Es ist der wichtigste Alpenpass zwischen Innsbruck und Südtirol: Eine Strecke, die fast elf Millionen Autos und rund 2,5 Millionen Lastwagen pro Jahr befahren. Der Brenner ist berühmt – und wegen seiner Staus berüchtigt. Seit Inbetriebnahme der Brennerautobahn in den 1960er-Jahren hat sich das Verkehrsaufkommen fast versiebenfacht.

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Nun sorgt die Nord-Süd-Achse zwischen Deutschland und Südtirol schon seit Tagen einmal mehr für Schlagzeilen. Denn der Brenner samt der Ausweichstrecken ist am heutigen Samstag gesperrt. Und zwar aus Protest. Wer nach Italien will oder von dort zurückkommt, braucht Geduld, denn es ist mit massiven Einschränkungen im Reise- und Warenverkehr zu rechnen.
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Mehr als 14 Kilometer Stau: Sperre am Brenner sorgt für Reisechaos
Von 11 bis 19 Uhr ist für Autos und Motorräder kein Durchkommen. Für Lastwagen gilt die Sperre ab 9 Uhr. Der Protest wird ebenfalls Urlauber aus Süddeutschland betreffen und sich auch auf die Nord-Süd-Achsen der Schweiz auswirken. Touring-Club Schweiz und Via Suisse gehen davon aus, dass sich ein Teil des Verkehrs auf die Gotthard-Route (A2) und die San-Bernardino-Achse (A13) verlagern werden.
Beide Strecken sind an Ferienwochenenden bereits stark ausgelastet. Sie gelten als klassische Ausweichrouten in Richtung Italien. Bereits am gestrigen Freitag (29. Mai) kam es dort zu Verkehrsproblemen, weil sich viele Reisende noch vor der Sperre auf den Weg über den Brenner machten. Auf Tiroler Seite wurden auf der Inntalautobahn A12 mitunter mehr als 14 Kilometer Stau gemeldet.
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Wegen häufiger Staus am Brenner: Lärm, Feinstaub und Beeinträchtigungen
Die Sperrung des Brenners ist eine Machtdemonstration. Ein weit sichtbarer Protest gegen die immense Verkehrsflut. Sie ließ die Wogen in den vergangenen Wochen hochgehen und führte zu deutlicher politischer Kritik aus Bayern und Südtirol. Beschlossen worden war sie vom Bürgermeister der Tiroler Ortschaft Gries, Karl Mühlsteiger. Die 15.000 Bewohner des Wipptales, von denen viele in unmittelbarer Nähe von Autobahn und Bundesstraße leben, litten unter Lärm, Feinstaub und vielen Beeinträchtigungen im täglichen Leben durch häufige Staus auf allen Strecken, so Mühlseiger. Das sei nicht mehr zumutbar.
Vergebens appellierten Industrieorganisationen, Frachtverbände und Behörden in Italien zum Verzicht auf den Protest, der wieder einmal die Brenner-Problematik in das internationale Rampenlicht rückt. Bürgermeister Mühlsteiger aber blieb hart. Wie es um die Zukunft des Brennertransits und damit um die Zukunft von Lärm und Staus bestellt ist, ist unklar. Eigentlich soll das Chaos gebändigt werden. Herzstück der Pläne zur Verlagerung des Warenverkehrs von der Straße auf die Schiene ist der Brennerbasistunnel (BBT). Die Arbeiten aber dauern länger als geplant. Um das Jahrhundertbauwerk optimal auszunutzen, braucht es mehrere Zulaufstrecken.

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Unter anderem in Rosenheim: Widerstand von wütenden Bürgern
Martin Ausserdorfer, Leiter der BBT-Beobachtungsstelle, sprach kürzlich eine deutliche Warnung in Richtung Deutschland aus. Es werde zu zögerlich an den nördlichen Zulaufstrecken gearbeitet. „Damit riskieren wir, dass das ganze Projekt ins Schwanken gerät“, so Ausserdorfer. Und wer den Lkw-Transitverkehr auf der Straße nicht in den Griff bekomme, müsse sich nicht über wütende Bürger wundern. „Außer Lippenbekenntnissen ist in Bayern noch nichts passiert“, so Aussendorfer.
In Deutschland ist dabei nicht nur der Termin für den Beginn der Bauarbeiten offen, man streitet sogar noch über die Trassenführung der rund 50 Kilometer langen Nord-Zulaufstrecke zwischen München und Rosenheim. Den größten Widerstand der Bevölkerung gegen die aktuelle Planung gibt es dabei in und um Rosenheim.
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Aus Budgetgründen: Österreich passt sich beim Ausbautempo Deutschland an
Zuletzt haben sich auch die bayerischen Politiker, insbesondere die im Deutschen Bundestag, auf die Seite derjenigen gestellt, die eine alternative Bahn-Trasse fordern. Und zwar einschließlich einer weitgehend unterirdischen Streckenführung und einer Unterquerung des Inns nördlich von Rosenheim. Sollte sich das politisch durchsetzen, dann stünden Baubeginn oder gar Fertigstellung der Zulaufstrecke in den Sternen, zumal auch die Kosten erheblich steigen würden und „die Finanzierung noch gar kein Thema ist“, sagt Ausserdorfer.
Doch damit nicht genug. Nun haben auch die Verantwortlichen in Wien angekündigt, erst einmal die Handbremse zu ziehen und den Bau des zweiten Teilstücks der Tiroler Unterinntalbahn zwischen Radfeld und Kufstein/Schaftenau (20 Kilometer) auf eine Zeit nach dem Jahr 2040 verschieben zu wollen. Dabei handelt es sich ebenfalls um einen Teil der BBT-Nord-Zulaufstrecke. Man passe sich damit dem deutschen Ausbautempo an – aus budgetären Gründen, hieß es. Der Infrastrukturplan für Österreich soll dementsprechend überarbeitet werden.
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Forderungen: Bürgermeister will Lärmschutzwände und Fahrverbote
Der Tiroler Landtagsabgeordnete Florian Riedl entsendet unter diesen Umständen einen „Weckruf für Berlin und Wien“. „Bei diesen Zahlen muss man auch außerhalb Tirols Verständnis dafür haben, dass der transitgeplagten Bevölkerung irgendwann keine Alternative mehr zu einem über die Grenzen spürbaren Hilferuf bleibt“, so der Landtagsabgeordnete in einer Mitteilung. Die Transitbelastung müsse sinken. Zwecks Verkehrsverlagerung auf die Schiene forderte Riedl den schnellen Ausbau des Nordzulaufs des Brennerbasistunnels (BBT) auf deutscher Seite. „Verzögerungen bei den Zulaufstrecken können wir nicht mehr akzeptieren“, mahnte er.
Für Logistiker und Touristen sind das keine guten Aussichten. Denn Bürgermeister Mühlsteiger kündigte als Gesicht des Anrainer-Protests weitere Aktionen für den Fall an, dass sich die Situation nicht entspanne. Während der Brenner-Demo übergab er eine Liste mit Forderungen. Darin enthalten: der Bau 13 neuer Lärmschutzwände entlang der Autobahn sowie ein Nacht-, Feiertags- und Wochenendfahrverbot für Lkw.








