Als Noel und Liam Gallagher kürzlich an den Filmfestspielen in Venedig zur Premiere ihrer Doku auf dem roten Teppich standen, strahlten sie brüderliche Harmonie aus. Liam nahm Noels Hand, hob sie in die Höhe und witzelte mit seinem Bruder, sodass sich dieser vor Lachen krümmte. Dann hielt er ihm den Arm um die Hüfte.

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Für Musikfans in Großbritannien und rund um die Welt sind dies noch immer ziemlich ungewohnte Bilder. Schließlich machten die zwei Leadmusiker der Band Oasis drei Jahrzehnte lang Schlagzeilen, weil sie sich so sehr verabscheuten. Es war eine der notorischsten Familienfehden der Rockgeschichte.

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Oasis: Der Bruch zeichnet sich früh ab

Den Anfang sehen viele in einem Zwischenfall im Jahr 1994, wenige Monate bevor das Oasis-Debütalbum „Definitely Maybe“ auf den Markt kam. Die Band war auf der Fähre zu einem Auftritt nach Amsterdam, als Liam – der jüngere der Brüder – vollkommen besoffen in eine Prügelei verwickelt wurde. Er wurde zurück nach England geschafft, das erste Konzert in Kontinentaleuropa fiel ins Wasser.

Monate später wurden die beiden in einem Interview mit dem Musikjournal NME auf den Vorfall angesprochen. Noel verurteilte Liams Aussetzer, während dieser ihn als Teil des Rock-and-Roll-Lifestyles sah. Es dauerte nicht lange, da gerieten die beiden noch während der Interviews aneinander. Es folgte ein giftiger, mit Fäkalsprache durchsetzter Streit: „Shut the fuck up! Was du sagst, ist Bullshit!“ – so ging es gut eine Viertelstunde lang. Ob sie sich öfter so zanken, fragte damals der Interviewer. „Jeden Tag“, antwortete Liam. Und Noel ergänzte: „jede Stunde“.

Promi-Interview

Die folgenden Jahre, als Oasis Weltruhm erlangten und ganz oben auf der Britpop-Welle ritten, wurden von Schlagzeilen über ihre tiefe Animosität begleitet. Meist blieb es bei verbalen Beleidigungen – gern auch in aller Öffentlichkeit. Allerdings wurde auch einmal bei einem Streit ein Aufnahmestudio kurz und klein geschlagen.

Liam und Noel: Keiner rechnete mehr mit der Versöhnung

2009 kam schließlich der endgültige Bruch in der Beziehung. „Er könne keinen Tag länger mit Liam zusammenarbeiten“, schrieb Noel, als er die Band verließ. Das Verhältnis erholte sich nicht – im Gegenteil. 2011 sagte Liam: „Ich würde lieber meine eigene Scheiße essen, als wieder mit [Noel] in einer Band zu sein.“ In dem Stil ging es über Jahre weiter. Noch 2022 bezeichnet Liam seinen Bruder als „schrecklichen kleinen Mann“.

Und dann kam aus dem Nichts im Sommer 2024 plötzlich die Ankündigung, auf die Oasis-Fans lange und scheinbar vergeblich gehofft hatten: Für 2025 wurde die erste Tournee seit über 15 Jahren angekündigt. „Das große Warten ist vorbei“, schrieben Oasis auf Twitter. Die Konzertreise, die rund um die Welt führte, wurde von mehr als zwei Millionen Menschen besucht; um den Hunger der Fans zu stillen, musste Oasis Zusatzkonzerte geben.

Die Sorge, dass die alte Fehde während der Tournee wieder aufbrechen könnte, stellte sich als unbegründet heraus. Mit mittlerweile über fünfzig (Noel ist 59 Jahre alt, Liam 53) seien sie zu alt, um sich zu streiten, sagte Noel. Tatsächlich scheint die Versöhnung dauerhaft zu sein.

Tour für 2027 geplant: Termine in Deutschland

Die Tournee vom letzten Jahr wurde von einem Filmteam begleitet, das darüber eine Dokumentation machte: „Oasis – Don’t Look Back in Anger“ – angelehnt an einen ihrer größten Hits. Im Film scheinen sich die zwei ehemaligen Streithähne besser zu verstehen als je zuvor. „Es war alles vergeben, ohne dass ein Wort gesprochen wurde“, erklärt Noel darin. „All die kleinen Dinge, die uns aneinander genervt haben, sind auf einmal weg. Es ist kein Machtkampf mehr, wir sind uns ebenbürtig.“ Liam sei „entzückend“ – dieser habe „sich nie vorstellen können, dass ich ihn einmal so beschreiben würde“. Liam erwidert die warmen Worte: „Es fühlt sich an, als sei eine Last weggenommen worden.“

Schauspieler über harte Zeiten

Die Musik habe sie irgendwann wieder zusammengebracht. Der Keyboarder der Band, Christian Madden, bestätigte gegenüber NME, dass die beiden Brüder während der Tournee wirklich gut miteinander auskamen. Sie seien zwei Menschen, die „aufrichtig, warmherzig und versöhnlich“ zueinander waren.

Die beiden Krawallbürsten scheinen sich mittlerweile wieder so gut zu verstehen, dass sie gleich erneut auf Tournee gehen. Neun Tage nach der Premiere des Dokumentarfilms wurde die „Oasis Live ‘27 Tour“ angekündigt, die im kommenden Mai beginnt. 38 Konzerte in Großbritannien, Europa und den Vereinigten Staaten stehen an – unter anderem zwei in München. Oasis werden auch am Knebworth Festival in England auftreten, mehr als dreißig Jahre nachdem sie dort 1996 als Headliner vor über 120.000 Fans gespielt haben. Damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere.