Es war eine Beerdigung der Superlative, als vor wenigen Tagen der wohl jüngste regierende König der Welt in Westuganda zu Grabe getragen wurde: König Oyo vom traditionellen Tooro-Königreich war im Alter von nur 34 Jahren an Krebs gestorben. Die Trauer war maßlos. Tausende begleiteten den umgebauten Luxus-Leichenwagen, in dem Oyo zu Grabe gefahren wurde.

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So groß wie die Trauer war auch der Streit um die Nachfolge. Vor allem, als ein Amateurfußballer aus London im Gespräch für den Thron war, geriet das Ganze zu einer Seifenoper. Selbst bis in die Politik hinein hatte das Gezerre, wer demnächst das Königreich Tooro mit seinen 800.000 Einwohnern im Südwesten von Uganda repräsentieren soll, heftige Wellen geschlagen.

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Nachfolge auf den Thron: Streit entfacht

Premierminister Calvin Armstrong Rwomiire erhob seine mahnende Stimme: „Noch bevor wir unseren König zur letzten Ruhe gebettet haben, sind bereits stark voneinander abweichende Standpunkte hinsichtlich der Nachfolge auf den Thron von Tooro zutage getreten“, klagte er. Die Krone sei zu bedeutend, um zum Streitobjekt zu werden.

Zwar wurde nun Prinz Edward Rukidi Kijanangoma vom sogenannten Nachfolgekomitee – einem Rat von Vertretern des königlichen Clans – als designierter König ausgerufen. Doch Teile der königlichen Familie, darunter auch die Mutter des verstorbenen Königs, Best Kemigisa, hatten sich gegen die Wahl des 56-jährigen beliebten Fernsehmoderators gewandt.

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In ihrer Stellungnahme erhob sie schwere Vorwürfe: Die Clan-Vertreter hätten entgegen dem letzten Willen ihres Sohnes zu früh einen Nachfolger genannt. Auch der Ort der Verkündigung verärgerte sie. „Sie hätten das überall machen können, doch sie entschieden zu jubeln, während mein Sohn nebenan in seinem Sarg lag“, schrieb sie.

König von Tooro: Plötzlich taucht ein Geheimsohn auf

Die Schwester des verstorbenen Königs warf den Verantwortlichen nicht nur vor, für „Verwirrung und Unruhe“ zu sorgen, sondern trumpfte gewissermaßen mit einer Sensation auf: „Mein Bruder hat einen Thronfolger hinterlassen, und das wurde ganz klar so festgelegt“, sagte Oyos Schwester, Prinzessin Ruth Komuntale, gegenüber der britischen BBC und BBC News Africa. Ihr verstorbener Bruder hätte laut einem Testament aus dem Jahr 2022 einen geheimen, jungen Sohn als Thronfolger bestimmt.

Uganda's Tooro Kingdom Holds Funeral For King Oyo Amid Succession Dispute
In einem luxuriösen Leichenwagen wurde der König zur letzten Ruhestätte gefahren.© Getty Images | HAJARAH NALWADDA

Einen Sohn? König Oyo war unverheiratet. Von einem offiziellen oder anerkannten Kind war bis zu seinem Tod nichts bekannt gewesen. Deshalb sollte das Nachfolgekomitee ja andere Verwandte bestimmen. Allerdings soll auch Premierminister Rwomiire schon kurz nach Oyos Tod die Existenz eines geheimen Zöglings bestätigt haben. In ugandischen Medien wurde berichtet, dass der Junge mittlerweile zehn Jahre alt und seine Mutter eine Lehrerin sei. Doch ein Großteil der Familie hält das für ein Hirngespinst.

Wie auch immer – aktuell ist Prinz Edward Rukidi Kijanangoma an der Reihe. Ein Fernsehmoderator als König also. Er selbst ist zurzeit noch in Trauer, vor allem wegen seines älteren Bruders, Prinz David Kijjanangoma (58). Der designierte König gab dessen Ableben am Dienstagmorgen in einem kurzen Beitrag auf X bekannt. „Schweren Herzens gebe ich den allzu frühen Tod meines älteren Bruders, Prinz David Kijanangoma, bekannt. Prinz David hat einen langen Kampf gegen den Krebs verloren. Weitere Einzelheiten folgen. Ruhe in Frieden, Bruder“, hieß es.

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Zuvor hatte sich das Scheinwerferlicht auf jemanden gerichtet, der auf dem Fußballplatz die Fans zum Jubeln brachte: Im Gespräch für die Thronfolge war nämlich zuerst ein Torwart mit dem Spitznamen „Big G“: George Desmond Kamurasi (36), Torhüter der South East Dons und Cousin von König Oyo. Laut der britischen BBC galt er lange als aussichtsreicher Kandidat.

Britischer Fußballtorwart war der Favorit für den Thron

Schon das hatte viele Schlagzeilen produziert. Schnell wurde nachgeforscht, was „Big G“, der auch an einer Grundschule im Londoner Stadtteil Abbey Wood arbeitete, wohl sonst so draufhat, außer Reaktionsschnelligkeit und einem sicheren Gefühl für den Ball. Ein ehemaliger Lehrer-Kollege bezeichnete ihn als „klasse Typ“, der sehr gut mit Kindern umzugehen wusste. „Er war ein richtiges Vorbild für sie“, sagte der Lehrer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Geradezu euphorisch war die Stimmung in London. Dort gönnte man dem Kicker diesen besonderen Aufstieg. „Big G“ selbst aber rief seine Landsleute auf Social Media zu Geduld und Ruhe auf, als sein Name erstmals genannt wurde.

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Vor Ort in Uganda war der britische Keeper allerdings sofort durchgefallen. Schließlich lebt „Big G“ ja nicht einmal in Uganda. Nein danke, meinten mehrere Kommentatoren. Erschwerend kam für sie hinzu, dass Kamurasi nicht etwa mit einer Frau aus dem königlichen Clan der Babiito oder wenigstens einer Uganderin verheiratet sei, sondern mit einer „Muzungu“-Frau, einer Weißen. Für manche Traditionalisten war allein das ein Grund der Ablehnung.

Womöglich wären die royalen Aussichten für „Big G“ ohnehin Furcht einflößend gewesen: In Tooro kursieren Legenden über einen Fluch, der über den Königen liegt. So soll die von ihrem Vater verstümmelte und in einer Höhle eingesperrte Königstochter Nyinamwiru diesen und all seine Nachfolger verflucht haben. Die Könige von Tooro würden jung sterben, und Kinder müssten das Gewicht ihrer Krone tragen. Einen Mittfünfziger und gewieften Fernsehmoderator dürften solche Unkenrufe wohl weniger erschüttern.