Erfurt. Die Zahl extremistisch eingestufter Vorkommnisse an Thüringens Schulen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das Bildungsministerium bezeichnet den Zuwachs als besorgniserregend.

Die Zahl erfasster als extremistisch eingestufter Vorkommnisse an Thüringens Schulen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das geht aus einer Übersicht des Bildungsministeriums hervor, die dpa vorliegt. So wurden im vergangenen Jahr 91 solcher Fälle registriert. In den Jahren 2021 und 2020 – in denen die Corona-Pandemie den Schulbetrieb teils stark einschränkte – waren es dagegen jeweils 55 und 53 gewesen. Davor bewegte sich die Zahl jährlich seit 2015 in einer Größenordnung zwischen rund 60 und 75. Zuvor hatte die „Welt am Sonntag“ über die Entwicklung berichtet.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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„Der aktuelle Zuwachs an extremistischen Vorfällen ist nach erster Einschätzung Ausdruck des sich teilweise zuspitzenden gesellschaftlichen Klimas und daher natürlich besorgniserregend“, teilte das Ministerium zu dem Überblick mit. Gemessen an den absoluten Zahlen prägten extremistische Vorfälle jedoch nicht das schulische Leben an den Thüringer Schulen. Nichtsdestotrotz müsse jeder Vorfall ernstgenommen werden.

Sogar Grundschulen aufgelistet

Aus der Übersicht geht auch hervor, dass vor allem Meldungen aus Regelschulen vorliegen; sogar Grundschulen sind gelistet. Überwiegend geht es um die Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Welche politische, religiöse oder weltanschauliche Gesinnung Ausgangspunkt für die Meldungen waren, lässt sich aber längst nicht in allen Fällen nachvollziehen.

Zahlen nur eingeschränkt aussagekräftig

Denn beim Blick auf die reinen Zahlen sind Einschränkungen zu beachten. Dass es zu einer Meldung aus einer Schule kam, heißt nicht zwangsläufig, dass die Verantwortlichen unter der Schülerschaft oder den Lehrkräften zu finden sind. So wurden etwa auch solche Vorkommnisse außerhalb der Unterrichtszeit ausgewertet, bei denen Unbekannte oder zumindest schulfremde Personen die Taten begingen, wie es aus dem Bildungsministerium heißt.

Zudem würden die Geschehnisse nur dann in einer separaten Kategorie erfasst, wenn es um offensichtlich entsprechend extremistisch motivierte Handlungsweisen geht. So zeigt eine separate Auflistung, dass es von 2018 bis 2022 jährlich jeweils zwischen sechs bis eine Meldung gab, der eine antisemitisch motivierte Tat zugrunde lag. Im Falle von rechtsextremistisch motivierten Fällen wurden im vergangenen Jahr keine Meldungen erfasst. In den Jahren ab 2018 dagegen jeweils zwischen vier und zehn.

Eine weitere Einschränkung entsteht dadurch, dass zwar staatliche Schulen verpflichtet sind, solche Vorkommnisse zu melden. Schulen in freier Trägerschaft dagegen können nach eigenem Ermessen melden.

Aktuell wird deutschlandweit über die Problematik gerade von rechtsextremistischen Vorfällen an Schulen diskutiert. Hintergrund sind zwei Lehrkräfte aus Brandenburg, die über entsprechende tägliche Vorkommnisse einen Brandbrief verfasst hatten und daraufhin Anfeindungen ausgesetzt waren. Die Lehrerin und der Lehrer kündigten vor einigen Tagen an, die Schule wechseln zu wollen.

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