Satire darf vieles. Aber sie wird nicht automatisch gut, nur weil sie provoziert. Dieter Nuhrs jüngste Pointe über Femizide ist der beste Beweis dafür. Als der Kabarettist in „Nuhr im Ersten XXL“ Frauen empfahl, ihren Partner „vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenzulernen“, um keinem Frauenmörder zu begegnen, wollte er vermutlich provozieren. Gelungen ist ihm vor allem eines: Täter-Opfer-Umkehr. Und dafür erntet er auch noch Applaus.

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Doch Femizide geschehen eben nicht, weil Frauen leichtsinnig den falschen Mann mit nach Hause nehmen. Sie passieren meist dort, wo Täter ihre Opfer längst kennen – in Beziehungen, nach Trennungen, im eigenen Zuhause. Genau darin liegt die perfide Logik dieser Gewalt. Wer daraus eine Pointe macht, ist nicht witzig, sondern niveaulos.

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Dieter Nuhr hat in der Vergangenheit immer wieder mit Grenzüberschreitungen polarisiert. Das gehört zu seiner öffentlichen Rolle. Doch zwischen Provokation und Verharmlosung besteht ein schmaler Grat. Wer sich über Mächtige lustig macht, hält der Gesellschaft den Spiegel vor. Wer tödliche Gewalt gegen Frauen als Witzvorlage nutzt, tritt nach unten.

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Alina Juravel ist Redakteurin im Ressort Leben der FUNKE-Tageszeitungen.

Die Berufung auf die Kunstfreiheit ist in solchen Debatten nur ein Scheinargument. Denn oft wird dabei ein entscheidender Unterschied übersehen: Kunstfreiheit schützt vor staatlicher Zensur, nicht vor öffentlichem Widerspruch. Niemand darf Dieter Nuhr den Mund verbieten. Aber jeder darf feststellen, dass eine Pointe über Femizide keine mutige Satire, sondern gefährliche Verharmlosung ist. Und – angesichts von Hunderten getöteten Frauen jedes Jahr – zutiefst respektlos.