Diese Nachricht war ein Schock für die New Yorker: Ein Wolkenkratzer in Manhattan droht einzustürzen, hieß es am Dienstag. Polizei und Rettungsdienste räumten mehrere Straßen und Gebäude rund um das Hochhaus in der East 42nd Street unweit des Chrysler-Gebäudes und des Sitzes der Vereinten Nationen. Zwei tragende Säulen in dem 38-stöckigen Turm hätten sich verformt, teilte die Feuerwehr mit, die am Morgen (Ortszeit) einen Anruf wegen herabfallender Ziegelsteine erhalten hatte. Die Einsatzkräfte erklärten die umliegende Gegend daraufhin zur Sperrzone. Auch zwei Hotels und eine Schule mit Hunderten Schülern mussten laut Medienberichten evakuiert werden.

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Bei dem Gebäudekomplex im Stadtteil Midtown handelt es sich um die ehemalige Pfizer-Zentrale, die sich mitten im Umbaubauprozess befindet: Mit mehr als 1.600 Wohneinheiten ist das Projekt nach Angaben der Entwickler die größte Umwandlung von Büro- in Wohnraum in der Geschichte der Stadt. Zwei Bürogebäude aus den 1970er Jahren würden laut Medienberichten um mehr als ein Dutzend Stockwerke aufgestockt, ein angrenzender Turm werde neu gestaltet. Die Arbeiten sollten 2027 abgeschlossen werden.
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Hochhaus in New York nach Notreparatur stabilisiert
Die New Yorker Feuerwehr sprach am Dienstag zunächst von einer „sehr ernsten Lage“, später von der Gefahr eines Teileinsturzes. Das Problem mit der Statik betrifft, wie sich herausstellte, maßgeblich das 21. Stockwerk des Hochhauses. Auf Bildern aus dem Inneren des Gebäudes sind ein eingeknickter Stützpfeiler und verbogene Metallstreben zu sehen. Laut der „New York Times“ machten Arbeiter die Aufnahmen, bevor das Gebäude evakuiert wurde. Die Ursache des Vorfalls ist noch nicht bekannt.
„Zwei tragende Stützen sind eingeknickt; zudem wurden mehrere Risse und absackende Decken festgestellt“, sagte Bürgermeister Zohran Mamdani laut Medienberichten. Auch die Böden zwischen dem 21. und 26. Stock „hängen durch“, hieß es. Messungen hatten ergeben, dass sich das Gebäude bewegt. Am frühen Abend sei das dann nicht mehr der Fall gewesen, erklärte die Stadtverwaltung. Nach Notreparaturen wurde das Gebäude am Dienstagabend (Ortszeit) von den Behörden als stabil erklärt. Evakuierungsanordnungen für umliegende Gebäude wurden aufgehoben.

Evakuierungen in New York: Baugewerkschaft übt scharfe Kritik
Der Fall sorgte für Empörung unter Fachleuten. Clifford Johnsen von der Baugewerkschaft Steamfitters Local 638 kritisierte die Umbauten in dem ehemaligen Pfizer-Hochhaus. Das Aufsetzen zusätzlicher Stockwerke auf das bestehende Bürogebäude habe Druck auf die Stützpfeiler ausgeübt, sagte er. Die Bauarbeiten seien offenbar nicht richtig geplant gewesen. „Ich bin seit 21 Jahren im Baugewerbe, und ich habe noch nie einen Träger gesehen, der sich in der Mitte durchbiegt – das ist hochgradig gefährlich“, so Johnsen. „Die Stahlträger verbiegen sich dort wie Zigaretten“, wird er von CNN zitiert.
Der Projektentwickler in New York wies zunächst jede Verantwortung von sich und sprach von einem „typischen Konstruktionsfehler“ des Gebäudes. Wahrscheinlich seien die eingeknickten Stahlträger nicht oder nicht ausreichend verstärkt worden, sagte er der „New York Times“. Von Einsturzgefahr könne keine Rede sein, die Zwischendecken seien wohl nur um zehn Zentimeter abgesackt. Das von der Stadtverwaltung genehmigte Projekt sei an sich „perfekt“, die Fertigstellung werde sich bloß um ein paar Wochen verzögern.
A building in midtown Manhattan was evacuated after fire officials said two columns buckled and floors were sagging between the 21st and 26th floors. Several buildings nearby have also been evacuated over concerns of a potential collapse. CBS News' @lilialuciano has more. pic.twitter.com/mHMTiMjN8A
— CBS News (@CBSNews) 7. Juli 2026
Deutscher Prüfingenieur: „Lässt auf Planungsfehler schließen“
Auch Halim Khbeis, beratender Ingenieur und Prüfingenieur, zeigte sich auf Anfrage dieser Redaktion verwundert: „Dass das Gebäude nicht einsturzgefährdet war, halte ich für euphemistisch. Es war sicherlich von einer Einsturzgefahr auszugehen.“ Inwieweit diese durch die mittlerweile getroffenen Sicherungsmaßnahmen behoben sei, könne er aus der Ferne nicht beurteilen.
Konstruktionsfehler? Oder doch Planungsfehler beim Umbau? Jetzt müsse überprüft werden, ob die beiden eingeknickten Stützen möglicherweise nicht ausreichend verstärkt gewesen waren. Prüfingenieur Halim Khbeis: „Das lässt auf einen Planungs- oder Ausführungsfehler schließen. So etwas sollte nicht passieren.“ In Deutschland habe sich das System der Prüfingenieure bewährt: „Hier ist es so geregelt, dass bei größeren Umbauten oder Neubaumaßnahmen ein Vier-Augen-Prinzip besteht. Der Staat überträgt sozusagen seine Sicherheitsverantwortung auf entsprechend qualifizierte Ingenieure. Hierbei wird die Planung nochmals unabhängig angeschaut und geprüft.“
Der Ingenieur warnt: „Es muss vor allem auch sichergestellt werden, dass in den darüberliegenden Geschossen durch die Verformungen nicht weitere Probleme bestehen und auch dort Stützen ausknicken oder Deckenbereiche beeinträchtigt sind.“ Die Gegend rund um das betroffene Gebäude ist eine der betriebsamsten der Millionenmetropole: Tausende Menschen wohnen und arbeiten hier, hinzu kommen unzählige Touristen und zig Pendler, die den nahegelegenen Bahnhof Grand Central als Verkehrsknotenpunkt nutzen.
pek/afp/dpa/jle





