenprogrammen findet schon seit 2005 jährlich am 4. April statt. Ziel ist es, über die tödlichen Gefahren von Landminen und Blindgängern aufzuklären. 

Berühmte Minensuch-Ratte Magawa in Kambodscha geehrt
Die kambodschanische Riesenhamsterratte Magawa hat mehr als 100 Minen aufgespürt.© Pdsa/PA Media/dpa | Pdsa

Wie viele Landminen weltweit unter der Erde lauern, ist nicht sicher. Schätzungen zufolge sind es aber Dutzende Millionen. Laut dem globalen „Landmine Monitor“ gab es allein 2024 weltweit mehr als 6200 Minenopfer. 1945 Menschen wurden getötet, die anderen erlitten teils schwerste Verletzungen und Amputationen.

Kambodscha: Noch unzählige unentdeckte Minen

Auch für viele in Kambodscha ist die Angst allgegenwärtig: Während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter ihrem Anführer Pol Pot (von 1975 bis 1979) und dem anschließenden Bürgerkrieg wurden Millionen Minen verlegt – oft ohne Karten oder Dokumentation. Wie viele Sprengkörper noch im Boden lauern, weiß niemand. Ganze Landstriche sind unbewohnbar, Felder können nicht bestellt werden.

Hier kommen die intelligenten Afrikanischen Riesenhamsterratten ins Spiel – und entpuppen sich als großartige Spürnasen, wo Ratten doch in vielen Kulturen als Schädlinge gelten. Die flinken Tiere arbeiten sich systematisch durch verminte Flächen. An dünnen Leinen geführt, schnüffeln sie, bis sie auf den Geruch von Sprengstoff stoßen. Dann verharren sie oder beginnen zu scharren – ein Signal für ihre Trainer. So wird eine sichere Räumung durch Spezialisten ermöglicht. 

Statue für Minensuch-Ratte Magawa
2022 starb Magawa in Kambodscha.© Carola Frentzen/dpa | Carola Frentzen

Ratte fand mehr als 100 Minen

Die Statue erzählt die Geschichte eines außergewöhnlich talentierten Exemplars: Magawa hat in Kambodscha mehr als 100 Landminen und Blindgänger auf 141.000 Quadratmetern Land aufgespürt – und damit zu Lebzeiten alle seine Kollegen übertroffen. Er half Tausenden Menschen, sicher zu leben, zu arbeiten und ihre Felder zu bestellen. Nicht umsonst kamen auch hochrangige Politiker und ganze Schulklassen zur Einweihung.

Der heroische Nager erlebte die Würdigung nicht mehr selbst – er starb Anfang 2022 friedlich im Alter von acht Jahren. Aber Auszeichnungen gab es auch schon zu Lebzeiten: 2020 erhielt Magawa als erste Ratte überhaupt die Goldmedaille der Tierschutzorganisation PDSA – die höchste internationale Ehrung für tierischen Mut. Bilder von ihm mit dem Verdienstorden um den struppigen Hals gingen um die Welt.

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Apoco: Minensuche auch in Angola und Mosambik

Das Denkmal steht im Zentrum der Kleinstadt Siem Reap, direkt am Ufer des gleichnamigen Flusses. Es wurde aus lokalem Stein gefertigt und zeigt Magawa in typischer Pose: aufmerksam und voller Elan, als würde er gleich zur nächsten Mission aufbrechen. Besonders auffällig ist der Sockel: Er hat die Form einer Landmine, in die echte Fragmente entschärfter Sprengkörper eingelassen sind – ein sichtbares Zeichen dafür, was Ratten da täglich unschädlich machen.

Geboren wurde Magawa 2014 im ostafrikanischen Tansania. Dort begann auch seine Ausbildung bei Apoco. Unter anderem ist die Organisation auch in Ländern wie Angola oder Mosambik sowie in der Ukraine aktiv. 

Warum lösen Ratten keine Minen aus?

Ein Jahr lang lernte Magawa, den Geruch von Sprengstoff zu erkennen – eine Fähigkeit, die er später mit beeindruckender Präzision einsetzte. Der Vorteil: „Ratten sind leicht genug, um keine Minen auszulösen, und schnell genug, um große Flächen systematisch abzusuchen“, sagte Tom Grundy, ein Sprecher von Apopo. Magawa wog etwa 1,2 Kilo bei einer Körperlänge von 70 Zentimetern.

Statue für Minensuch-Ratte Magawa
Zu Lebzeiten hat er alle seine Artgenossen bei der Minensuche übertroffen. © Carola Frentzen/dpa | Carola Frentzen

„Die Tiere sind stark futtermotiviert“, fügte er hinzu. Belohnt würden sie bei der Arbeit im Feld vor allem mit Bananen und Erdnüssen. „Die Ratten arbeiten in der Regel gern, begrüßen ihre Betreuer morgens enthusiastisch und zeigen hohe Einsatzbereitschaft“, betonte der Experte. Eine einzelne Ratte kann dabei laut Apopo ein Gebiet von der Größe eines Tennisplatzes in rund 30 Minuten absuchen. Ein Mensch mit Metalldetektor braucht dafür bis zu vier Tage.

Mit dem Denkmal ist Magawas Leistung nun dauerhaft sichtbar in Stein gemeißelt. Die Statue erinnert nicht nur daran, dass Tiere unter Einsatz ihres eigenen Lebens immer wieder Menschen retten – sondern auch daran, dass das Minenproblem an vielen Orten der Welt noch längst nicht gelöst ist.

lro/dpa