Pippa wird von ihrem Vater Bastian gehalten. Sie sitzt auf seinem Schoß am Baumkantentisch vor dem großen Terrassenfenster mit Blick in den Garten. Bastian freut sich darüber, dass sich seine achtjährige Tochter für einige Sekunden selbst aufrecht hält. Dass die schwerstbehinderte Pippa diese Körperbeherrschung aufbringt, sei eine neue Entwicklung. Es seien diese Kleinigkeiten, die großes Glück für die Jenaer Familie bedeuten. Sicher habe auch Pedro mit Pippas Fortschritt zu tun, sagt ihre Mutter Anna.

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Pedro ist Therapiepferd im Verein „Tierisch-Menschlich“ Wormstedt, der tiergestützte Intervention anbietet. Regelmäßig besucht Pippa mit ihren Eltern das Zirkuszelt auf dem zwei Hektar großen Gelände in Wormstedt, wo zwischen Pferden und Eseln Menschen mit Behinderung einen Ort finden, der ihnen guttut – Kinder ebenso wie Senioren mit Demenz oder gehörlose Menschen.
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Therapeutisches Reiten stärkt Körper und öffnet neue Zugänge
Auf Pedros Rücken konnte sich Pippa zu Beginn nicht selbst halten, ein Vereinsmitglied musste mit aufsteigen und sie stützen. Heute kann Pippa allein auf Pedro sitzen. Vorstandsmitglied Damaris Giese-Hanke erklärt, dass die rhythmischen Bewegungen des Pferdes sich auf den Körper des Reiters übertragen und Muskeln, Gleichgewicht und Koordination anregen. Kein Therapiegerät könne das so nachahmen. Gleichzeitig schaffe die Nähe zum Tier eine Verbindung, die gerade Kindern mit schweren Beeinträchtigungen einen Zugang zur Welt eröffne, der ihnen im Alltag oft verwehrt bleibe.
„Für uns ist das wirklich wertvoll“, sagt Pippas Mutter. Doch der Verein ist in Gefahr. Denn das Grundstück, auf dem „Tierisch-Menschlich“ seit Jahren als Pächter arbeitet, soll verkauft werden, wie Damaris Giese-Hanke mitteilt. Der Eigentümer bietet es für 100.000 Euro an. Geld, das der ehrenamtlich arbeitende Verein nicht hat.
Standort bleibt zentral für Zukunft des Vereins
Seit Dezember 2025 läuft deshalb ein Spendenaufruf: Über die „Betterplace“-Plattform sind bisher etwa 5700 Euro zusammengekommen. Die Böttcher AG unterstützte mit einer Großspende von 20.000 Euro. So bleibt noch eine Lücke von etwa 70.000 Euro. „Am Grundstück hängt alles“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Kerstin Reichardt. Ein Umzug sei keine Option, bekräftigt Damaris Giese-Hanke – zu viel habe der Verein bereits in den Standort investiert.

Erst im Jahr 2024 wurde ein Zirkuszelt angeschafft, um auf dem Gelände wetterunabhängig arbeiten zu können. Die Nachfrage nach dem Angebot wachse, es gibt bereits eine Warteliste. Daher bestehe auch der Wunsch, die bisher rein ehrenamtliche Arbeit perspektivisch zu professionalisieren und eine hauptamtliche Tätigkeit daraus zu machen, erklärt Damaris Giese-Hanke weiter. „Doch das ist nur möglich, wenn der Standort gesichert ist.“
Für Pippa und viele andere Menschen, die dort betreut werden, wäre das Aus des Vereins ein großer Verlust. Als Familie mit einem behinderten Kind habe man in jedem Lebensbereich besondere Hürden zu überwinden, sagt Bastian. Dass Pippa am Angelman-Syndrom leidet, erfuhren ihre Eltern erst elf Monate nach einer ganz normalen Schwangerschaft und einer schönen Geburt. „Es war eine schlimme Zeit“, erinnert sich Anna. Viele durchweinte Nächte der Ungewissheit und Verzweiflung folgten. „Man trauert um das gesunde Kind, das man verloren hat, auch wenn Pippa natürlich bei uns ist“, sagt Anna.
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„Wir sind sportliche Typen, waren als Paar gern gemeinsam snowboarden, wandern, klettern“, sagt Bastian. Das junge Paar hatte sich wie alle jungen Paare eine gesunde und quirlige kleine Familie gewünscht. Pippa wird nie sprechen, sie wird vermutlich nie laufen können. Sie leidet an einer besonders schweren Form des Angelman-Syndroms. Dabei gab es keine erbliche Vorbelastung, die Genveränderung trat spontan auf. „Es ist eine Laune der Natur“, sagt Anna.
Tierisch-Menschlich Wormstedt e.V.
Gegründet: 2015
Mitglieder: 29
Klienten: 34 (12 Kinder, 22 Erwachsene), 6 auf der Warteliste
Therapietiere: 2 Pferde, 2 Esel; 3 weitere Pferde in Ausbildung
Angebot: Tiergestützte Intervention und Förderung – u. a. für Menschen mit Bewegungsstörungen, Kontaktschwierigkeiten, Demenz oder Gehörlosigkeit
Besonderheit: Die stellvertretende Vorsitzende Kerstin Reichardt ist ausgebildete Gebärdendolmetscherin
So können Sie spenden:
Online: betterplace.org/de/projects/169012-rettet-die-tiergestuetzte-therapie
Bankverbindung: Tierisch-Menschlich Wormstedt e.V., IBAN: DE96 8205 1000 0163 0809 17, BIC: HELADEF1WEM
Mit der Geburt von Pippas Schwester Ruby sei es leichter geworden, das Schicksal anzunehmen. Ruby, die ihre Schwester Pippa immer gern um sich hat, rennt den Seidenhühnern im Garten nach und lacht. Eins der Hühner heißt Inge. Das Zuhause, das sich die Familie geschaffen hat, ist auch auf Pippas Bedürfnisse abgestimmt: keine Schwellen, breitere Türen für den Rollstuhl, eine ebenerdige Liegefläche in einer ruhigen Ecke des Wohnraumes.

Familie kämpft für Pippas Teilhabe und hofft auf Spenden
Für Pippas Therapiestuhl habe man kämpfen müssen, sagt Bastian. Ohne den Stuhl könne sie nicht längere Zeit aufrecht sitzen. Vieles sei zum Kampf geworden. „Ich verstehe nicht, weshalb wir an so vielen Stellen benachteiligt werden, nur weil wir ein krankes Kind haben“, sagt Bastian. Schmerzlich sei es auch, wenn Menschen gaffen. Ihn mache das manchmal wütend.
In Wormstedt, wenn Pippa auf Pedros Rücken sitzt, gibt es keine Gaffer. Es ist einer der wenigen Orte, an dem für Pippa Teilhabe am Leben möglich wird. Deshalb hofft die Familie, dass sich viele Spender finden werden, um diesen Ort zu retten. Damaris Giese-Hanke bleibt optimistisch: „Wir brauchen eigentlich nur 20.000 Menschen, die jeweils 5 Euro übrig haben.“







