Da ist es endlich – das Urteil, auf das nicht nur der Angeklagte, sondern ganz Norwegen gewartet hat: vier Jahre Haft für Marius Borg Høiby, den „Bonusprinzen“, den Erstgeborenen der norwegischen Kronprinzessin. Mit diesem Strafmaß blieb das Amtsgericht Oslo am Montagmorgen deutlich unter der von der Staatsanwaltschaft geforderten Haftstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten.

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Høibys Verteidiger hatten zum Abschluss der sechswöchigen Gerichtsverhandlung im März dafür plädiert, anderthalb Jahre Haft reichten aus. Die schwersten Vorwürfe, vier Fälle von Vergewaltigung im Schlaf, hatte Høiby von sich gewiesen. Das Gericht befand ihn in zwei Fällen für schuldig. Als Beweismaterial galten genau analysierte Videos von seinem Handy. Zwei weitere Punkte, in denen Marius schuldig gesprochen wurde: physische und psychische Gewalt in der Beziehung zu seiner Ex-Freundin Nora Haukland, sowie schwere Körperverletzung an einer weiteren Ex-Freundin. Nach einem Gewaltausbruch in deren Wohnung war Høiby im August 2024 erstmals festgenommen worden.
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Die Verteidiger der Nebenklage sagten dem norwegischen Rundfunk NRK nach der Urteilsverkündung: „Gewalt in Beziehungen ist ein ernstes Gesellschaftsproblem, das schwer zu beweisen sein kann.“ Haukland sei erleichtert, dass das Gericht ihrer Aussage gefolgt sei. Dem Urteil zufolge schuf Høiby in dieser Beziehung ein Muster der Angst, in dem seine damalige Freundin jederzeit mit neuen Gewaltausbrüchen rechnen musste.
Nach seiner ersten Festnahme waren zum Schrecken der Norweger immer weitere Vorwürfe gegen den heute 29-Jährigen erhoben worden, zunächst von weiteren Frauen, dann von Ermittlern und schließlich der Staatsanwaltschaft. Zu Beginn des Prozesses im Februar hatte Høiby erklärt, er sei für alle nur der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit. Deshalb habe er viel Bestätigung gebraucht und sie im Rausch gesucht – mithilfe von Alkohol, Drogen, Sex. Das Land sah ein äußerlich privilegiertes Leben, das außer Kontrolle geriet.
Antrag auf Entlassung abgelehnt: Sohn darf nicht zu Mette-Marit
Insgesamt 40 Anklagepunkte, darunter auch die von Høiby eingeräumten Drohungen, Sachbeschädigung und Drogendelikte, waren vor dem Osloer Amtsgericht verhandelt worden. In sechs Prozesswochen im Februar und März bekam Norwegen tiefe Einblicke in eine Osloer Party-Welt, in der Kokain zum Alltag gehört. Die größten Anklagepunkte waren die vier Fälle von Vergewaltigungen im Schlaf. Mit den Frauen hatte Høiby vor den ihm vorgeworfenen Straftaten einvernehmlichen Sex gehabt. Vor Gericht berief er sich auf seinen Rauschzustand: Er könne sich nicht an die Situationen erinnern. In zwei Fällen reichte die Beweislage laut Gericht nicht für eine Verurteilung.

Das Urteil von Montag ist noch nicht rechtskräftig. Høibys Anwälte kündigten laut Medienberichten an, in Revision gehen zu wollen. Zudem wollen sie erneut die Entlassung ihres Mandanten aus der Untersuchungshaft beantragen. Vor einer Woche hatten sie das bereits erfolglos versucht. Der Verurteilte wolle dringend nach Hause, Grund dafür sei der sich rapide verschlechternde Gesundheitszustand seiner Mutter. Doch der Antrag wurde zunächst abgelehnt – Høiby wurde nicht zugetraut, das Besuchsverbot gegenüber einer Ex-Freundin einzuhalten.
Vor wenigen Wochen erst hatte der Hof gemeldet, dass Mette-Marits schwere Lungenerkrankung einen lebensbedrohlichen Verlauf genommen habe, sodass nur noch eine neue Lunge ihr helfen könnte. Anstatt wie seine beiden Halbgeschwister Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Ingrid zu Hause Zeit mit Mette-Marit zu verbringen, saß ihr ältester Sohn bis zur Urteilsverkündung in Untersuchungshaft.
Norwegens Royals schweigen zum Urteil
Unglaublich hart sei das, hatte der „Bonusprinz“ da gesagt. Diesen Titel hatte Høiby in der norwegischen Presse weg, lange bevor seine Geschichte eskalierte. In Anlehnung an „Bonuskind“, wie man in Norwegen mittlerweile freundlicher statt Stiefkind sagt. Die sehr beliebten Staatsoberhäupter seines Landes waren also seine Bonusgroßeltern geworden, eine anfangs quasi märchenhafte Wendung seiner Kindheit. Er wurde in die Familie aufgenommen, aber Prinz konnte er nicht werden – eine bis dahin beispiellos undefinierte Rolle im königlichen Umfeld.
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Unter Nonstop-Beobachtung der Klatschpresse hatte dieser Nichtprinz als Teenager zu feiern begonnen und nicht mehr aufgehört, bis er offenbar die Kontrolle über sich verlor. Seine Familie äußerte sich während der Ermittlungen gegen ihn sehr zurückhaltend und betonte, dass nun die Polizei ihre Arbeit machen würde. Ähnlich klang es nach der Anklageerhebung und zum Prozessauftakt. Vor Gericht erschien keiner von ihnen. Gegenüber dem Sender NRK erklärte der Hof: „Der Fall wurde vom Gericht bearbeitet, und das Königshaus gibt keinen Kommentar zum Ergebnis ab.“
Mette-Marits Verbindung zu Epstein belastet die Königsfamilie
Norwegens Kronprinz Haakon, der Bonuspapa, hatte zu Beginn des sich entwickelnden Skandals auf einer Auslandsreise gesagt, er wäre jetzt gerne „bei Mette“, um sie zu unterstützen. Das war, bevor Anfang dieses Jahres der überraschend enge Kontakt der Kronprinzessin zum Sexualverbrecher Jeffrey Epstein enthüllt wurde und für zusätzliche Unruhe im Königshaus sorgte – und bevor sich ihr Gesundheitszustand rapide verschlechterte.
Die Richtung aber behielt der Thronerbe bei, auch als alle schlechten Schlagzeilen auf einmal kamen: Das Wichtigste für ihn sei es, in dieser schweren Zeit die Familie zusammenzuhalten, sagte er im Frühjahr vor norwegischer Presse. Dass sie mehrfach versucht hätten, dem ältesten Sohn der Kronprinzessin zurück in ein stabiles, drogenfreies Leben zu helfen, gehörte auch zu den Verlautbarungen dieser Zeit. Es glückte nicht, jedenfalls nicht, bevor es zu spät war: Jetzt muss Marius Borg Høiby für das geradestehen, was er getan hat.






