Die schweren Vorwürfe, die Schauspielerin Collien Fernandes (44) gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (50) erhob, haben Millionen Menschen zutiefst aufgewühlt. Immer wieder kam es bundesweit zu Demonstrationen gegen digitale und sexualisierte Gewalt. Nun berichtet das „Zeit-Magazin“, dass Motive der jüngsten Serie von Ulmen Ähnlichkeiten zu den realen Anschuldigungen aufwiesen.

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Sechs der acht Episodendrehbücher dieser Serie würden dem Magazin vorliegen, in den Fassungen kurz vor Drehbeginn. Die Bücher seien durch das Urheberrecht geschützt, man dürfe daraus nicht direkt zitieren, heißt es. „Aber wenn man darin liest, drängt sich die Vermutung auf, Ulmen habe in einigen Szenen recht unmittelbar das verarbeitet, was ihm seine Ex-Frau heute vorwirft“, so die Autorinnen des „Zeit-Magazins“.
„The Au Pair“: Hauptfigur teilt intime Aufnahmen seiner Partnerin
Bei der Serie handle es sich um eine Produktion mit dem Arbeitstitel „The Au Pair“, die im Herbst auf Mallorca gedreht wurde. Ursprünglich war sie für die Streamingplattform Joyn (ProSiebenSat.1) vorgesehen, deren Galionsfigur Ulmen jahrelang war. Doch jetzt liege die Serie bis auf Weiteres auf Eis. „Jerks“, eine der erfolgreichsten Produktionen, hatte Joyn nach Lautwerden der Vorwürfe bereits aus dem Netz entfernt.
Laut „Zeit“ geht es in „The Au Pair“ um eine Figur, die private Aufnahmen seiner Partnerin ohne deren Wissen in Sex-Chatgruppen veröffentlicht und sich an den Kommentaren anderer Männer berauscht. Es gehe „ausgesprochen viel um Sex und perverse Fantasien“, heißt es im Bericht. Bei dieser Hauptfigur handele es sich um den 18-jährigen Lasse. Ulmen selbst spiele die männliche Hauptrolle, also Lasses Vater.

Zu Drehbeginn, so die „Zeit“, war Ulmen bereits von seiner Frau getrennt. Im „Spiegel“ hatte Fernandes ihrem Ex-Mann vorgeworfen, Fake-Profile in ihrem Namen erstellt und darüber pornografische Darstellungen verbreitet zu haben. Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Sein Anwalt Christian Schertz hatte angekündigt, gegen die „initiale Berichterstattung“ des „Spiegels“ gerichtliche Schritte einzuleiten.
Was aber hat eine Comedy-Serie mit der Realität zu tun? „Wenn ein Künstler so damit spielt, Fiktion und Realität zu mischen, wie Christian Ulmen es in seinen Comedy-Serien getan hat, wenn er in Interviews sagt, er spiele sein eigenes Leben nach, und wenn dieses Werk gleichzeitig so auf den Tabubruch abzielt, dann lohnt sich zumindest ein Blick darauf“, heißt es im Artikel des „Zeit-Magazins“. „Auch, wenn sich daraus keine Rückschlüsse auf die Vorwürfe ziehen lassen.“
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Neue Ulmen-Serie spielt auf Mallorca
„The Au Pair“ spiele, so ist zu lesen, im Umfeld deutscher reicher Auswanderer auf Mallorca, also da, wo auch Ulmen und Fernandes Immobilien besitzen. Um was es im Einzelnen geht, beschreibt die „Zeit“ so: Im Mittelpunkt stehe ein fiktives Ehepaar in einer toxischen Beziehung, das ein neues Au-pair bei sich aufnimmt. Ulmen spielt den Familienvater Frank, der sich um die drei Kinder kümmert, während seine Frau beinahe rund um die Uhr als Ärztin arbeitet.
Zur Berichterstattung im Fall Fernandes
Gegen Christian Ulmen stehen schwere Vorwürfe im Raum. Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes hat Ulmen in Spanien angezeigt, wegen mutmaßlicher Vortäuschung einer Identität, Verletzung von Geheimnissen, Beleidigung mit öffentlicher Verbreitung, fortgesetzter Misshandlung und schwerer Bedrohung. Um die Erstellung von Deepfake-Pornos ging es dabei ausdrücklich nicht. Die spanische Justiz hat die Strafanzeige von Collien Fernandes an Deutschland abgegeben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt derweil wegen Vorwürfen häuslicher Gewalt gegen Christian Ulmen.
Für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Schauspieler weist die Vorwürfe zurück. Das Landgericht Hamburg hat Anfang Mai einen Großteil der im März erschienenen „Spiegel“-Berichterstattung für zulässig erklärt. Fernandes hatte darin die Vorwürfe gegen ihren Ex-Mann öffentlich gemacht. Im Juni urteilte auch das Hanseatische Oberlandesgericht, der „Spiegel“ dürfe weiter über die Gewaltvorwürfe berichten.
Frank, so heißt es, geht in Therapie, weil er sich minderwertig und von seiner Frau alleingelassen fühlt. Geld hat er auch keins, übernimmt Putzjobs auf teuren Yachten und gerät dabei in eine Agentur für männliche Prostituierte, die Sex mit älteren, reichen Frauen haben. In dieser Serie seien oft die Männer die Opfer der Frauen, nicht umgekehrt, heißt es. Auch Schauspieler Fahri Yardım sei dabei, er spiele einen weiteren Prostituierten.
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Das „Zeit-Magazin“ fasst es so zusammen: „Es geht in Ulmens letzter Serie um falsche Identitäten im Internet, pornografische Bilder und Videos und Geheimnisse eines Ehemannes gegenüber seiner Frau. Eine Psychologin sagt im Buch zur Hauptfigur, gespielt von Christian Ulmen, Teile seines Gehirns könnten nicht zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. In Episode acht beichtet er seiner Frau, dass er ein pathologischer Lügner sei. Und manche von Ulmens Einfällen wirken im Rückblick geradezu grotesk: Ein Patient im Drehbuch trägt den Namen seiner Ex-Frau, Fernandes.“
Spanische Justiz hat Ermittlungen an Deutschland abgegeben
Die künstlerische Verantwortung für „The Au Pair“ habe weitgehend in Ulmens Hand gelegen: Drehbücher, Hauptrolle, Regie. Produziert wurde die Serie von der Firma Pyjama Pictures, die Ulmen mitbegründet hat. Kurz nachdem die Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren, habe die Produktionsfirma eine Mail an Mitwirkende der Serie mit folgenden Worten verschickt, die der „Zeit“ vorliege: „Unsere ganze Loyalität gilt Collien Fernandes. Wir distanzieren uns deutlich von Christian Ulmen.“
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Die spanische Justiz, so wurde am Dienstag bekannt, hat die Strafanzeige von Collien Fernandes an Deutschland abgegeben. Die zuständige Richterin in Palma de Mallorca habe nun diese Entscheidung getroffen, teilte die Justizsprecherin auf der spanischen Mittelmeerinsel mit. Die Anwälte von Collien Fernandes könnten gegen die Entscheidung jedoch noch vor einer höheren Instanz in Spanien Einspruch einlegen, ließ die Sprecherin wissen.
Nun übernimmt die Staatsanwaltschaft Potsdam die Ermittlungen. Hintergrund sei, dass Fernandes hier ihren Wohnort hatte, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die Akten der Staatsanwaltschaft Itzehoe in Schleswig-Holstein würden in Brandenburg geprüft, es werde geschaut, ob sich ein Anfangsverdacht begründen lasse. „Möglicherweise bedarf es weiterer Unterlagen oder weiterer Auskünfte der Anzeigenstellerin.“ mit dpa










