Ich schreibe heute, am 14. August 2026, meine Kolumne für die kommende Woche, Erwin Strittmatter gedenkend. Er wäre am heutigen Tag 114 Jahre alt geworden. Am 31. Januar 1994 ist er in seinem brandenburgischen Rückzugsort Schulzenhof gestorben.

Die beiden Zeitpunkte sind für mich zur symbolischen Bedeutung für Versäumtes und Unwiederbringliches geworden. Erwin Strittmatter ist mir nahe in seiner Schreibweise, die mir immer wieder literarische und stilistische Genüsse verschafft. Ich kenne Strittmatters Werk in seiner Fülle, den Menschen, der sich dahinter verbarg, kannte ich kaum. Doch durch manche Passagen seines Werkes und durch die Lyrik seiner Lebensgefährtin Eva Strittmatter schimmert das familiäre Schulzenhofer Milieu.
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Das Vorhaben, Erwin Strittmatter einmal persönlich zu treffen, schob ich zu lange vor mir her. Nur ein Briefwechsel und ein stiller Vorwurf sind geblieben. Doch ich bin nachsichtig geworden. Ich kenne inzwischen die Schulzenhofer Idylle und den kleinen Friedhofshügel, auf dem Eva und Erwin Strittmatter begraben sind. War es Zufall oder Fügung?

Es kam zu einer überraschenden Begegnung mit Jacob Strittmatter. Wir standen gemeinsam vor den Gräbern seiner Eltern und seines Bruders Matthes. Meine nicht zu verbergende Regung hatte er wahrgenommen. Wir näherten uns sonderbar vertraut. Gemeinsam gingen wir hinüber zum Landsitz seiner Eltern, dem historisch gewordenen Stückchen Erde. Mir ist, als würde mir Erwin Strittmatter poetisch zuflüstern: „Zeitchen ist es her, als hier noch reges Leben war. Das Allerheiligste, mein Arbeitszimmer, darfst du nicht betreten“.
Und so endete mein Blick am Treppenaufgang hinauf zu dem Ort, an dem er seine Werke mit Disziplin und Ausdauer schrieb.




