In den Nachrichten und sozialen Medien taucht ICE regelmäßig auf – mit großen Razzien, Festnahmen und hitzigen Debatten über Einwanderungspolitik. Doch was genau ist ICE eigentlich, welche Aufgaben übernimmt die US-Behörde und warum ist sie so umstritten?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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ICE (Immigration and Customs Enforcement, dt. Einwanderungs- und Zollbehörde) ist eine Bundesbehörde der USA, die seit 2003 im Department of Homeland Security (DHS) angesiedelt ist. Gegründet wurde sie als Teil einer umfassenden Sicherheitsreform nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 mit dem Ziel, Einwanderung und Zoll besser zu koordinieren und die nationale Sicherheit zu stärken. Vor der Gründung von ICE war hauptsächlich der Immigration and Naturalization Service (INS)(dt. Einwanderungs- und Einbürgerungsdienst), der dem Justizministerium unterstand, für die Einwanderung zuständig.
Heute beschäftigt ICE mehr als 20.000 Mitarbeiter in über 400 Büros landesweit und international.
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ICE gliedert sich in vier Hauptbereiche:
- Homeland Security Investigations (HSI) – Ermittlungen zu grenzüberschreitender Kriminalität
- Enforcement and Removal Operations (ERO) – Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen und Abschiebungen
- Office of the Principal Legal Advisor (OPLA) – Rechtliche Beratung und Vertretung vor Gericht
- Management und Administrations – Organisation und interne Verwaltung
Derzeit ist Caleb Vitello amtierender Direktor von ICE. Er berichtet an Kristi Noem, die Ministerin für das Department of Homeland Security. Vitello war zuvor unter anderem Leiter des Büros für Feuerwaffen und taktische Programme sowie Stabschef der Enforcement and Removal Operations.
ICE: Aufgaben und umstrittene Praktiken
Während der ersten Amtszeit von Donald Trump von 2017 bis 2021 wurden die Prioritäten von ICE deutlich verändert. Zwar blieb die Zielsetzung, kriminelle Ausländer zu fassen und die nationale Sicherheit zu gewährleisten, bestehen – doch ICE weitete den Fokus auch auf Personen aus, die nicht zwingend als schwere Straftäter gelten. So wurden vermehrt auch Begleiter oder Familienmitglieder von Zielpersonen festgenommen.
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Immer wieder wird ICE wegen der Methoden ihrer Razzien kritisiert. Berichte dokumentieren Fälle, in denen Beamte gezielt in Vierteln mit überwiegend lateinamerikanischer Bevölkerung eingesetzt wurden. Dabei kam es nach Medienangaben auch zu Festnahmen von Menschen, die legal in den USA lebten. Kritiker sprechen von Racial Profiling und warnen vor den psychologischen und sozialen Folgen solcher Einsätze. Die Behörde betont dagegen, dass die Auswahl von Zielpersonen auf der Grundlage legaler Statusinformationen erfolgt, nicht auf Hautfarbe oder Herkunft.
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US-Behörde ICE: Kritik und öffentliche Debatten
ICE steht seit Jahren unter intensiver Beobachtung von Politik, Medien und Bürgerrechtsorganisationen. Die Diskussionen drehen sich vor allem um:
- Menschenrechte
- Diskriminierung
- Einsatzpraktiken
- Öffentliche Wahrnehmung
Zivilgesellschaftliche Gruppen, lokale Behörden und Anwälte klagen regelmäßig gegen bestimmte Praktiken von ICE, um sicherzustellen, dass rechtliche Standards eingehalten werden.
ICE in den USA: Beamte treten vermummt auf
Zunehmend treten ICE-Beamte vermummt auf, mit Sturmhauben, Basecaps oder Tüchern vor dem Gesicht. Offiziell dient das dem „Schutz der Einsatzkräfte“, die Drohungen ausgesetzt seien. Kritiker sehen darin aber eine Erosion demokratischer Grundwerte: Beamte, die nicht identifizierbar sind, können bei Fehlverhalten nicht juristisch zur Verantwortung gezogen werden.
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Die New York City Bar Association, ein freiwilliger Zusammenschluss von Juristen und Jurastudenten, sprach in einer Stellungnahme von einem „klaren Versuch, Verantwortlichkeit zu umgehen“. Auch Senatoren wie Scott Wiener sagen, dass Bundesbeamte bei der Interaktion mit der Öffentlichkeit keine Masken tragen sollten, und hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der sie dazu verpflichtet, ihre Masken abzunehmen.
3000 Festnahmen pro Tag
Trumps Berater Stephen Miller und Heimatschutzministerin Kristi Noem setzten ICE im Jahr 2025 eine aggressive Zielmarke: 3000 Festnahmen täglich. Um diese Quoten zu erfüllen, kommt es zu Einsätzen an öffentlichen Orten wie Baseballplätzen oder Parkplätzen vor Baumärkten. Da gesuchte Kriminelle oft untertauchen, konzentrieren sich Beamte zunehmend auf Migranten ohne Vorstrafen – Menschen, die integriert sind, arbeiten und Familien haben.
Rekordbudget und massive Ausbaupläne
Der US-Kongress stellte für die Amtszeit von Präsident Trump acht Milliarden US-Dollar bereit, um über fünf Jahre 10.000 neue ICE-Mitarbeiter einzustellen. Hinzu kommen 858 Millionen US-Dollar für Einstellungs- und Bindungsboni, wie „NBC News“ berichtete.
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Zusätzlich verfügt ICE über ein viel höheres Gesamtbudget, das allein für das Fiskaljahr 2025 auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt wird. Der Großteil dieser Mittel fließt in die Festnahme, Inhaftierung und Abschiebung von Migranten, von denen viele keine Straftaten begangen haben. Laut „NBC News“ hatte ein erheblicher Teil der durch ICE festgenommenen Personen keine strafrechtlichen Verurteilungen oder anhängige Anklagen – in einer Woche im Juni 2025 waren dies etwa 71 Prozent der Verhafteten und 67 Prozent der Inhaftierten. Zwei Drittel des Budgets werden für Haftkapazitäten bereitgestellt, oft in Privatgefängnissen, wodurch private Unternehmen stark von der aktuellen US-Einwanderungspolitik profitieren.
Abschiebung in den USA: Einwanderungsbehörde muss Personal aufstocken
Auf seiner offiziellen Karriereseite setzt ICE auf altbekannte Symbolik: „Onkel Sam“ ruft mit dem Slogan „America Needs You“ (dt. Amerika braucht dich) zum Dienst – diesmal nicht für den Krieg, sondern für Massenabschiebungen im Inland. Bewerben können sich nicht nur Studierende oder Berufsanfänger, sondern auch Veteranen und pensionierte Beamte.
News aus den USA
Die Behörde wirbt mit hohen Boni und umfangreichen Sozialleistungen. Neueinstellungen können bis zu 50.000 Dollar Prämie erhalten, zusätzlich werden laut dem US-Sender bei Vertragsabschluss über drei Jahre Schulden aus Studienkrediten bis zu 60.000 Dollar übernommen. Auch Kranken-, Zahn- und Rentenversicherung Teil des Pakets – Extras, die den Job besonders attraktiv machen sollen.
Zugleich wurden die Einstiegshürden gesenkt: Es gibt keine Altersgrenze mehr, und für viele Positionen ist keine Berufserfahrung in Strafverfolgung erforderlich. Bewerber müssen lediglich grundlegende formale Kriterien erfüllen und Tests zu Fitness, Drogenkonsum und Hintergrundchecks bestehen. Der gesamte Auswahlprozess kann innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein.
Neue Behörde in den USA: Auswirkungen auf das Einwanderungssystem
Die massive Fokussierung auf die Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen schafft ein „Deportation-Industrial Complex“ (dt.: Abschiebe-Industriekomplex): ein System aus privaten Gefängnissen, Aufträgen und Personal, das politisch und wirtschaftlich schwer rückgängig zu machen ist. Zugleich werden legale Prozesse und humanitäre Verfahren vernachlässigt – etwa Asyl, humanitäre Visa oder Schutzstatus. Festnahmen erfolgen zunehmend an Orten wie Schulen, Kirchen oder Gerichten, auch legal geschützte Migranten sind betroffen.















