- Im Gardasee breiten sich Welse immer rasanter aus
- Der invasive Raubfisch gefährdet den Bestand einheimischer Arten
- Jetzt sollen Fischer, Taucher und Freitaucher das „Monster des Gardasees“ eindämmen
Der Wels ist längst kein seltener Fang mehr: Der bis zu mehrere Meter lange Raubfisch breitet sich im Gardasee immer weiter aus. Die riesigen Raubfische, teils bis zu drei Meter lang, gefährden zunehmend das ökologische Gleichgewicht des größten italienischen Sees. Fischer bezeichnen sie bereits als „Monster des Gardasees“ und schlagen angesichts ihrer rasanten Verbreitung Alarm.

Die Präsenz dieser gebietsfremden und stark invasiven Art hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und stellt eine ernsthafte Bedrohung für heimische Fischarten dar. Nun greift die Region Lombardei zu ungewöhnlichen Mitteln: Speziell geschulte Fischer sollen die invasive Art künftig gezielt aus dem See holen. Kern des Konzepts ist ein regionales Register für sogenannte Selektionsfischer.
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Welsbestände am Gardasee: Wissenschaftler überwachen Population per App
Ähnlich wie Jäger bei der Regulierung von Wildschweinbeständen sollen sie nach einer speziellen Ausbildung und mit behördlicher Zulassung gezielt Welse entnehmen. Ziel sei nicht ein möglichst großer Fang, sondern ein wissenschaftlich begleitetes Bestandsmanagement. Unterstützt werden die Einsatzkräfte durch eine eigens entwickelte Smartphone-App. Sie dokumentiert Fangorte per GPS, Größe und Anzahl der gefangenen Tiere sowie weitere Daten wie Mageninhalte oder Hinweise auf Unterwassernetze.
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Dadurch soll die Entwicklung der Population langfristig überwacht und die Wirksamkeit der Maßnahmen bewertet werden. Besonders alarmierend ist nach Einschätzung von Experten, dass sich der Wels inzwischen immer besser an den Gardasee anpasst. Bisher konzentriert sich sein Vorkommen vor allem auf den südlichen Teil des Sees. Besonders betroffen ist der Abschnitt zwischen Sirmione und Lazise, wo das Wasser im Frühjahr klar und warm ist – ideale Bedingungen für die Fortpflanzung vieler Fischarten, aber auch ein optimaler Lebensraum für den Wels.
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Seine hohe Anpassungsfähigkeit – er kann auch in sauerstoffarmen oder schwierigen Gewässern überleben – verschafft ihm einen deutlichen Vorteil gegenüber einheimischen Arten. Die Raubfische jagen nicht nur Sardinen oder Barsche, sondern auch Vögel wie Enten. Künftig könnte der Wels jedoch weiter nach Norden wandern und dort heimische Arten verdrängen, warnen Experten. Zu den gefährdeten Fischen zählt der Carpione, eine ausschließlich im Gardasee vorkommende Salmonidenart, deren Bestand seit Jahren stark unter Druck steht.
Fischer wollen Welsbestand im Gardasee aktiv eindämmen
Nach Ansicht der Projektverantwortlichen reicht es nicht aus, auf eine natürliche Regulierung der Bestände zu hoffen. Der Wels wachse schnell, vermehre sich erfolgreich und treffe im Gardasee auf weitere Belastungen des Ökosystems. Deshalb sollen künftig Fischer, Taucher und Freitaucher gemeinsam an der Eindämmung der Art arbeiten. Auch traditionelle Fischernetze werden inzwischen angepasst.

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So arbeiten Fischer daran, Netze mit größeren Maschenweiten zu entwickeln, um gezielt Welse zu fangen, ohne andere Fischarten zu beeinträchtigen. Die Gemeinden am Gardasee setzen sich auch dafür ein, die Fischereiregeln anzupassen und den Fischern eine aktivere Rolle beim Schutz des Ökosystems zu geben. Geplant ist unter anderem, ein- bis zweimal pro Woche gezielte Fangtage für Welse einzuführen.
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Auch die Politik sieht Handlungsbedarf. Floriano Massardi, Vorsitzender des Agrarausschusses im Regionalrat der Lombardei, bezeichnet invasive Arten als ernsthafte Bedrohung für die Artenvielfalt des Gardasees. „Der Wels vervielfacht die Schäden im Ökosystem. Ohne wirksame Gegenmaßnahmen droht ein Punkt, an dem sich die Entwicklung nicht mehr umkehren lässt. Das dürfen wir nicht zulassen“, betonte Massardi.









