Immer mehr Badegäste bringen in ihrem Italien-Urlaub das Mittagessen selbst mit an den Strand: ein Stück Pizza, ein Sandwich oder eine zu Hause vorbereitete Mahlzeit. Der Grund ist einfach: Die Preise in den Strandcafés und Restaurants vieler Badeanstalten sind zuletzt deutlich gestiegen. Familien und Urlauber versuchen damit, die Kosten eines Strandtages zu begrenzen, die durch die hohen Preise für Liegen und Sonnenschirme ohnehin stark steigen.

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Doch das selbst belegte Brötchen im Strandkorb ist in Italien zum Streitthema geworden. Während viele Touristen im Urlaub nicht noch tiefer in die Tasche greifen wollen und deshalb auf mitgebrachtes Essen setzen, sehen Betreiber privater Badeanstalten darin eine Belastung für ihr Geschäftsmodell. Sie kritisieren Taschen voller Lebensmittel und Getränke als Imageschaden für ihre Einrichtungen und verweisen auf ihre eigenen gastronomischen Angebote.

Strandurlaub in Italien: „Das Meer ist ein Gemeingut“

In der süditalienischen Adria-Region Apulien hat die Debatte inzwischen sogar die politische Ebene erreicht. Der Präsident der Region Apulien, Antonio Decaro, stellt sich hinter die Strandgäste und meint: „Das Meer ist ein Gemeingut.“ Es könne nicht verlangt werden, dass Besucher eines Strandbads ausschließlich die Bar oder das Restaurant der jeweiligen Anlage nutzen müssten.

„Ein Sandwich oder eine Focaccia von zu Hause darf kein Problem sein“, sagte der Regionalpräsident. Angesichts der bereits hohen Preise für Sonnenschirme und Liegen sei es nicht gerechtfertigt, Strandgäste aus Gründen eines angeblichen „Anstands“ zum Konsum innerhalb der Anlage zu verpflichten, erklärte Decaro.

Die Debatte entzündete sich unter anderem an Berichten über Badegäste, die ihr mitgebrachtes Essen aus Sorge vor Konflikten mit Betreibern verstecken müssen. Besonders Familien kritisieren, dass ein einfaches Mittagessen am Meer schnell teuer werden kann. Betreiber der Badeanstalten argumentieren, dass sie erhebliche Kosten für Personal, Infrastruktur und Dienstleistungen tragen und daher auf Einnahmen aus dem Verkauf von Speisen und Getränken angewiesen seien, um ihre Umsätze in dem stark saisonalen Geschäft zu steigern. Verbände der Tourismus- und Badebranche warnen deshalb vor wirtschaftlichen Einbußen, wenn Gäste große Mengen eigener Lebensmittel mitbringen.

Urlaub: Strände in Italien nicht mehr frei zugänglich

Decaro verwies darauf, dass in Apulien bereits klare Regeln für den Strandbesuch gelten. Seit 2019 ist die Verwendung von Einwegplastik an den Stränden der Region verboten. Wer eigenes Essen mitbringt, müsse deshalb biologisch abbaubares Besteck und Geschirr verwenden. Alles andere sei nur eine elegante Umschreibung für: „Konsumiert bei uns oder gar nicht“, kritisierte der Politiker.

Die Diskussion um das „Pranzo al sacco“, das mitgebrachte Mittagessen, ist in Italien längst mehr als eine Frage der Verpflegung. Sie berührt auch den Streit über die zunehmende Kommerzialisierung der italienischen Strände. Immer weniger Strandabschnitte sind für Touristen frei, große Teile der Küste werden von Strandbädern betrieben, was immer wieder für Diskussionen sorgt. Für viele Urlauber gehört zur Freiheit am Meer auch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob sie ein Restaurant besuchen oder ihr eigenes Essen mitbringen.