Asma ist gerade einmal zehn Jahre alt und in ihrer Nachbarschaft schon eine Außenseiterin. Mütter holen ihre Kinder ins Haus, wenn die Zehnjährige auftaucht, verbieten ihnen, mit dem Kind zu spielen. Der Grund: Asma ist mit HIV infiziert – in Pakistan ein Makel, der die soziale Isolation nach sich ziehen kann. In weiten Teilen der Bevölkerung ist wenig über AIDS oder HIV bekannt, noch weniger darüber, wie das Virus übertragen werden kann. Das Spielen mit Gleichaltrigen gehört nicht zu den Infektionswegen.

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Asma ist eins von insgesamt 331 Kindern, die zwischen November 2024 und Oktober 2025 in Taunsa positiv auf HIV getestet wurden. Dabei hat die Stadt in der pakistanischen Provinz Punjab gerade einmal 115.000 Einwohner (Stand 2023). Mindestens 70 Kinder wurden zuvor im Krankenhaus THQ Taunsa behandelt, wie Recherchen der BBC ergaben. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Der britische Sender hatte Ende 2025 mit versteckter Kamera in der Klinik gefilmt.
Der Dreh brachte haarsträubende hygienische Zustände ans Licht. Aufnahmen zeigen, wie Pflegepersonal in zehn verschiedenen Fällen Spritzen bei Mehrfachdosenampullen wiederverwendete, wodurch die darin enthaltenen Medikamente möglicherweise kontaminiert wurden. Kinder sollen mit Spritzen behandelt worden sein, die zuvor schon einmal verwendet worden waren.
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Katastrophale Zustände: Spritzen mehrfach verwendet, keine sterilen Handschuhe
„Selbst wenn sie eine neue Nadel aufgesetzt haben, befindet sich das Virus im hinteren Teil, den wir als Spritzenkörper bezeichnen, sodass es auch mit einer neuen Nadel übertragen wird“, sagte Dr. Altaf Ahmed, Facharzt für Mikrobiologie und einer der führenden Experten für Infektionskrankheiten in Pakistan, der BBC.
Krankenhauspersonal und sogar ein Arzt sollen beim Verabreichen der Spritzen in mindestens 66 Fällen keine sterilen Handschuhe verwendet haben, heißt es in dem Bericht weiter. Eine Schwester soll zudem ohne Handschuhe in einen Behälter mit medizinischen Abfällen gegriffen haben.
Im THQ hatte man eigentlich bereits leidvolle Erfahrungen damit gemacht, was passiert, wenn medizinische Standards grob missachtet werden. Der medizinische Leiter des Krankenhauses war im März 2025 entlassen worden, nachdem der massive Anstieg der HIV-Infektionen bei Kindern auf katastrophales Fehlverhalten des medizinischen Personals zurückgeführt werden konnte.
Doch auch unter dem neuen Chef scheinen sich die Zustände nicht gebessert zu haben. Der streitet die Vorwürfe mit abstrusen Ausflüchten ab. Dr. Qasim Buzdar sagte der BBC, die Aufnahmen seien entweder gestellt oder vor seiner Amtszeit entstanden. Er fahre dagegen einen „Nulltoleranz“-Kurs gegenüber möglichen Hygiene-Verstößen. Zudem sei das medizinische Personal inzwischen umfassend geschult worden, so Buzdar.
Spannende Artikel aus der Serie „Der gute Rat der Apothekerin“
Immer wieder HIV-Ausbrüche in Pakistan
In den vergangenen Jahren war es in Pakistan immer wieder zu größeren HIV-Ausbrüchen im Zusammenhang mit unsicheren medizinischen Praktiken gekommen, etwa der mehrfachen Verwendung von Nadeln und Spritzen. Der schlimmste diesbezügliche Vorfall ereignete sich 2019 in der Stadt Ratodero. Dort soll ein Arzt dadurch Hunderte Kinder mit HIV infiziert haben. Schätzungen gehen sogar von bis zu 2000 Fällen aus.
Asma wird wohl ein Leben lang unter den Folgen der HIV-Infektion leiden und regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. Immerhin hat sie im Gegensatz zu ihrem jüngeren Bruder Mohammed überlebt. „Sein Fieber war so heftig, dass er darauf bestand, im Regen zu schlafen. Und er wand sich vor Schmerzen, als wäre er in heißes Öl geworfen worden“, erinnert sich seine Mutter Sughra. Asma sagte der BBC, dass sie sich in der Schule nun noch mehr anstrenge. Einen Berufswunsch hat sie bereits – sie will Ärztin werden.
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