Babys riechen wunderbar – zumindest für ihre Eltern. Warum Jugendliche diesen besonderen Geruchsbonus verlieren, untersuchte ein internationales Forschungsteam um Ilona Croy, Tomasz Frackowiak, Thomas Hummel und Agnieszka Sorokowska – und erhielt dafür den Ig-Nobelpreis.

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„Wissenschaft bedeutet Neugier, Freude am Experimentieren und im besten Fall auch eine gewisse Portion Verrücktheit. Dieser Preis stellt genau das in den Vordergrund – den Spaß an der Arbeit. Deshalb haben wir uns wirklich sehr über den Ig-Nobelpreis gefreut“, sagt Ilona Croy, Professorin für Klinische Psychologie am Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Der Ig-Nobelpreis ist als spielerische Alternative zum Nobelpreis gedacht. Sein Name ist ein Wortspiel aus „Nobel“ und dem englischen „ignoble“. Die jährlich von den Annals of Improbable Research vergebenen zehn Preise würdigen überraschende wissenschaftliche Arbeiten, die Menschen „zuerst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen“.
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Körpergeruch von 300 Kindern gesammelt
Auf die Forschung des Teams trifft dieses Prinzip in besonderer Weise zu, heißt es in einer Mitteilung der Uni Jena. Ausgangspunkt sei eine einfache Frage gewesen: Warum riechen Babys für ihre Eltern so angenehm – und was passiert mit diesem Geruch während der Pubertät?
Für die erste Studie von 2017 seien 255 Mütter und Väter gebeten worden, den Körpergeruch ihres Kindes zu bewerten. Zum Vergleich beurteilten sie auch den Geruch ihres Partners oder ihrer Partnerin. Das Ergebnis: Der Körpergeruch von Babys und Kleinkindern wurde von der großen Mehrheit der Eltern als besonders angenehm bewertet – sogar angenehmer als der des Partners. Mit zunehmendem Alter habe diese besondere Geruchsaffinität jedoch deutlich abgenommen. Dies sei unabhängig davon gewesen, wie gut Eltern die Beziehung zu ihrem Kind einschätzten.
Die Fragebogenstudie sei der Ausgangspunkt für eine Reihe weiterer Experimente gewesen. Das Team um Ilona Croy sammelte Körpergerüche von mehr als 300 Kindern unterschiedlichen Alters und präsentierte sie Eltern und Nicht-Eltern. Einige Untersuchungen fanden im MRT-Scanner statt.

Geruch von Teenagern wird von Eltern abgelehnt
Die Ergebnisse erweitern das Konzept des „Kindchenschemas“, das vor rund 80 Jahren zunächst anhand der visuellen Merkmale von kleinen Kindern beschrieben wurde, wird mitgeteilt. Demnach sehen Babys und kleine Kinder nicht nur niedlich aus, sie riechen auch besonders angenehm, und zwar nicht nur für ihre eigenen Eltern. Babygeruch aktiviere zentrale Bereiche des Belohnungssystems im Gehirn und könne dadurch Fürsorgeverhalten fördern.
Die Eltern erkennen und bevorzugen jedoch besonders den Geruch ihres eigenen Babys und Kindes – bis zur Pubertät, in der Eltern verwirrt vom Geruch des Teenagers sind und Mütter den Geruch der Söhne und Väter den der Töchter sogar ablehnen. Nach der Pubertät würden sich Eltern jedoch wieder an den Geruch ihrer Kinder gewöhnen.
Auszeichnung in Zürich
„Unsere Forschung zeigt, dass menschliche Körpergerüche soziale und biologische Informationen transportieren, die unser Miteinander steuern. Und vielleicht erzählt sie damit auch etwas über die Liebe: Wir sind darauf programmiert, uns um unseren Nachwuchs zu kümmern. Zugleich können wir lernen, den vertrauten Geruch unserer Nächsten wieder lieben zu lernen, auch wenn er sich im Laufe des Lebens verändert. Kurz gesagt: Babys riechen wunderbar. Teenager nicht mehr ganz so sehr. Aber wir lieben sie trotzdem“, sagt Ilona Croy.
Die Preisverleihung fand am Donnerstag im Kongresshaus Zürich statt.
red






