Erfurt. Der Meinungsforscher Hermann Binkert gibt bei der TA-Ringvorlesung in Erfurt Einblicke in die Stimmung im Land und verrät, welche Menschen am ehesten unzufrieden sind.

Jeder dritte Befragte habe derzeit Angst, seine Meinung zu sagen, sagt Hermann Binkert, Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Insa-Consulere am Montagabend im Rahmen der TA Ringvorlesung „Im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft, Politik und Medien“. Für den Meinungsforscher ein nicht unwichtiger Fakt, ist er doch darauf angewiesen, dass Menschen ihm ihre Ansichten anvertrauen. Warum das so ist – diese Interpretation überlasse er lieber Menschen, die in der Meinungsbildung tätig seien. Die Aufgabe von Meinungsforschern sei es, gefühlte Wahrheiten der Menschen abzufragen und die Stimmung im Land einzufangen.

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Junge Leute zu erreichen, gestaltet sich schwieriger

Um das möglichst realitätsnah spiegeln zu können, befragen Beschäftigte in Meinungsforschungsinstituten Menschen nach ihren Einstellungen. Und das nicht nur übers Telefon, sondern eben auch online. „Die telefonische Befragung, so wie man es Jahrzehntelange gemacht hat, birgt die Gefahr, dass die Gruppe, die man erreicht, immer kleiner wird“, sagt der Insa-Chef. Vor allem junge Menschen seien über das Telefon kaum noch zu erreichen. Um ein möglichst repräsentatives Bild zu bekommen, greife man neben der telefonischen auch auf die Online-Befragung zurück.

Mit diesem Methodenmix und den passenden Fragen können Meinungsforscher beispielsweise relativ genau ermitteln, wie hoch die Zustimmungswerte für einzelne Parteien sind. Bei solchen Erhebungen komme es durchaus vor, dass die ermittelten Werte den Parteien oder Politikern nicht immer gefallen, sagt Binkert. „Es kommt regelmäßig vor, dass wir von allen Seiten beschimpft werden“, aber das müsse seriöse Meinungsforschung aushalten. Dass es zu Beschimpfungen komme, liege vor allem an einer verschobenen Wahrnehmung. Manche Politiker befänden sich in einer Blase und bekämen von Freunden oder Bekannten zu hören, dass man sie toll findet, wobei die Außenwahrnehmung eine andere sei.

Menschen auf dem Land sind zufriedener als in der Stadt

Neben parteipolitischen Präferenzen fragen Meinungsforschungsinstitute auch andere Themen, wie die momentane Zufriedenheit und das allgemeine Lebensgefühl der Bürgerinnen und Bürger ab. Interessant zu sehen sei dabei, dass Menschen, die auf dem Land leben, zufriedener seien als Menschen, die in Städten wohnen. Gleichzeitig jedoch sagen 57 Prozent der Befragten, dass der ländliche Raum von der Politik benachteiligt werde, wobei Leute auf dem Land dieser Einschätzung stärker zustimmen, als Menschen, die in der Stadt wohnen.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zudem würden 61 Prozent der Befragten sagen, dass Deutschland in einer schlechten Verfassung sei. Dabei könne man sehr genau feststellen, aus welchem Lager diese Einschätzung komme. Wähler von AfD und BSW würden das zu über 80 Prozent sagen, Unionswähler zu etwa 66 Prozent, FDP-Wähler zu 50 Prozent und Grüne und SPD-Wähler seien mehrheitlich nicht dieser Meinung, sagt Binkert. Wie gespalten die Gesellschaft sei, würde man unter anderem an der wirtschaftlichen Zufriedenheit festmachen können. 43 Prozent der Befragten seien mit ihrer wirtschaftlichen Situation zufrieden, 44 Prozent nicht. Vor allem BSW,- und AfD-Wähler seien mit ihrer wirtschaftlichen Lage unzufrieden.

Zum Abschluss der Veranstaltung sagt Binkert noch, dass unsere Gesellschaft mit Blick auf die Meinungsfreiheit in einen Dialog treten müsse. Denn nur, wenn miteinander gerungen werde und es einen Wettbewerb der Ideen gebe, würde sich etwas verändern. Deswegen müsse man auch den Blick des jeweils anderen ernst nehmen.

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