In Thüringer Schulen ist laut jüngster Erhebung jede zehnte Unterrichtsstunde ausgefallen. Gezählt wurden dabei die Daten der ersten Septemberwoche, gegenüber der letzten Bestandsaufnahme im März 2024 mit einer Ausfallquote von 9,6 Prozent markiert das eine leichte Steigung.

„Viele Lehrer kommen ins Rentenalter, während die mittlere Generation faktisch fehlt. Die großen Einbrüche kommen erst noch.“

Landeselternsprecherin Claudia Koch. (Archiv-Foto)
Claudia Koch, Landeselternsprecherin

Besonders häufig traf es Gesamtschulen und Regelschulen, in letzteren fanden in der Erhebungswoche von insgesamt rund 84.000 geplanten Unterrichtsstunden mehr als 11.000 nicht statt. An Grundschulen betrug die Ausfallquote 8,5 Prozent, ähnlich hoch fallen die Leerstellen an Gymnasien statt. Weit über die Hälfte dieser Stunden wurde ersatzlos gestrichen, in mehr als jedem dritten Fall wurde anderer Unterricht erteilt oder die Schüler mit Stillarbeit beschäftigt.

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Neben akutem Lehrermangel erschweren auch Langzeiterkrankungen von Pädagogen die Unterrichtsabsicherung. Mehr als 650 Lehrer konnten aus diesem Grund im September nicht vor die Klassen treten, damit liegt ihr Anteil bei 4,3 Prozent der Thüringer Lehrerschaft. Gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang, der allerdings nur gering ausfällt.

Thüringer Schulen befänden sich nach wie vor mitten im Generationswechsel, so Bildungsminister Helmut Holter (Linke) zur Erhebung. Viele neue Pädagogen kämen in den Schulen an, dennoch prägen Lehrermangel und Unterrichtsausfall weiterhin oft das schulische Leben. Der Unterrichtsausfall bleibe hoch, doch die Bemühungen würden Früchte tragen, so Holter und verweist auf die aktuelle Lehrerzahl, die laut Bildungsministerium von 17.046 im Vorjahr auf 17.643 gestiegen ist. Leichtere Zuwächse gab es auch bei Erzieherinnen und sonderpädagogischen Fachkräften. 897 angehende Lehrer bereiten sich derzeit in Studienseminaren auf den Beruf vor, 171 mehr als im vergangenen Jahr.

Große personelle Einbrüche stehen erst noch bevor

Landeselternsprecherin Claudia Koch spricht von Schritten in die richtige Richtung. Doch diese Bemühungen reichten lange nicht aus, das zeigten die hohen Unterrichtsausfälle. Zumal große personelle Einbrüche erst noch bevorstehen, befürchtet sie mit Blick auf die Altersstruktur der Lehrerschaft. Viele Pädagogen nähern sich dem Rentenalter, während die mittlere Generation nur wenig in den Lehrerzimmern vertreten sei. „Das stellt uns vor große Probleme.“ Die Folgen kämen inzwischen auch immer spürbarer in den Gymnasien an, wo Eltern von Unterrichtsausfällen berichten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Für den Thüringer Lehrerverband (Tlv) ist der Zuwachs von 600 Lehrern kein Grund zum Durchatmen, im Gegenteil. Der gestiegene Unterrichtsausfall zeige, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, kommentiert Tlv-Vorsitzender Tim Reukauf den Befund und verweist auf Berechnungen des Verbands zum Schuljahresstart. Wenn man Langzeiterkrankungen und Freistellungen einbeziehe, fehlten an jeder Schule zwei bis drei Lehrer, hatte der Verband vorgerechnet. Hinzu komme, dass diese Ausfallstatistik vor der Erkältungswelle erhoben wurde, zwischenzeitlich dürfte sie weit höher ausfallen, befürchtet Reukauf.

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