Dem Jubel nach ist der Saal gut gefüllt. Hinter einem hölzernen Redepult steht eine junge Frau. Das warme Licht eines Scheinwerfers soll wohl für eine angenehme Atmosphäre sorgen. Doch die Worte, die die Rednerin ruhig und bedacht in das Mikrofon spricht, vermitteln das Gegenteil: Es ist eine knallharte Abrechnung mit dem Ende ihrer Schulzeit.

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Der Ort des Geschehens ist eine Räumlichkeit im Robert-Stock-Gymnasium in Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern). Ein Video der Rede, die die Schülerin auf der Abi-Abschlussveranstaltung hielt, verbreitet sich in den sozialen Netzwerken. Zunächst hatte der „Nordkurier“ über die fünfminütige Sequenz berichtet.

„Wie sicherlich hier alle wissen, sind die Prüfungsergebnisse etwas anders aufgefallen als erwartet“, leitet die Schülerin, deren Name nicht bekannt ist, noch wohlwollend ein. Ihren Angaben zufolge hätten 17 Schülerinnen und Schüler, darunter sie selbst, ihren Abschluss nicht bestanden. Das entspreche einer Durchfallquote von 34 Prozent. Damit würde das Gymnasium die Quote in Mecklenburg-Vorpommern von 7,4 Prozent bei weitem übertrumpfen.

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Schule in Mecklenburg-Vorpommern: „Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen?“

Ein Großteil ihres Jahrgangs habe immer stabile Noten gehabt, erklärt die junge Frau. Insbesondere der Matheunterricht sei aber von Lehrermangel und ständigem Wechsel geprägt gewesen. Grundsätzlich habe sie sogar Verständnis dafür. Aber: „Wie kann es sein, dass völlig inkompetente Lehrer angestellt werden?“, will die Rednerin wissen.

„Sind wir wirklich alle zu blöd gewesen? Haben wir nicht gelernt?“, fragt die Schülerin, bevor sie der Schule und den Lehrkräften in einer Reihe weiterer rhetorischer Fragen schwere Vorwürfe macht. „Ist es doch eher wichtig, dass niemand das Schulgelände verlässt und rauchende Schüler von Lehrern angemault werden, die selbst eine Zigarette in der Hand halten?“, will sie wissen. „Ist es hier wichtig, dass Schüler stolz auf sich sind – oder doch eher, dass einige Lehrer die Traumata ihrer Schulzeit an den Schülern auslassen, anstatt in Therapie zu gehen?“

Eine Antwort geben die Anwesenden, die in jubelnden Beifall ausbrechen. Unklar ist, wer im Publikum sitzt. Lobend nennt die Schülerin zwar die Namen einiger Lehrkräfte, die sie in der Schulzeit unterstützt hätten. „Es gibt wirklich Lehrer hier, die an einen glauben“, stellt sie fest.

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„Ganz ehrlich: Fickt euch einfach nur alle“

Anderen Lehrkräften wirft sie jedoch Überheblichkeit vor. Etwa dann, wenn der Unterricht und die Materialien nicht der Zeit angepasst würden. „Wie kann es sein, dass persönliche Probleme zwischen Lehrern und Schülern sich erst auf die Ergebnisse der Mitarbeitsnoten und letztendlich sogar vermutlich auf die Ergebnisse der mündlichen Prüfungen auswirken?“, will sie wissen. „An die, die unserem Jahrgang die Durchfallquote gönnen – ganz ehrlich: Fickt euch einfach nur alle“, schließt sie ihre Rede ausfallend. Erneut ertönt Applaus.

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Viele der Vorwürfe lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Das zuständige Schulamt Schwerin bestätigt jedoch eine „erhöhte Zahl nicht bestandener Abiturprüfungen“ am Robert-Stock-Gymnasium. Die Ursachen würden derzeit „umfassend analysiert“, zitiert „Bild“. Den Vorwurf häufiger Lehrerwechsel weist die Behörde allerdings zurück. Mit Blick auf die Wutrede der Schülerin spricht das Amt von „Beschimpfungen und Verunglimpfungen“: „Dies war sicherlich dem Umstand geschuldet, dass sie die Abiturprüfungen nicht bestanden hat“, zitiert „Bild“. Die Schule selbst äußerte sich auf Anfragen verschiedener Medien bislang nicht.

daw