Cendy Rahmat wuchs in Yogyakarta am Fuß des Gunung Merapi auf, einem der aktivsten Vulkane Indonesiens. 2010 erlebte er dessen größten Ausbruch seit mehr als einem Jahrhundert. Mehr als 300 Menschen starben. Vier Jahre später regnete die Asche des Vulkans Gunung Kelud in Ostjava auf ihn nieder. Als er 2019 schließlich in die indonesische Hauptstadt Jakarta zog, glaubte er sich in Sicherheit. „Ich dachte, in Jakarta würde ich nicht von einer Vulkan-Katastrophe betroffen sein“, sagte er dem australischen Sender ABC. „Ich war überrascht, dass die Asche uns auch hier erreichen konnte.“

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Die Asche kam dieses Mal vom Anak Krakatau, rund 150 Kilometer entfernt, der Anfang September dieses Jahres ausbrach. Die indonesische Wetterbehörde meldete bis zum 6. September Aschehöhen von bis zu 15.000 Metern westlich des Vulkans. Acht Flughäfen wurden geschlossen, mehr als 340.000 Urlauber und Reisende waren betroffen.

Sechs Vulkane in kürzester Zeit ausgebrochen: Forscher überrascht

Zuletzt brachen neben dem Anak Krakatau auch Semeru, Ile Lewotolok, Lewotobi Laki-laki, Ibu und Sinabung aus. Dass zwei oder drei Vulkane gleichzeitig aktiv sind, kommt laut Indranova Suhendro, Assistenzprofessor an der Gadjah-Mada-Universität, „ziemlich oft“ vor. „Dass aber sechs Vulkane auf einmal ausbrechen, ist selbst über Zeiträume von Jahrzehnten oder Jahrhunderten hinweg selten“, sagte er dem australischen Sender.

Vulkanausbruch in Indonesien
Der Anak Krakatau war im September 2026 ausgebrochen.© --/PVMBG via XinHua/dpa | --

Eine Kettenreaktion schließt er aus. Jeder Vulkan habe sein eigenes Magmasystem und seinen eigenen Eruptionszyklus, ein Vulkan löse keinen anderen aus. Diesmal hätten sich die unabhängigen Zyklen zufällig überschnitten. Indonesien liegt auf dem pazifischen Feuerring und hat laut seiner Vulkanologie-Behörde 500 Vulkane, von denen 127 aktiv sind. Nach Angaben des Smithsonian-Instituts sind seit 1960 in keinem Land mehr Vulkane ausgebrochen als hier, nämlich 55. Ursache ist die sogenannte Subduktion: Die Indo-Australische Platte schiebt sich unter die Eurasische. Das erzeugt gasreiches Magma, weshalb indonesische Vulkane so explosiv sein können, schreibt die Vulkanologin Heather Handley auf der Wissenschaftsplattform „The Conversation“.

Vulkan Anak Krakatau: Er sorgte schon für tausende Tote

Der Anak Krakatau („Kind des Krakatau“) entstand aus den Trümmern des Krakatau, der 1883 ausbrach. Nach Handleys Darstellung starben damals etwa 35.000 Menschen, mehr als 90 Prozent durch Tsunamis. Der Mond erschien blau, die weltweiten Temperaturen sanken in den Folgejahren um etwa 0,3 Grad Celsius. Eine der Explosionen war laut Handley noch nahe Mauritius, fast 5000 Kilometer entfernt, zu hören.

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Könnte sich das wiederholen? Handley hält das für schwer vorherzusagen. Der Vulkan bleibe hochaktiv, und Eruptionen könnten zu Instabilität und möglicherweise zu einem Einsturz führen. Langfristig könnten die wiederkehrenden Ausbrüche aber auch Druck abbauen. Beim Ausbruch 2018 stürzte der Großteil des damals rund 300 Meter hohen Kegels ein, ein Tsunami tötete mehr als 400 Menschen. Laut der Katastrophenschutzbehörde BNPB hat der Vulkan derzeit nicht das Potenzial für einen Einsturz, der einen Tsunami auslösen könnte.

Geld für Katastrophenschutz: Streit entfacht

Die Eruptionen haben eine Debatte über die Finanzierung des Katastrophenschutzes ausgelöst. Die BNPB erhielt im Haushalt 2025 rund 1,43 Billionen Rupien (über 70 Millionen Euro). Für 2026 sind es etwa 491 Milliarden Rupien (rund 24 Millionen Euro). Suhendro nannte diese Kürzung „sehr unklug“. Wegen der Anfälligkeit des Landes müsse die Finanzierung mindestens erhalten, wenn nicht erhöht werden.