Die anhaltende Dürre in Europa hat weitreichende Auswirkungen auf die Flüsse und die Binnenschifffahrt. Die außergewöhnlich niedrigen Wasserstände beeinträchtigen nicht nur den Güterverkehr auf den Wasserwegen, sondern bringen auch historische Relikte ans Tageslicht. An mehreren Flussabschnitten werden verborgene Schiffswracks sichtbar. Besonders eindrucksvoll ist die Situation bei Prahovo in Serbien, wo in der Donau die Überreste deutscher Kriegsschiffe freiliegen.
Die Donau als Schiffsgrab: Niedrigwasser offenbart uralte Schiffswracks
Anhaltende Hitzewellen und ausbleibende Niederschläge führen derzeit in vielen europäischen Flüssen zu außergewöhnlich niedrigen Wasserständen. Der Rhein nähert sich an mehreren Messstellen historischen Tiefstwerten. So wurde in Rheinland-Pfalz ein Wasserstand von lediglich 29 Zentimetern gemessen. Die Folgen sind erheblich: Der Güterverkehr auf den Wasserstraßen ist vielerorts nur noch eingeschränkt möglich, während zahlreiche Flusskreuzfahrten verkürzt oder vorzeitig beendet werden mussten.
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Neben den ökologischen und wirtschaftlichen Auswirkungen hat das Niedrigwasser noch einen weiteren Effekt. Durch die sinkenden Pegelstände werden zunehmend Schiffswracks freigelegt, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte auf dem Grund der Flüsse verborgen lagen. Besonders die Donau entwickelt sich dabei zu einem bedeutenden archäologischen Fundgebiet. Bei Prahovo in Serbien treten die Überreste deutscher Kriegs- und Frachtschiffe zutage, die die Wehrmacht während ihres Rückzugs im Jahr 1944 versenkte. Nach historischen Angaben handelt es sich um mehr als 200 Schiffe, von denen zahlreiche aufgrund der niedrigen Wasserstände wieder sichtbar werden. Wie unter anderem T-Online berichtet, bergen einige der Wracks weiterhin erhebliche Gefahren, da sich an Bord noch Munition und Sprengstoff befinden können.
Auch im ungarischen Donau-Drau-Nationalpark bei Mohács haben außergewöhnlich niedrige Wasserstände mehrere Schiffswracks freigelegt, die aus der Zeit vor 1950 stammen. Einige werden der ehemaligen Kriegsmarine zugeschrieben, andere der zivilen Schifffahrt. Ihre genaue Herkunft konnte bislang jedoch nicht eindeutig archäologisch geklärt werden. Weiter flussabwärts nahe der ungarisch-kroatischen Grenze bei Opatovac befindet sich das Wrack des Frachtschiffes „Fulton“, das 1937 sank und einen mit mehreren Tonnen Kohle beladenen Lastkahn mit in die Tiefe riss.
Flussbett des Rheins: Sprengstoffschiff und Aalschokker sichtbar
Auch der Rhein beherbergt mehrere historisch bedeutende Schiffswracks, die bei außergewöhnlich niedrigen Wasserständen regelmäßig sichtbar werden. Zu den bekanntesten zählt das Wrack des Sprengstoffschiffes „De Hoop“ bei Kleve. Das Schiff sank im Jahr 1895 während der Verladung von rund 30 Tonnen Dynamit infolge einer gewaltigen Explosion. Sinkt der Pegel des Rheins auf weniger als 60 Zentimeter, treten die Überreste des Wracks erneut aus dem Wasser hervor.
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Ein weiteres bemerkenswertes Zeugnis der Schifffahrtsgeschichte befindet sich im Mündungsbereich bei Dormagen und Neuss. Dort wird bei ausgeprägtem Niedrigwasser das hölzerne Gerüst eines historischen Fischereifahrzeugs sichtbar, eines sogenannten Aalschokkers. Besonders außergewöhnlich ist, dass bei normalen Wasserständen lediglich die Mastspitze aus dem Rhein herausragt, während das übrige Wrack vollständig unter der Wasseroberfläche verborgen bleibt.




