Wenn am Donnerstag die 33 Raketenmotoren der Super Heavy V3 zünden, dann geht es auf der Starbase in Boca Chica, Texas, um mehr als nur einen Raketenstart. SpaceX von Multimilliardär Elon Musk peilt den zwölften Start seiner Riesenrakete an. Abheben wird die dritte Generation jenes Raumschiffs, das künftige Mondmissionen unterstützen und Menschen eines Tages zum Mars tragen soll. Die Rakete und ihre Startrampe haben ein Rundum-Update erhalten – und das muss liefern. Denn den Start werden nicht nur die Ingenieure nervös verfolgen.

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Das System besteht aus zwei Stufen: der rund 70 Meter hohen Super Heavy Rakete mit den Raptor-Triebwerken und dem Raumschiff Starship. Neu sind überarbeitete Triebwerke, Struktur und Tanks, damit mehr Treibstoff mitgeführt, stärker beschleunigt und die Rakete nach dem Flug kontrollierter wieder eingesetzt werden kann. Ziel ist ein Schwerlastsystem vom Fließband, dessen Wiederverwertbarkeit die Kosten für einen einzelnen Start senken soll.

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5000 Tonnen: Elon Musk will bisher größte Rakete ins All schießen

Gemessen an den Dimensionen ist der Test jetzt schon ein Erfolg: Zusammen sind Starship und die Super Heavy V3 über 120 Meter hoch – ein 35 Stockwerke hoher Wohnturm wird mit der Kraft von 30 Millionen Pferdestärken abheben. Voll betankt wiegt das System rund 5000 Tonnen. Noch nie haben Menschen eine größere Rakete ins All geschossen.

Eine spektakuläre Landung der Raketenstufe ist für den rund eine Stunde dauernden Testflug nicht geplant. Die Rakete soll das Starship auf seine Flugbahn bringen und dann im Golf von Mexiko niedergehen. Starship soll in der nächsten Flugphase 20 Starlink-Simulatoren abladen. Außerdem sind Tests mit Hitzeschild vorgesehen, bevor es wieder in die Atmosphäre eindringt und zur Erde zurückkehrt. SpaceX verspricht eine „aufregende Landung“.

Der Test soll zeigen, wie weit SpaceX mit seiner Vision bereits gekommen ist. Klar ist aber auch: Von einem serienreifen Produkt ist das Unternehmen noch weit entfernt. Das zeigt sich auch beim Blick auf die Leistung. Ursprünglich versprach Musk ein System, das über 150 bis 200 Tonnen Nutzlast voll wiederverwendbar ins All trägt. Die Realität sieht bescheidener aus: SpaceX peilt im kontrollierten Landemodus vorerst nur noch gut 100 Tonnen an.

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Nasa beobachtet SpaceX mit großem Interesse

Damit bewegt sich der Gigant in einer ähnlichen Nutzlast-Liga wie das staatliche „Space Launch System“ der Nasa – mit dem Unterschied, dass das Starship erst noch das komplizierte Auftanken im All lernen muss, um überhaupt bis zum Mond zu kommen. Die US-Weltraumbehörde verfolgt den Test dennoch mit großem Interesse.

Im Artemis-Programm der Amerikaner spielt Starship eine tragende Rolle. Es soll als Landefähre dienen, die die Astronauten von der Orion-Kapsel zur Mondoberfläche und wieder zurück bringt. SpaceX muss zeigen, dass es das Starship nicht nur vom Boden ins All bekommt, sondern dass auch die Landungen zuverlässig klappen. Rund 4,4 Milliarden US-Dollar fließen aus dem Artemis-Programm dafür an SpaceX – das Unternehmen und Elon Musk tragen dabei ein nicht unerhebliches Risiko. Jeder Dollar, um den das Budget überzogen wird, muss aus deren Kassen kommen.

Musk und SpaceX stehen vor einem Weltrekord

Gleichzeitig stehen beide vor einem wesentlich aufsehenerregenderen Rekord: US-Medien berichteten zuletzt, dass das Unternehmen den Sprung an die Börse wagen wird. Am 12. Juni schon soll es so weit sein. Die Summen, um die es geht, sind astronomisch: Nach der Fusion mit Musks KI-Unternehmen xAI wird der Wert von SpaceX inzwischen auf bis zu zwei Billionen US-Dollar geschätzt. Es wäre der größte Börsengang der Geschichte, der nach den Plänen Musks bis zu 80 Milliarden US-Dollar an Kapital einsammeln soll.

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Das Geld braucht SpaceX dringend: Das Unternehmen will nicht nur das Starship-System in Serie herstellen, sondern Hunderte Satellitenstarts pro Jahr schaffen – und für die Nasa die Logistik des Artemis-Programms stemmen. All das verschlingt Unsummen. Dazu steht auch Musk vor einem persönlichen Rekord. Auf dem Papier könnte er mit dem Börsengang der erste Billionär der Geschichte werden.

Auf dem Test lastet damit ein erheblicher Erfolgsdruck. Zwar operiert SpaceX unter der Devise: Fehlschläge sind Daten. Die Ingenieure auf der Starbase werden mit Fehlern rechnen, zumal die V3-Generation noch nie abgehoben ist. Ein feuriger Absturz in den Ozean gehört bei SpaceX traditionell zum Lernprozess. Doch dieses Mal fliegt das Risiko an der Wall Street mit: Ein schwerer Fehlschlag so kurz vor dem historischen Börsengang könnte die angepeilte Zwei-Billionen-Dollar-Bewertung ins Wackeln bringen – und Musks Traum vom vielen Geld einen Dämpfer verpassen.