Regierungskrise, Minderheitsregierung, Corona, steigender Zuspruch für die AfD und schlechte Umfragewerte - Bodo Ramelow hat in seiner Zeit als Ministerpräsident schon einiges durchgemacht.
1. Ramelow ist der erste Ministerpräsident der Partei Die Linke
Ramelow hat für seine Partei den ersten und bisher auch einzigen Posten als Ministerpräsident erlangt. 2014 wurde er zum ersten Mal in das Amt gewählt. 2020, im Anschluss an die Thüringer Regierungskrise, begann nach seiner Wiederwahl seine zweite Amtszeit. Einen Monat war er zwischen Februar 2020 und März 2020 nicht im Amt. Der FDP-Politiker Thomas Kemmerich war in dieser Zeit Regierungschef. Den Wahlsieg der Linken bei der Landtagswahl, wo seine Partei auf 31 Prozent kam, nennt er auch fünf Jahre später noch „meinen bittersten Wahlsieg“. Der Grund: Es konnte keine Mehrheitskoalition gebildet werden.
2. Bodo Ramelow wurde jahrzehntelang vom Verfassungsschutz beobachtet - zu Unrecht
In den 80er Jahren legte der Verfassungsschutz eine Akte für Bodo Ramelow an, der damals Gewerkschaftssekretär in Hessen war. Grund dafür sollen Kontakte zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) gewesen sein. Mitglied der DKP war Ramelow nie; er wurde erst 1999 in der ehemaligen SED-Nachfolgepartei PSD politisch aktiv. Ab 2003 kämpfte Ramelow medienwirksam gegen seine Überwachung durch Verfassungsschutz. 2013 gab ihm das Bundesverfassungsgericht recht: Ramelow sei keiner anti-demokratischen Bestrebung verdächtig und die Beobachtung unzulässig, so das Gericht.

3. Bodo Ramelow - in Niedersachsen geboren, in Thüringen Fuß gefasst
Ramelow wurde 1956 im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck geboren. Nach der 9. Klasse zog seine Familie mit ihm nach Mittelhessen. Die Fachhochschulreife und seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann erlangte Ramelow in Gießen und Marburg. Für seine Arbeit als Gewerkschaftssekretär blieb er bis 1990 in Hessen. Nach der Wende zog es ihn dann nach Thüringen, um dort beim Aufbau der neuen Gewerkschaftsstrukturen zu helfen. Seitdem lebt Ramelow in Thüringen. Hier arbeitete er weitere neun Jahre als Gewerkschaftsvorsitzender, bis er 1999 in die Politik einstieg.
4. Ramelow als Schlichter im Bahn-Streik
Nicht nur seine Arbeit vor dem Einstieg in die Politik verbindet Ramelow mit den Gewerkschaften. Als Ministerpräsident schlichtete er bereits 2015 und 2017 in Tarifstreiks zwischen der Lokführergewerkschaft GDL und der Bahn. Zu Beginn des Jahres 2024 half er im Konflikt zwischen Lufthansa und ver.di ebenfalls bei der Suche nach einer Einigung.
5. Bodo Ramelow ist bekennender Christ
Eine Ausnahme in seiner Partei „Die Linke“ stellt Ramelows offenes Bekenntnis zum Christentum dar. Der Protestant hat in seiner politischen Karriere schon oft Halt im Glauben gefunden, sagte er im Vorfeld des Katholikentags 2024 in Erfurt. Mit katholischen Gottesdiensten fremdelt er trotz seines evangelischen Glaubens nicht, so der 68-Jährige.

6. Bodo Ramelow: Erfolgreich trotz Legasthenie
Dem thüringischen Ministerpräsidenten wurde mit 18 Jahren eine Lese-Rechtschreibschwäche diagnostiziert. Zuvor sei er in der Schule oft als „hochintelligent, aber stinkend faul“ beschrieben worden, erzählt Ramelow bei „Caren Miosga“ im Februar 2024. Dafür habe er eher „einen Satz hinter die Ohren“ als Hilfe bekommen. Die Diagnose, die er während seiner Berufsausbildung bekam, sei eine Erleichterung gewesen. Diese Lernschwäche führte aber auch zu einer beeindruckenden Fähigkeit: Ramelow sagt, er erarbeite seine Reden, ohne sie aufzuschreiben und könne sie deswegen immer auswendig.



