Der Epstein-Skandal wird zur politischen Hypothek für Donald Trump und die Republikaner: Stolpert der US-Präsident nach zahllosen Skandalen nun ausgerechnet über einen Fall, den Trump gedanklich längst begraben hatte? Die „Akte Epstein“ besteht aus tausenden Seiten von Unterlagen über den verurteilten Kinderschänder und Menschenhändler, der 2019 in einem New Yorker Gefängnis Selbstmord begangen hatte. Die Preisfrage lautet: Was weiß der Präsident und welche Rolle hat er womöglich gespielt?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Nachgewiesen ist Trump bislang kein Vergehen. Doch Trump und Epstein waren über zehn Jahre lang befreundet, gingen auf dieselben Partys und reisten zusammen auf die Privatinsel des Sexualstraftäters. Trump schimpft heute über Epstein als „Fiesling“. Doch seine Wähler ebenso wie eine wachsende Zahl von republikanischen Politikern wollen wissen, ob der Präsident etwas zu verbergen hat.

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Die Vorgeschichte ist ein Musterbeispiel für den Opportunismus, der Trumps Regierungsstil prägt. So hatte er während des Wahlkampfs fest versprochen, im Falle eines Sieges die wichtigsten Unterlagen sofort publik zu machen. Kurz nach seinem Amtsantritt veröffentlichte Justizministerin Pam Bondi die sogenannte „Phase 1“ der Dokumente. Verteilt wurden die Papiere, die größtenteils schon bekannt waren, aber nur an rechtsgerichtete Blogger und Vertreter sozialer Medienkanäle, die vorteilhaft über den Präsidenten berichten. 

Epstein-Akten: Elon Musks Paukenschlag und Pam Bondis zensierte Dokumente

Für einen Paukenschlag sorgte dann Elon Musk. Nach seinem Zerwürfnis mit Trump postete der ehemalige Chef der Effizienzbehörde Doge, dass „es Zeit ist, eine Bombe abzuwerfen: Donald Trump steht in der Epstein-Akte!“. Der Druck auf den Präsidenten, weitere Dokumente freizugeben, wurde immens. Doch er zauderte. Als er in Umfragen immer weiter abrutschte und republikanische Kongressmitglieder drohten, die Veröffentlichung juristisch zu erzwingen, gab Trump nach.

Bondi veröffentlichte daraufhin eine zweite Tranche an Dokumenten. Unter anderem Flugprotokolle von Epsteins Privatjet, eine Liste mitfliegender Gäste und Namen seiner engsten Kontakte, die womöglich zu seinen „Kunden“ zählten. „Phase 2“ warf aber Fragen auf: Warum waren Namen sowie ganze Sätze durchgestrichen? Stand auch Trump möglicherweise auf der Liste von „Kunden“?

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Risse in Trumps Maga-Basis werden sichtbar

In dieser Woche nun hat ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses seinerseits Tausende Seiten mit Dokumenten zum Fall Epstein veröffentlicht. Die mehr als 33.000 Seiten wurden nach der Übergabe durch das Justizministerium auf seiner Website hochgeladen. Unklar war zunächst, ob die veröffentlichten Dokumente neue Informationen enthalten.

Zwar hatte der Präsident gehofft, mit der schrittweisen Freigabe von Dokumenten die Wogen zu glätten. Eingetreten ist aber das Gegenteil. Wie eine neue, nationale Befragung der University of Massachusetts Amherst feststellte, sind 47 Prozent der Wähler, die 2024 Trump ihre Stimme schenkten, „unzufrieden“ mit seiner Handhabung des Epstein-Falls. Die größten Risse in Trumps Maga-Basis werden in den fast 30 Prozent dieser Wähler sichtbar, die nun sagen, dass sie es bedauern, dem Republikaner ihre Stimme geschenkt zu haben. 

Lee M., ein Fotograf aus York im Swing State Pennsylvania, fasst die Stimmung unter Vertretern der „Make America Great Again“-Bewegung treffend zusammen: „Es geht hier nicht um Kreditbetrug oder andere Finanzdelikte, es geht um minderjährige Mädchen, die belästigt und missbraucht wurden, das ist ein ganz anderes Kaliber.“ Andere Wähler, deren Begeisterung für Trump bisher unerschütterlich war, weisen darauf hin, dass Trumps Freundschaft mit Epstein unwiderlegbar war und es daher den Dementis des Präsidenten an Glaubwürdigkeit fehlt. Schließlich gibt es zahlreiche Fotos, auf denen die beiden freudestrahlenden Männer zusammen sind, nicht selten in Gegenwart sehr junger Frauen. 

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„Das könnte Trumps Ansehen in der Partei gefährden“

Matt Welsh, der einen beliebten rechtsgerichteten Podcast moderiert, geht mit Trump hart ins Gericht. „Das schönzureden und so zu tun, als wäre alles in Ordnung, das ist schlichtweg keine Option mehr, er ist uns Rechenschaft schuldig“. Unterdessen spürt auch der Präsident selbst den wachsenden Druck. Und er schiebt wie gehabt der Opposition die Schuld zu. „Das ist alles ein großer Schwindel der Demokraten. Leider sind einige Wähler, die mich lange Zeit unterstützt haben, darauf reingefallen.“  

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#23 Jan van Aken über Waffen, Viren und das Geheimnis von Heidi Reichinnek
Meine schwerste Entscheidung
 

Dass langjährige Trumpisten abtrünnig werden, könnte wiederum Folgen für die kommenden zwei Wahlen haben, nämlich für den Kongress und dann die Präsidentschaft. „Das Thema ist so allgegenwärtig wie kein anderes, in allen Medien, selbst den rechtsgerichteten“, sagt der republikanische Stratege Kevin Madden. Dies könnte nicht nur zu geringerer republikanischer Wahlbeteiligung bei den Kongresswahlen und somit Mandatsverlusten im Parlament führen. Auch stellt die Verärgerung der politischen Basis ein Risiko für den nächsten republikanischen Präsidentschaftskandidaten dar. „Das könnte Trumps Ansehen in der Partei und sein politisches Vermächtnis gefährden“, glaubt der Stratege.