Wer in die Politik geht, braucht ein dickes Fell. Was Heidi Reichinnek erlebt, und damit ist sie nicht allein, geht aber weit über den politischen Schlagabtausch oder demokratische gelebte Debatte hinaus. Dem „Stern“ sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag: „Es ist wirklich krass, was da an Angriffen kommt“, vor allem auf Frauen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Reichinnek spricht von „Beleidigungen, Herabwürdigungen, Abwertungen von Intellekt oder Aussehen“. Auch müsse sie sich mit „sehr konkreten sexuellen Anspielungen“ auseinandersetzen und Bedrohungen wie: „Ich wünsche dir, dass dir jemand auf dem Heimweg begegnet.“

Auch Morddrohungen erhält die 37-Jährige demnach. „Ich bekomme alles, was man sich so vorstellen kann“, sagte sie dem „Stern“. Zwar halte sie sich für „einigermaßen robust“, ohne ihr Team würde sie die Attacken aber „nicht aushalten“.

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„Patriarchale Gewalt“ nimmt zu

Reichinnek beschreibt damit einen gefährlichen Trend in der Bundesrepublik. Gewalt gegen Frauen nimmt seit Jahren zu statt ab und nimmt verschiedene Formen an: von Beleidigungen im Internet, über sexualisierte und oder häusliche Gewalt, Menschenhandel bis hin zu Mord. Die Täter sind laut Bundesinnenministerium in den allermeisten Fällen deutsche Männer.

Expertinnen und Experten sprechen daher oft auch von „patriarchaler Gewalt“, mit der gesellschaftliche Missstände erhalten werden sollen: Männer üben Gewalt aus, um ihre Machtstellung zu erhalten.

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Frauen in der Politik häufiger Ziel von Gewalt

Im Bereich der Politik wird das besonders deutlich: So hat eine Studie der Menschenrechtsorganisation HateAid und der TU München ergeben, dass politisch engagierte Menschen vor allem von digitaler Gewalt getroffen werden und dort vor allem Frauen das Ziel sind. Insgesamt hatten 58 Prozent der Befragten angegeben, schon einmal im Internet angefeindet worden zu sein. Mit 63 Prozent war der Anteil an Frauen unter den Betroffenen deutlich höher als bei den Männern (53 Prozent).

Rund ein Viertel der befragten Frauen gab hier an, ihnen würde mit Vergewaltigung gedroht. Die Studie zitiert eine nicht näher genannte EU-Politikerin mit den Worten: „Unter den Kommentaren: Vergewaltigungsandrohungen, oder die Aussage, ich müsste nur mal richtig durchgefickt werden.“ Angriffe auf persönliche Merkmale berichten mehr als zwei Drittel der befragten Frauen, bevormundende Kommentare, sogenanntes Mansplaining, kennen fast 80 Prozent.

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#23 Jan van Aken über Waffen, Viren und das Geheimnis von Heidi Reichinnek
Meine schwerste Entscheidung
 

Politisch Engagierte werden zum Schweigen gebracht

Die Folge dieser und anderer Gewaltformen ist der sogenannte Silencing-Effekt: Die Betroffenen ziehen sich zum Selbstschutz zurück, geben Ämter und Mandate ab oder bewerben sich erst gar nicht, schränken ihre Social-Media-Nutzung ein oder verändern Ton und Inhalt ihrer Postings.

Mit anderen Worten: Die erlebte Gewalt schränkt (vor allem, aber nicht ausschließlich) Frauen nicht nur in ihren Menschenrechten ein, sondern auch in ihren demokratischen Grundrechten.

Dies wiederum betrifft dann vor allem Menschen, die sich mit Themen wie Diskriminierung, Klima oder Gleichstellung befassen, ergab eine Dunkelfeldstudie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Rund 20 Prozent der hier Befragten hatte angegeben, sich aus Veranstaltungen oder dem Wahlkampf zurückzuziehen – oder Themen auszuschweigen.