In einer Viertelstunde kann man viel erledigen: Wäsche aufhängen, Spazieren gehen, ein paar Vokabeln lernen. Was man in einer Viertelstunde hingegen nicht schafft, sind große und komplexe Themen zu besprechen. Demokratie, Freiheit, Menschenwürde: Sie leben von Auseinandersetzung, vom Hinterfragen, vom Mitgestalten und dafür braucht es vor allem eins: Zeit.
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Wenn man sich die Zeit dafür nicht nimmt, verkommt politische Bildung zur Theorieübung und die Demokratie zu einem abstrakten Wort im Lehrbuch. Genau das droht mit der „Verfassungsviertelstunde“, die nun auch in Thüringen eingeführt werden soll. 15 Minuten pro Woche, um Kindern und Jugendlichen die Verfassung näherzubringen – hört sich erst mal gut an, ist in Wirklichkeit aber nicht mehr als Symbolpolitik.
Politische Bildung braucht Raum
Denn politische Bildung ist mehr als das Vermitteln von Paragrafen oder Grundrechten. Sie ist ein Prozess, der Beteiligung voraussetzt – und Räume, in denen junge Menschen Erfahrungen mit demokratischer Praxis machen können. In Klassensprecherwahlen, im Schulrat, in Debatten über Regeln im Schulalltag. Nicht nur im Lehrbuch, sondern im echten Leben.
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Eine Viertelstunde Demokratie pro Woche? Das ist nicht Bildung, das ist Beruhigung. Wer wirklich will, dass junge Menschen unsere Verfassung verstehen und für sie einstehen, muss ihnen mehr zustehen als ein paar Minuten Aufmerksamkeit. Demokratie braucht keine Viertelstunde – sie braucht ein Fundament. Und das legt man nicht im Vorbeigehen.




