Entsetzen und Stille im Restaurant „Luftbad“ im Erfurter Norden. 5,2 Prozent hatte die Partei Die Grünen 2019 in Thüringen geholt. Dieses Mal hat sie die erforderliche Hürde nicht genommen – und ist raus aus dem Landtag. Zur Verkündung des Ergebnisses bei der Wahlparty waren die Gesichter teilweise wie versteinert. Denn es bedeutet den Absturz aus der Regierung heraus in die außerparlamentarische Opposition.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Es wurde im matten Licht im Inneren des schmucken Backsteingebäudes gemeinsam getrauert, wobei es am Eingang im Außenbereich noch freudvoll zuging. Kleine Präsente – Kreide, Kondome, Seife, Gummibärchen und Flaschenöffner – lagen dort zum Mitnehmen bereit. Die beiden Spitzenkandidaten griffen nicht zu. Madeleine Henfling, die die Grünen erstmals in den Wahlkampf führte, war wie Bernhard Stengele, mit dem sie die Landesliste anführt, bereits rund eine Stunde vorher gekommen.
Grüne in Thüringen: Schon 18.06 Uhr auf dem Podium
Und bereits sechs Minuten nach Verkündung des niederschmetternden Ergebnisses standen sie auf dem Podium. Nach den Dankesworten an die Versammelten brach die 41-Jährige in Tränen aus. Nicht wegen des eigenen Abschneidens, sondern weil die AfD so viele Prozent geholt hat. Bernhard Stengele sprang ein, sprach davon, dass man mit dem Resultat für die eigene Partei rechnen musste. „Wir hatten unentwegt gegen Lügen zu kämpfen, aber wir werden uns weiter einsetzen für die Energiewende, für Klimaschutz und vor allem für Demokratie.“
Auch interessant
Als sich Madeleine Henfling wieder gefangen hatte, sagte sie, dass man weiter ein starkes Bündnis sein wolle. Und sie kündigte an: „Der Abend ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang.“
Katrin Göring-Eckardt als Trostspenderin aus Berlin zu Gast
Und an dem kam dann auch noch Katrin Göring-Eckardt, Vizepräsidentin des Bundestages, als Trostspenderin aus Berlin. „Ein harter Tag für uns, aber wir werden wiederkommen“, sagte die gebürtige Thüringerin. Und ergänzte gegenüber Funkemedien Thüringen: „Der Wahlkampf hat unter schwierigen Bedingungen stattgefunden. Landespolitik hat kaum eine Rolle gespielt. Leider gab es im Bund immer wieder Streit in der Koalition. Wir werden diese aber trotzdem nicht infrage stellen.“
Madeleine Henfling ahnte schon vor dem 1. September: „Einige Menschen überfordern wir offensichtlich mit unserer Politik.“ Außerdem fehle es an Wählerklientel im Freistaat. Die Grünen seien da stark, wo junge Menschen in großen Städten und universitärem Umfeld leben. Thüringen dagegen sei ein Land mit vergleichsweise alter Bevölkerung und ländlich geprägt..





