Hunderttausende Menschen haben Papst Leo XIV. am Wochenende in Madrid mit Fahnen und Jubelrufen einen großen Empfang bereitet. Am Samstag strömte eine halbe Million junger Pilger zu einem großen Gebetstreffen ins Stadtzentrum. Am heutigen Sonntag feierte das katholische Kirchenoberhaupt in der City eine große Open-Air-Messe vor rund 1,2 Millionen Menschen. Anschließend folgte eine Prozession durch die Straßen der Hauptstadt.

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Doch Papst Leo kam nicht nur für religiöse Zeremonien und schöne Bilder. Gleich an den ersten beiden Tagen seiner einwöchigen Spanienreise setzte der Pontifex auch politische Akzente: gegen Populismus, gegen Polarisierung, gegen Ausgrenzung, Hass und die oft verfälschten Botschaften in den sozialen Netzwerken.
Pontifex spricht von „neuen Formen der Sklaverei“
Papst warnt: Die Welt soll nicht in Freunde und Feinde zerlegt werden
Gleich zum Auftakt seines Besuchs hielt der Papst im Madrider Königspalast eine Rede, in der er dazu aufrief, „spaltende und polarisierende Darstellungen“ hinter sich zu lassen und von „fruchtlosen Vereinfachungen“ zu einer Anerkennung der komplexen Wirklichkeit zu gelangen. In Spanien, wo die Rechtsaußenpartei Vox die Migration zum großen Kulturkampfthema macht und die politische Sprache seit Jahren rauer wird, wurden Leos Worte als klare Warnung verstanden: vor einem Denken, das die Welt in Freunde und Feinde zerlegt.
Der Papst sprach von Ansätzen, die scheinbar alles erklärten, aber die Welt mit „Gespenstern und Feinden“ bevölkerten. Auch die sozialen Netzwerke nahm Leo XIV. ins Visier. Die neuen Technologien seien zu einem künstlichen Raum geworden, in dem Vorurteile verschärft, kritisches Denken geschwächt und Intoleranz transportiert werde. Eine Warnung, die sich indirekt auch gegen Donald Trump lesen ließ: Der US-Präsident nutzt soziale Netzwerke seit Jahren als wichtigste Bühne für seine zugespitzten Botschaften und Angriffe auf politische Gegner.
Sicherheit, sagte das Kirchenoberhaupt, entstehe nicht durch Waffen und Mauern. Sie wachse vielmehr dort, wo Menschen lernten, gemeinsam mit anderen voranzugehen. In Madrid dankte der Papst Spanien ausdrücklich für seine „Treue zum Völkerrecht und zum Multilateralismus“ sowie für sein Engagement für Frieden und Solidarität zwischen den Völkern.
Gegen Ausgrenzung: Papstbesuch bei Zuwanderern und Obdachlosen
Damit klangen seine Worte ganz im Sinne der spanischen Mitte-links-Regierung von Premier Pedro Sánchez, international einer der vernehmbarsten Kritiker des Gaza-Kriegs, der militärischen Eskalation im Nahen Osten und der harten außenpolitischen Linie Donald Trumps. Für den angeschlagenen spanischen Regierungschef Sánchez kommt diese Unterstützung nicht ungelegen.
Sánchez steht wegen Korruptionsaffären in seiner sozialdemokratischen Partei unter Druck. Doch für einige Tage dominieren nun andere Bilder: der Papst bei Jugendlichen, mit Migranten und Menschen ohne Obdach, beim Bad in der Menge der Gläubigen. Diese Bilder verschieben die Aufmerksamkeit – und sie passen zu Themen, die die Sánchez-Regierung selbst gern in den Mittelpunkt stellt: Migration, Menschenwürde, Frieden, soziale Gerechtigkeit.
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Besonders sichtbar wurde das am Wochenende beim Papstbesuch im kirchlichen Caritas-Zentrum in Madrid. Dort traf Leo Menschen ohne Wohnung, Zuwanderer und sozial Ausgegrenzte. Im Zentrum hörte der Pontifex die Geschichte von Niurka, einer 33 Jahre alten Einwanderin aus Kuba, die ihre beiden kleinen Zwillinge auf dem Arm hatte. „Ich hatte große Angst“, erinnerte sie sich an ihre Ankunft in Spanien. Aber die Kirche habe sie aufgenommen und geholfen, „eine Zukunft der Hoffnung aufzubauen“.
Hunderttausende Jugendliche beten mit Leo XIV.
Auch der Senegalese Khadry, der 2020 gekommen war, sprach vor dem Papst. „Ich fand Menschen, die mich akzeptierten, ohne mich etwas zu fragen, die mich mit Respekt ansahen und mir das Gefühl gaben, dass mein Leben zählt“, berichtete er. Heute habe er Arbeit und einen neuen Lebensabschnitt begonnen. Dem Papst überreichte er eine Kopie seiner Aufenthaltskarte – ein kleines Dokument mit großer Symbolkraft in einem Land, das Hunderttausenden irregulären Migranten legale Papiere versprochen hat.
Ein weiterer großer Auftritt war das öffentliche Gebet mit Hunderttausenden Jugendlichen in der City Madrids. Leo rief die jungen Menschen auf, „Salz der Erde und Licht der Welt“ zu sein. „Angesichts der Leere von Gleichgültigkeit und Konformismus, angesichts der Gewalt von Krieg und Lüge, seid ihr selbst der Funke einer neuen Menschheit“, sagte der Papst.
Noch ein heikles Thema begleitet die Reise: der Missbrauchsskandal in der spanischen Kirche. Leo XIV. sprach von einer „offenen Wunde“ und kündigte an, in Spanien Missbrauchsopfer zu treffen. Das Thema ist hochaktuell. Erst vor wenigen Monaten hatten sich Regierung und Bischofskonferenz auf ein Entschädigungsmodell für Betroffene geeinigt. Opferorganisationen werfen der Kirche massive Vertuschung und mangelnde Transparenz vor.
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Spanienreise geht weiter: Feierlichkeiten in Barcelona
Am Montag wird der Papst im spanischen Parlament sprechen. Am Dienstag reist er nach Barcelona weiter. Dort feiert er am 10. Juni in der weltberühmten Sagrada Família eine Messe zum 100. Todestag des Baumeisters Antoni Gaudí. Anschließend segnet er den neuen Christusturm, der die Basilika mit 172,5 Metern zur höchsten Kirche der Welt macht. Danach geht es auf die Kanaren, wo Treffen mit Migranten auf Gran Canaria und Teneriffa geplant sind.
Spanien ist übrigens längst nicht mehr so katholisch wie sein Ruf. Der Kirche laufen auch hier die Schäfchen davon: Nach Umfragen bezeichnet sich nur noch etwa jeder fünfte Spanier als praktizierender Katholik. Lediglich jede fünfte Trauung wird kirchlich gefeiert, weniger als die Hälfte der Kinder wird getauft, und nur noch etwa ein Drittel der Steuerzahler kreuzt in der Einkommensteuererklärung das Feld zugunsten der Kirche an.










