Das Interesse an der Paläoparasitologie, also der Erforschung antiker Parasiten im archäologischen Kontext, hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Im Zuge der Untersuchung römischer Legionärslager in Bulgarien stießen Forscher bei der Analyse menschlicher Exkremente auf einen Parasiten, der in dieser Region zuvor nicht nachgewiesen worden war.
Überraschender Fund: Forscher entdecken ungewöhnlichen Parasiten
Einer Studie polnischer Forscher zufolge, über die das Wissenschaftsmagazin „Phys“ berichtet, wurden in Novae und Marcianopolis nahe dem heutigen Svishtov in Bulgarien Proben menschlicher Exkremente aus ehemaligen römischen Latrinen entnommen. An diesen Orten befanden sich einst ein Legionslager sowie ein Grenzstützpunkt entlang der unteren Donau.
Die mineralisierten und krustigen Ablagerungen aus Urin und Fäkalien auf keramischen Oberflächen wurden von den Wissenschaftlern sorgfältig abgetragen, anschließend rehydriert und durch sehr feine Siebe filtriert, um mögliche Parasitenreste zu isolieren. Erst unter einer 400-fachen mikroskopischen Vergrößerung konnten Rückstände von Parasiten und deren Eiern sichtbar gemacht werden. Da viele Parasiten äußerlich schwer voneinander zu unterscheiden sind, griff das Team auf weiterführende Analyseverfahren zurück.
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Neben der Untersuchung von DNA kam ein immunologisches Nachweisverfahren zum Einsatz, bei dem Antikörper selektiv an spezifische Proteine von Parasiten binden. Der Probe wird dabei eine chemische Substanz zugesetzt, die bei Vorhandensein des Zielmoleküls eine Farbveränderung hervorruft, während sie andernfalls unverändert bleibt. Auf diese Weise gelang es, schwer nachweisbare Parasiten wie Cryptosporidium zu identifizieren, dessen Spuren in der Regel über lange Zeiträume hinweg zerfallen. Der Nachweis stellt den bislang frühesten gesicherten Befund dieses Parasiten im Mittelmeerraum dar und stellt zugleich die bisherige Annahme infrage, er stamme ursprünglich aus Mittelamerika.
Amöbenruhr: Tropenkrankheit im römischen Herrschaftsgebiet
Neben dem Nachweis einer durch den Parasiten Cryptosporidium verursachten Durchfallerkrankung konnten die Forscher auch eine schwerwiegende Erkrankung des Magen-Darm-Traktes identifizieren. Dabei handelt es sich um die Amöbenruhr, eine vor allem in tropischen Regionen verbreitete Darminfektion, die durch Entamoeba histolytica hervorgerufen wird. Typische Symptome sind schwere, häufig blutig-schleimige Durchfälle, Bauchschmerzen und Fieber. Darüber hinaus wurden Eier von Bandwürmern nachgewiesen, was auf den Verzehr von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch hindeutet, das mit Parasiten belastet war.
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Im Rahmen der Untersuchung stellten die Wissenschaftler zudem Unterschiede zwischen den beiden analysierten archäologischen Fundorten fest. In der Stadt Novae zeigten zahlreiche Proben einen starken Befall mit Parasiten, was vermutlich auf verunreinigtes Wasser aus der Donau oder kontaminierte Aquädukte zurückzuführen ist. Die Proben aus einer Werkstatt in Marcianopolis wiesen hingegen keine entsprechenden Spuren auf. Daraus schließen die Forscher, dass die dort stationierten Legionäre Zugang zu sauberem Wasser aus Quellen und eine gesundere Ernährung hatten.

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Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen, dass die Verbreitung gesundheitsgefährdender Parasiten in der Vergangenheit deutlich stärker ausgeprägt war als bislang angenommen. Solche Untersuchungen leisten einen wichtigen Beitrag dazu, die Entwicklung von Infektionskrankheiten im Verlauf der Geschichte präziser nachzuvollziehen.








